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Schulsozialarbeit an den weiterführenden Schulen in Verl: Feierstunde zum runden Geburtstag

1118 Gespräche in zehn Jahren

Verl (WB). »Sie sind die Anwälte unserer Schulen und Feuerwehren der Lehrer«, sagt Heribert Schönauer. Er spricht damit die an, die sich um die Schulsozialarbeit an den beiden weiterführenden Schulen in Verl kümmern – und das seit zehn Jahren.

Alexandra Wittke

Ziehen eine positive Bilanz nach zehn Jahren (von links): Ferdinand Hollenhorst (Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses der Stadt Verl), Bahar Mert (Schulsozialarbeiterin), Heribert Schönauer (Erster Beigeordneter), Susan Grüner (Schulsozialarbeiterin), Ulrike Boden (Geschäftsführerin der AWO, Kreisverband Gütersloh), Christof Varlemann (Schulsozialarbeiter). Foto: Alexandra Wittke

Anlässlich des runden Geburtstages des Angebotes fiel die Bilanz in einer Feierstunde am Donnerstagabend durchweg positiv aus. Heribert Schönauer, Erster Beigeordneter, erinnerte in seiner Dankesrede an die Zusage des Rates 2008 und die damit verbundene Bewilligung der notwendigen Gelder. Dies sei nicht selbstverständlich gewesen. »Heute, gut zehn Jahre später, ist die Schulsozialarbeit aus dem Schulalltag aber nicht mehr wegzudenken.«

Rund 200.000 Euro lässt sich die Stadt das Angebot an den beiden weiterführenden Schulen jährlich kosten – für das Personal, Beratungsaufwendungen und Gruppenangebote. 1118 Beratungen haben die drei Schulsozialarbeiter in den vergangenen zehn Jahren durchgeführt. 884 Schüler nahmen an Gruppenangeboten teil, weitere 50 wurden beim Übergang von der Schule in den Beruf betreut.

Die Schüler im Alltag unterstützen

Die Angebote der Schulsozialarbeit sind vielfältig: Christof Varlemann, Bahar Mert und Susan Grüner vermitteln bei der Konfliktlösung, bieten Hilfen bei Schulmüdigkeit und -verweigerung an oder organisieren Einzel- und Gruppentraining. Sie sind außerdem Ansprechpartner für Lehrkräfte und Eltern.

»Für die Erziehung eines Kindes benötigt man ein ganzes Dorf.« Das Sprichwort, das Ferdinand Hollenhorst in seiner Ansprache nutzte, steht sinnbildlich für die Verzahnung von Elternhaus und Schule. Gemeinsam gilt es, so der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, die Schüler im Alltag zu unterstützen, ihnen zur Seite zu stehen und sie zu verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen.

Bei der Feier waren neben Vertretern der Stadt, des Trägers und der Schulen auch Vertreter der Parteien anwesend. Musikalisch begleitet wurde das Programm von Schülern der Gesamtschule und des Gymnasiums.

Schülerin berichtet von positiven Erfahrungen

Bei einer Podiumsdiskussion stellten sich neben den Schulsozialarbeitern auch Patrick Bullermann vom Fachbereich Jugend, Ferdinand Hollenhorst als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, Kai Treptow vom AWO-Kreisverband Gütersloh, Stefanie Blumenthal als Koordinatorin der Mittelstufe und Wolfgang Foltin von der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit NRW den Fragen des Moderators.

Amal Abbas nahm als Vertreterin der Schüler teil. Die 16-jährige Schülerin der neunten Klasse kam vor drei Jahren nach Deutschland und berichtete von ihren Erfahrungen mit der Schulsozialarbeit, die »immer ein offenes Ohr« für sie gehabt hätten.

Verl war ein Vorreiter in Sachen Schulsozialarbeit

Vor zehn Jahren traf die Idee, Schulsozialarbeit an den Verler Schulen zu etablieren, nicht nur auf Gegenliebe. Auch auf Landesebene war die Diskussion um die Notwendigkeit in vollem Gange. »Sie waren zum damaligen Zeitpunkt und als eher kleinere Kommune ein Vorreiter in Sachen Schulsozialarbeit«, sagte Wolfgang Foltin, der als Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit NRW während der Feierstunde sprach.

Veränderung, Verantwortung, Vertrauen, Vernetzung und Vision sind in seinen Augen die Grundpfeiler einer erfolgreichen Schulsozialarbeit. Im Mittelpunkt dabei stehen immer die Schüler, die mit niedrigschwelligen Angeboten Hilfe bei der Bewältigung von Problemen im Schulalltag erhalten. Die 2,4 Stellen in Verl hält Foltin für ideal, stellt aber klar, dass steigende Anforderungen zwingend auch steigenden Personaleinsatz mit sich brächten. Seine Vision zur Schulsozialarbeit in zehn Jahren beinhaltet neben der Bereitstellung der finanziellen Mittel durch das Land und die Kommunen auch den Ausbau der Angebote.

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