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Trotz derzeitiger Schließung: Steinhagener Checkpoint-Team legt großen Wert auf die offene Jugendarbeit

»Wir haben den Kontakt nicht verloren«

Steinhagen

„Das Checkpoint öffnet wieder – in kleinen Schritten“, verkündet ein großes Transparent schon seit Monaten an der Fassade vom Haus der Jugend. „Abgesehen vom ersten Lockdown und den Schließungen infolge der Infektionslage bei Tönnies waren wir das ganze Jahr über erreichbar“, betont die Leiterin Karmen Höfing. Auch wenn es derzeit auch für das haus der Jugend heißt: Lockdown. Seit einer Woche und noch bis zum 10. Januar ist das Haus geschlossen. Dennoch: Eine Jahresbilanz lässt sich ziehen.

Johannes Gerhards

Natürlich ist es auch im Checkpoint nicht wie gewohnt gelaufen, aber „für viele bedeuten unsere Angebote die einzige Freizeitmöglichkeit“, erklärt Thomas Voßberg. Während in vergleichbaren Einrichtungen anderer Kommunen das Interesse an Jugendarbeit zunehmend erlahmt, können die Checkpoint-Mitarbeiter sogar von einer steigenden Tendenz berichten. „Trotz Begrenzung auf zehn Personen sind regelmäßig über die Woche verteilt bis zu 120 Kinder und Jugendliche in wechselnden Konstellationen gekommen“, sagt Roland Egert.

Faszinierend sei, dass sie untereinander selbstständig geregelt hätten, wer zu welchen Zeiten mit wem ins Checkpoint kommt. Trotz Voranmeldungen und Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände seien die Regeln durch Mitbestimmung ausgehandelt worden, wobei die Überzeugungsarbeit hinter den Kulissen oft mühsam gewesen sei. „Weil die Politik rumeiert“, gibt Roland Egert als Grund an. Er beklagt darüber hinaus, „dass offene Kinder- und Jugendarbeit in den Überlegungen nie vorkommt“.

An jedem Werktag gab es nachmittags einen Kindertreff und die Jugendzeit am Spätnachmittag und Abend. Zusätzlich waren bis vor kurzem spezielle Einzelaktionen wie Ausflüge zum Tierpark Olderdissen oder gemeinsames Backen von Waffeln und Plätzchen vorgesehen, die dann aber schon dem November-Lockdown zum Opfer fielen. Unter den Dynamiken, die sich auch in Pandemiezeiten entwickeln, ist das Engagement für den Bau einer Hütte im Garten des Hauses.

„Wer aus beengten Wohnverhältnissen kommt benötigt Rückzugsorte“, sagt Karmen Höfing. Es sei eine „Wahnsinnserfahrung“, wie die Jugendlichen untereinander Probleme lösten. Den Wechsel von Aufbau und Einreißen bezeichnet auch Roland Egert als wichtigen Lernprozess. Immerhin scheint das Thema Hygiene bereits ins Spiel integriert, denn neben der Hütte steht eine Kinderküche mit Waschmaschine und Spülbecken.

Bei Bastelarbeiten im Haus existierte eine feste Sitzordnung, ansonsten lag der Schwerpunkt auf freien Aktivitäten, die auch auf Abstand funktionieren wie Indoorboule, Playstation oder gemeinsames Filmegucken – allerdings ohne Snacks und Getränke. Die Bewegungsräume im ersten Stock lagen aus den genannten Gründen brach, stark frequentiert wurden dagegen die unterschiedlichen Fahrzeuge, mit denen die Kinder über den Hof kurven.

Im Corona-Jahr mussten zahlreiche Aktionen wie Ferienspiele, Sommerfreizeit in Lettland und der Weltkindertag ersatzlos gestrichen werden. Bei den zweigleisigen Planungen für die kommende Saison gilt es, den Spagat zwischen Möglichem und Erlaubtem zu schaffen, verbunden mit der Unsicherheit eventueller Absagen. Derzeit müssen – unter Vorbehalt – entsprechende Anträge beim LWL eingereicht werden. Karmen Höfing erwähnt in diesem Zusammenhang ein Schlagfertigkeitsprojekt, ein Deeskalationstraining oder auch die Kooperation mit einem Musiklehrer aus Gütersloh.

Die Mexikanerin Andrea Fierros hat sich ihr Freiwilliges soziales Jahr in Europa wohl auch anders vorgestellt. Immerhin werde die Coronasituation in Deutschland immer noch besser bewältigt als in ihrem Heimatland, befindet die 22-Jährige. Unterdessen waren Susanne Sonder und Alexander Frese auch außerhalb der gewöhnlichen Zeitspanne „von O wie Ostern bis O wie Oktober“ mit dem Spielmobil unterwegs. Während einer „Gaming-Woche“ kommen oftmals abfällig beurteilte Spielekonsolen zum Einsatz und sorgen für ungeahnte Gemeinschaftsgefühle unter Spielern und Zuschauern. Solche Erfahrungen hätte sie ohne Corona nie gemacht, gibt Susanne Sonder zu.

Auch wenn das Checkpoint derzeit nicht so gut – und derzeit gar nicht – besucht ist wie in normalen Wintermonaten, bleiben Jugendliche und Mitarbeiter auch dank sozialer Medien in Verbindung. Früher war das aus Datenschutzbedenken verpönt, aber „aktuell haben wir dadurch den Kontakt nicht verloren“, sagt Roland Egert.

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