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Deutsches Tierschutzbüro wirft Fleischkonzern aus Rheda-Wiedenbrück Tierquälerei vor

Tönnies mit Negativ-Preis "ausgezeichnet"

Rheda-Wiedenbrück

Erst negative TV-Berichterstattung, jetzt ein Negativ-Preis: Die schlechten Nachrichten für Tönnies reißen nicht ab.  Am vergangenen Freitag hat das Deutsche Tierschutzbüro das Rheda-Wiedenbrücker Fleischunternehmen mit dem "Preis der Herzlosigkeit" geehrt. 

Von dpa

Das Tierschutzbüro kritisiert die Haltungsbedingungen der Schweine, die später im Tönnies-Kühlhaus ankommen. Foto: dpa/Bernd Thissen

Jedes Jahr vergibt das Deutsche Tierschutzbüro einen Negativ-Preis. Damit  sollen Firmen oder Personen "ausgezeichnet" werden, die von Tierquälerei profitieren, diese nicht abstellen oder direkt beziehungswiese indirekt Tiere misshandeln oder ausbeuten.

In der Vergangenheit haben beispielsweise die Modefirmen Breuninger und Bogner den Preis wegen des Verkaufs von Echtpelz erhalten. Beide Firmen sind mittlerweile pelzfrei. Aber auch der Betreiber des berüchtigten Schweinehochhauses wurde schon mit dem Negativ-Preis "geehrt".

Dieses Jahr geht der "Preis der Herzlosigkeit" an die Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Das Deutsche Tierschutzbüro begründet seine Entscheidung damit, dass kaum ein anderes Unternehmen so sehr von der Massentierhaltung profitiert, wie der Schlachtgigant. Knapp 20 Millionen Schweine töte das Unternehmen pro Jahr. Alleine der Schlachthof am Hauptsitz der Firma in Rheda-Wiedenbrück hat eine Schlachtzulassung von bis zu 30.000 Tieren pro Tag.

Dabei betreibt Tönnies selbst keine Mastanlagen, sondern arbeitet nach eigenen Angaben mit über 10.000 landwirtschaftlichen Betrieben zusammen. "Die bei Tönnies geschlachteten Schweine stammen überwiegend aus der Massentierhaltung, wo sie auf Spaltenböden gehalten werden und keinerlei Auslauf haben", sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros.

In den letzten anderthalb Jahren hat das Deutsche Tierschutzbüro gleich aus mehreren Tönnies-Zuliefern Bildmaterial veröffentlicht. Dabei sind die Undercover-Aufnahmen sowohl in großen Mastanlagen entstanden, in denen rund 45.000 Schweine pro Jahr gemästet werden, als auch in kleinen Familienbetrieben mit rund 5000 sogenannnten Mastschweinen pro Jahr.

Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros

Doch überall zeigte sich das gleiche Bild: Zusammengepferchte Tiere auf engstem Raum, kranken und verletzten Tieren wurde nicht geholfen und in einigen Fällen wurden die Tiere unsachgemäß notgetötet. So habe ein Landwirt aus Niedersachsen versucht, kranke Schweine mit einem Gewehr zu erschießen. "Tönnies hat auf unsere Hinweise immer sehr schnell reagiert, sich medienwirksam von Tierquälerei distanziert und die Belieferung aus den Skandalbetrieben zunächst gestoppt. Doch genau von einigen dieser Betriebe lässt sich Tönnies heute wieder beliefern. Am Ende geht's doch nur ums Geld", so Peifer.

Konzern hat Preis nicht angenommen

Diese Scheinheiligkeit war mit ein Grund für das Deutsche Tierschutzbüro, den Konzern mit dem Negativ-Preis auszuzeichnen. "Die vorgegaukelte heile Tierschutz-Welt, die Tönnies auf seiner Website präsentiert, hat kaum was mit der Realität zu tun. Letztlich geht's dem Konzern nur darum, Tiere im Akkord zu schlachten und möglichst viel Profit zu machen", stellt Peifer abschließend dar.

Im Rahmen einer Protestaktion wurde versucht, den "Preis der Herzlosigkeit" an Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zu überreichen. Der Konzern hat den Preis nicht angenommen.

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