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Harald Voßhall nimmt Abschied von den Spruchbändern der Initiative »A33 jetzt«

Vier Jahrzehnte Kampf für Autobahn

Steinhagen  (WB). Auf Harald Voßhalls Rasen liegen vier Jahrzehnte Autobahn-Geschichte ausgebreitet. Der 86-Jährige hat 30 Spruchbänder der Initiative »A33 jetzt« vom Speicher geholt – eigentlich, um sie zu entsorgen.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Panoramablick auf 40 Jahre Einsatz für den Bau der Autobahn 33: Harald Voßhall hat die A33-Geschichte noch einmal ausgebreitet. Foto:

Doch vorher wirft er noch einmal einen Blick darauf. Denn jetzt, kurz vor dem endgültigen Lückenschluss werden die Banner nicht mehr gebraucht. Seit dem Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts zum Steinhagener A33-Abschnitt 2009 sind sie schon nicht mehr zum Einsatz gekommen. Und so haben die Spruchbänder eben nur bis zu 40 Jahre auf dem Buckel – im Gegensatz zu Voßhall selbst, der mehr als 50 Jahre für den Bau der Autobahn gekämpft hat. Er war Gründer und Motor der Initiative »A33 jetzt«, die als lockerer Zusammenschluss von A33-Befürwortern zwischen Schloß Holte-Stukenbrock und Dissen immer dort im Einsatz waren, wo die Initiative gerade Aktionen plante.

In Rudi Wolfs Werkstatt

Zuerst waren die Banner aus Stoff, später wetterunabhängig aus Kunststoff: »Die Beschriftung haben wir bei Rudi Wolf in der Werkstatt machen lassen«, so Voßhall. Der frühere Steinhagener Bürgermeister war Malermeister und ließ seine Mitarbeiter an den Spruchbändern arbeiten. »Sie sollten ja professionell aussehen«, so Voßhall. Die ersten Bänder waren sieben Meter lang – »kaum zu bewältigen«, so Voßhall.

Ein Spruch ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: »Erst verzöpelt, dann verhöhnt, ob Schwanhold uns versöhnt?« Damit richtete sich die Initiative gegen die ablehnende Haltung der NRW-Verkehrsminister Christoph Zöpel und Bärbel Höhn. Und? Hat Ernst Schwanhold, von Februar bis Juni 2000 im Amt, sie versöhnt mit der Landespolitik? »Nein. Der hatte keine Ahnung«, sagt Voßhall. Mehrere Plakate richten sich an Landesminister: »Herr Minister, wann A33 bis Bielefeld?« Dieses Banner sei in Schloß Holte eingesetzt worden, erinnert sich Voßhall. »Clement tu mehr – A33 muß her« ist ein weiteres. »Clement stand hinter uns, er stellte uns bei einer Veranstaltung sogar in die Reihe seiner SPD-Genossen.«

Viele Sprüche

»B68: Bürger in Not« ist ebenso zu lesen wie »B68 wird bald dicht, kommt A33 nicht«, »Wieder Leben an der B68« und »Lärm und Abgas machen krank«: Die A33 war schließlich dazu gedacht, die Bundesstraße zu entlasten – heute hört Voßhall in seinem Garten die Verkehr nicht mehr.

»40 Jahre Planerei ist eine große ...« – »Schweinerei«, vollendet Voßhall. Oder auch: »Schutz für jede Schnecke? Der Mensch bleibt auf der Strecke!« Harald Voßhall fallen viele Begebenheiten ein, die mit den Spruchbändern in Verbindung stehen.

Bedroht von Hüttendörflern

So war die Initiative kurz nach Baubeginn in Dissen mit einer Aktion auf der Trasse. Das missfiel offenbar den Hüttendörflern. »Sie kamen mit Hunden und bedrohten uns«, so Voßhall. Hartmut Nümann, später Bürgermeister in Dissen, hatte ein Handy dabei, eine absolute Seltenheit Ende der 90er Jahre. »Er rief die Polizei.«

Die Geschichte der Initiative »A33 jetzt« mündete schließlich in das Aktionsbündnis »A33 sofort«.»Wir haben all die Jahre Nadelstiche gesetzt«, so Voßhall. Doch erst als der Beschluss da war, aber kein Geld bereit gestellt wurde zum Bau, »da kam der Volksaufstand«, so Voßhall. Das Bündnis habe dann den nötigen Druck gemacht.

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