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Schausteller Dirk Oberschelp über alternative Kirmes-Möglichkeiten in Corona-Zeiten

„Wir wären schnell wieder bereit“

Steinhagen

Als Bürgermeister Klaus Besser mit den Heideköniginnen Heidrun Barrelmeier und Tina Uffmann zur nächsten rasanten Runde im Musik-Express startete, wusste noch niemand, wie die Lage ein Jahr später aussehen würde. Jene Frühjahrskirmes vom 6. bis 8. März 2020 war Steinhagens letzte Großveranstaltung vor den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Knapp ein Jahr später spricht das WB mit einem der Organisatoren, Schausteller Dirk Oberschelp, über mögliche Planungen und über die Lage der Schausteller.

Volker Hagemann

Rückblick: Die Schausteller Dirk und Wilfried Oberschelp fahren mit dem damaligen Bürgermeister Klaus Besser und Heidekönigin Sandra Schröter (von rechts) im Musik-Express. Foto: Volker Hagemann

Es war abzusehen: Schon vor Wochen sagte die Gemeinde Steinhagen die eigentlich am kommenden Wochenende anstehende Frühjahrskirmes 2021 ab. Auch wenn die Inzidenzwerte im Kreis Gütersloh derzeit vergleichsweise niedrig sind, steht die Furcht vor den Virusmutationen und einer erneuten Ausbreitung des Virus im Raum. Selbst wenn Friseure vom 1. März an wieder öffnen dürfen und Sport im Freien im begrenzten Rahmen möglich ist – Großveranstaltungen wie eine Kirmes liegen gefühlt noch in weiter Ferne.

Oder gäbe es eine Alternative in kleinerer Form? Dirk Oberschelp hat sich dazu schon mehrfach mit Kollegen und Behörden ausgetauscht, erinnert auch an den temporären Freizeitpark „BIE Happy“ im Sommer 2020 an der Bielefelder Radrennbahn. Pro Tag durften dort höchstens 1700 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände sein, teils gab es einen Besucherstopp. Die Veranstaltung verzeichnete an 24 Öffnungstagen 45.000 Besucher – zu einer „normalen“ Kirmes in Bielefeld kämen schon in zehn Tagen 50.000 Besucher, verglichen die Schausteller; finanziell war der Versuch „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Mini-Kirmes im Sommer?

„Aber es zeigt, dass man in alle Richtungen denken sollte“, betont Dirk Oberschelp. Auch wenn Steinhagen schwer vergleichbar, weil deutlich kleiner sei. „Vielleicht könnte ja im Sommer – wenn es die Coronazahlen ermöglichen sollten – ein Viertel oder ein Drittel der sonst 40 Beschicker eine Steinhagener Mini-Kirmes bilden. Man könnte Kontaktdaten erfassen, Besucherströme lenken, Abstände ermöglichen. Das wäre finanziell sicher grenzwertig, aber für uns ein wichtiges Zeichen: ‚Hallo, wir sind noch da!‘“, so Oberschelp. Mit dem Ordnungsamt habe man darüber vor einiger Zeit gesprochen, „aber es kann natürlich niemand die Entwicklung der Corona-Lage vorhersagen, daher gibt es keine konkreten Planungen. Wenn wir eines Tages wieder dürften, könnten wir binnen 14 Tagen etwas auf die Beine stellen. Es wohnen viele Schausteller in der Nähe, die Maschinen wären startklar.“

Und: „Wir haben detaillierte Hygienekonzepte mit Abstandsregeln, Desinfektion, Plexiglasscheiben an den Ständen, Zugangsleitsystemen, maximaler Besucherzahl und Maskenpflicht.“ Überhaupt sei eine kleine Kirmes wie in Steinhagen leichter an Coronaschutzverordnungen anzupassen als eine Großveranstaltung: „Ich glaube, einen Stoppelmarkt Vechta oder einen Brockumer Großmarkt mit zigtausenden Besuchern wird es so schnell nicht geben können“, ist Dirk Oberschelp realistisch.

„Möchten einfach wieder raus, sobald es geht“

Der 50-Jährige und sein 52-jähriger Bruder Wilfried sind als Kinder ins elterliche Schaustellergeschäft „hinein gerutscht“, wie sie sagen, und seit mehr als 30 Jahren im Geschäft. „Etwas Vergleichbares wie jetzt haben wir noch nicht erlebt. Wir vermissen mittlerweile die vielen Kollegen und Besucher, die Gespräche vor Ort. Wir möchten einfach wieder raus, sobald es geht“, wünschen sie sich.

Bis dahin lebe man mit finanziellen Einschränkungen: „Wir haben Kirmesfahrzeuge vorübergehend abgemeldet, Soforthilfe beantragt, Versicherungsbeiträge müssen ruhen. Dafür haben wir Zeit, uns um liegengebliebene Dinge zu kümmern: Wir haben endlich mal unsere Halle gestrichen“, berichtet Dirk Oberschelp. Ein Hauch Kirmes-Atmosphäre bleibt ihm zumindest auf dem eigenen Grundstück in Oerlinghausen: Dort verkauft er mit seiner Familie Süßigkeiten zum Mitnehmen.

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