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Gronemeyer&Banck ist in Steinhagen bald Geschichte – ein Rückblick

Wenn Riesen auf Reisen gingen

Steinhagen

Nein, schön waren die Firmengebäude von Gronemeyer&Banck wohl noch nie. Aber gigantisch. Die Werkshallen standen den Produkten des Großbehälterspezialisten in nichts nach, denn auch sie waren – riesig.

Annemarie

Der Anfang vom Ende: Die Vorarbeiten sind gelaufen, jetzt gehen die Abrissbagger an die Substanz der Gebäude. Foto: Bluhm-Weinhold

Die Gebäude werden derzeit abgerissen und damit verschwindet ein Stück Steinhagen. Grund genug, mit dem WESTFALEN-BLATT zurückzublicken auf weit mehr als 40 Jahre Firmengeschichte von Gronemeyer&Banck in Steinhagen und mehr als 130 Jahre insgesamt. Und viele Male hat die Firma Schlagzeilen geliefert – meist wegen der rekordverdächtigen Größe ihrer Erzeugnisse und deren spektakulären Transporten, zuletzt aber im April 2018 mit dem Unfall eines Schwerlasttransports auf der abschüssigen Osningstraße am Werther Berg, Ende des gleichen Jahres mit der Insolvenz.

1881 haben Heinrich Gronemeyer und Carl Banck in Brackwede eine Kesselschmiede gegründet. Gefertigt wurden Dampfmaschinenkessel. Die Fabrik boomte in der Hochphase der Industrialisierung, wurde bald erweitert um Dreherei, Feuerschmiede und Blechbearbeitung. Im Jahre 1906 zählte sie 200 Arbeiter. Gronemeyer&Bank fertigte Kraftwerke und Hydrierwerke, Teile für Lokomotiven sowie Stahlbehälter. Als der Ostwestfalendamm gebaut wurde, musste die Firma weichen und zog 1972 nach Steinhagen, wo zugleich die dringende Erweiterung umgesetzt werden konnte.

50.000 Quadratmeter misst das Werksgelände, das nach der Insolvenz die Gütersloher Hagedorn Unternehmensgruppe erworben hat. Anstelle der alten Firmengebäude soll ein Gewerbepark entstehen. Inzwischen sind die Bagger an der Arbeit. Es geht nun den riesigen Werkshallen an den Kragen.

Was ist in ihnen nicht alles gefertigt worden. Den Stahlbehältern blieb die Firma treu. Aber die wurden immer üppiger. Denn Gronemeyer&Banck fand seine Nische im Großbehälterbau. Tanks von bis zu 60.000 Kubikmetern Fassungsvermögen waren keine Rarität im Firmenportfolio. Schwerlasttransporte auch in außergewöhnlicher Größe, so dass Straßenschilder und Ampeln abmontiert werden mussten, verließen durchaus häufiger das Gelände an der Waldbadstraße – vielfach ging es über Ascheloh zum Hafen Getmold am Mittellandkanal, wo die extremen „Frachtstücke“ dann per Schiff weiterfuhren.

Der Straßentransport brachte mitunter auch ausgefuchste Logistikprofis an ihre Grenzen. Im Jahr 2000 beispielsweise wurde die Kreuzung Hengeberg/Grüner Weg zum Nadelöhr für zwei 35 Meter lange und sechs Meter breite Transporter mit Zug- und Schubmaschine. Und auch die sechs Riesentanks für Flüssiggas, die im November 2016 in Steinhagen auf den Weg gebracht wurden, gehörten mit 27,5 Metern Länge und 4,80 Metern zur obersten Kategorie. Größenmäßig, aber auch qualitativ: Denn bei Flüssiggastanks muss extrem präzise gefertigt werden. Gronemeyer konnte das offenbar.

Auf die A33 hat die Firma gar nicht so dringend gewartet. Denn Transporte mit einer Höhe von mehr als 4,30 Metern kommen unter Brücken nicht hindurch. Im August 2018 war dann aber Autobahn-Premiere für einen Koloss, einen Wärmespeicher für die Stadtwerke Mainz, der sich auf einen 53 Meter langen Spezialtieflader so „schmal“ machen konnte, dass Brückenhöhen kein Problem waren.

30 Jahre war der Ascheloher Berg gängige Route für die Kolosse aus Steinhagen – und meist problemlos, wenn man von einem defekten Schwertransport absieht, der 2008 mal für 24 Stunden den Grünen Weg blockierte, bis ein Ersatzteil beschafft war. Die Bilanz änderte sich aber schlagartig, als am 5. April 2018 ein 90 Tonnen schwerer Kessel plötzlich nicht mehr zu bremsen war und auf der stark abschüssigen Strecke von Ascheloh nach Werther hinunter die Zugmaschine vor sich her schob. Der Fahrer tat alles, konnte seine Last aber nur noch nach links von der Fahrbahn manövrieren. Bremsversagen.

Spätestens Ende April ist Gronemeyer&Banck in Steinhagen Geschichte. Doch so lange dauert es, bis 7800 Quadratmeter Hallenfläche mit 81.000 Kubikmetern umbautem Raum, das Bürogebäude mit 4000 Kubikmetern und 16.800 Quadratmeter Außenflächen zurückgebaut sind.

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