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Kreisgeflügelschau in Kaunitz: Sebastian Güth mit Goldmedaille ausgezeichnet

Backen als Beruf – Züchten als Hobby

Verl (WB). Eine Illustre Gästeliste – auf ihr stehen auch prominente Namen aus der Politik. „Dass wir heute sogar den CDU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus begrüßen dürfen, unterstreicht die Bedeutung unserer Ausstellung“, freut sich Helmut Vorderbrügge, oberster „Hahn“ des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter, bei der Eröffnung der diesjährigen Schau in der Kaunitzer Ostwestfalenhalle.

Uwe Caspar

Züchten ist ihr gemeinsames Hobby: Vater Hermann Wenner mit seinen Töchtern Liara (von links), Elea und Norina. Zwei des Trios werden bei der Kreisgeflügelschau mit dem Jugendpreis ausgezeichnet. Ihre Lieblingsrasse: Zwerg-Cochin, gesperbert. Foto: Uwe Caspar

Unter anderem CDU-Landtagsabgeordneter Raphael Tigges, Verls Bürgermeister Michael Esken, Züchter-Landesverbandsvorsitzender Fritz-Dieter Hawes, Kreislandwirt Heiner Kollmeyer und Arnold Weßling, der früher einigen Gremien der Landwirtschaftskammer angehörte, geben sich die Ehre bei der größten Geflügelschau in NRW mit rund 1600 gefiederten Protagonisten, Viel mehr Prominenz geht kaum noch! Bedauerlich jedoch, dass nicht allzu viele Besucher zwischen den Käfigreihen schlendern.

Dabei ist das Kaunitzer Kräh-Festival auch für Tigges das Highlight des Ausstellungsjahrs. „Das Event trägt dazu bei, das Bewusstsein für Tiere zu wecken“, meint der Politiker. Er spricht stellvertretend für Brinkhaus. „Ich muss heute Ralph vertreten, weil er schon so viel über die Groko gesprochen hat“, verrät Tigges schmunzelnd. Die flammendste Rede hält Arnold Weßling. „Mit der Zucht wird ein altes Kulturgut bewahrt. Tiere kann man nicht wie ein Kunstwerk in die Ecke stellen, man muss sie pflegen und formen“, sagt er. Weßling wundert sich über Kritiker, deren Urteile meistens nicht fachkundig seien. „Sie haben sich nie um Tiere gekümmert, wollen aber trotzdem wissen, was für sie gut oder schlecht ist“, gibt der Versmolder zu bedenken. Heiner Kollmeyer freut’s vor allem, dass der Anteil jugendlicher Züchter gestiegen sei: „Damit liegt der Kreis im Trend.“ Helmut Vorderbrügges Dank gilt auch der Stadt Verl: „Sie hat uns immer unterstützt.“ Michael Esken bekundete seinerseits, dass die Stadt stolz sei, Gastgeber zu sein. Zudem kündigte der Bürgermeister sukzessive bauliche Veränderungen in der schon betagten „Eierhalle“ an: „Es ist aber kein einfaches Verfahren. Deshalb sanieren wir nicht, wir nennen es reparieren.“

Eine kleine Panne

Die einzige (kleine) Panne: Die am Freitag vorgenommene Bewertung der 21-köpfigen Jury – ihre Kriterien: Form, Feder, Farbe – erschien wegen des Zeitdrucks nicht mehr im aktuellen Katalog, in dem noch die Liste aus dem Vorjahr steht. Fakt ist, dass diesmal fast 70 Züchter für ihr Engagement mit der Bestpunktzahl 97 belohnt worden sind. Dazu zählen auch die Geschwister Liara (12), Elea (10) und Norina (6) Wenner, die sich auf die Hühnerrasse Zwerg-Cochin, gesperbert, spezialisiert haben. Die Goldene Medaille heimst erneut Sebastian Güth für seine weißen Zwerg-Wyandotten ein. Der 41-jährige Bäcker züchtet seit seinem sechsten Lebensjahr, er konnte kürzlich bei der Leistungsschau in Leipzig (46.000 Tiere) drei Preise absahnen. Die Senioren-Kammermedaille geht an Reiner Graute (Antwerpener Bartzwerge) und Manfred Hornberg (Laufenten weiß).

Andalusierhuhn vom Aussterben bedroht

Eine der seltensten in Kaunitz präsentierten Rassen: Das vom Aussterben bedrohte Andalusier-Huhn. „Es steht auf der Roten Liste“, berichtet Kreisvorstandsmitglied Jacob Brandherm. Er selbst ist Besitzer eines etwas in Vergessenheit geratenen Federviehs: Außer ihm gibt es nur noch zwei Züchter in Deutschland, die das Brabant-Huhn halten. Die Aufzucht erfordert Geduld: Aus den 30 Eiern, die Brandherm bestellt hatte, schlüpfte nur ein Küken.

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