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„Das gibt uns zwei Jahre mehr Zeit“

Verl (lw) - Voraussichtlich zwei Jahre länger dauert es, bis die TWE-Strecke zwischen Verl und Harsewinkel reaktiviert wird. Im Verler Rathaus sieht man das allerdings gelassen. „Das gibt uns noch einmal Zeit, gründlicher in die Pläne für den Bahnhofsplatz zu gehen“, sagt Bürgermeister Michael Esken.

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Der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Verl und Harsewinkel soll wieder rollen. Allerdings verschiebt sich die Reaktivierung der TWE-Strecke um etwa zwei Jahre. Das verschafft der Stadt Verl Luft bei der Umgestaltung des Marktplatzes.

Die Nachricht, dass sich das ganze Projekt verzögert, stammt aus einer Beschlussvorlage des Verkehrsverbunds Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Ursprünglich war für die Reaktivieren Ende 2023 ins Auge gefasst worden. „Ein sehr ambitioniertes Ziel“, sagt Esken. Dass man das nun nicht einhalten könne, wundere ihn nicht.

Inbetriebnahmetermin im Dezember 2023 nicht zu halten

Wie berichtet, gestaltet sich vor allem die Anbindung der TWE an den Bahnhof Gütersloh schwierig. Damit die TWE zur Planfeststellung ihrer Strecke bei der Bezirksregierung Detmold Antragsunterlagen einreichen könne, seien diese in verschiedenen Punkten noch anzupassen beziehungsweise um notwendige Fachbeiträge zu ergänzen. „Der bislang kommunizierte Inbetriebnahmetermin im Dezember 2023 wird damit nicht zu halten sein. Nach jetzigem Stand ist davon auszugehen, dass sich die Verzögerungen in einem Rahmen von etwa zwei Jahren bewegen“, heißt es in der Vorlage, die bei der NWL-Verbandsversammlung am Dienstag, 15. Dezember, auf der Tagesordnung steht.

„Für uns bedeutet das erst einmal zwei Jahre mehr Zeit“, sagt das Verler Stadtoberhaupt. Vor allem für die städtebauliche Entwicklung sei ein größerer Zeitraum von Vorteil. Schließlich gehe es um die Umgestaltung des Marktplatzes mit Anbindung zum Bahnhof. „Dort muss ein Park-and-Ride-Parkplatz entstehen“, so Esken. All das müsse geplant und im besten Fall auch schon fertiggestellt sein, zumindest aber in der Endphase sein, wenn die ersten Züge über die Strecke rollten. Und all das in den kommenden zwei Jahren durchzuführen – „das hätte ordentlich Zug in die Verwaltung gebracht“, sagt der Verler Bürgermeister.

Soll eine Tiefgarage gebaut werden? Wenn ja, wie viele Stellplätze soll sie haben? Das sei nur ein Aspekt, den man nun klären müsse. Die ganze Umgestaltung des Marktplatzes sei so umfassend, dass ein bisschen mehr Zeit, um Überlegungen anzustellen, willkommen sei. Man habe mehr Zeit, die Pläne anzupassen. Auch beim Umbau des Schulzentrums habe man durch die Verzögerung durch die erneute Suche nach einem Architekten die Planungen anpassen können und ein ausgereifteres Konzept anfertigen können.

Abgesehen davon sei ein Bahnprojekt nie kurz-, sondern immer mittel- oder langfristig zu planen. „Allein die Bestellungen für die Züge können sich über Jahre hinweg ziehen. Die sind nicht einfach mal so auf dem freien Markt verfügbar“, sagt Esken. In solchen Fällen gelte der Leitspruch: Gründlichkeit vor Schnelligkeit, so das Stadtoberhaupt.

Schnelligkeit bremst anderes Projekt aus

Dass bei dem Vorhaben, autonomes Fahren von Verl nach Hövelhof zu ermöglichen – als Verlängerung der TWE-Strecke –, vor allem auf Schnelligkeit gesetzt wurde, hat wiederum an anderer Stelle zu Verzögerungen geführt. Da angedacht war, dass das Projekt zeitgleich mit der TWE-Reaktivierung an den Start geht, wollte die Stadt Verl in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Bielefeld auf bestehende Technik setzen. Sogenannte Easy-Busse sollten umgerüstet werden, damit sie sowohl auf der Straße, wie auch auf den Schienen fahren können.

Bei der ersten Verteilung der Fördermittel im Rahmen der Regionale 2022 ging das Verler Projekt deswegen jedoch leer aus. Vorzug bekam ein anderes Vorhaben aus dem Mindener Raum, bei dem auch die Technik neu entwickelt wird. „Das war innovativer“, sagt Esken. Dass man die ganze Zeit 2023 als Startpunkt vor Augen gehabt habe, sei dabei zum Verhängnis geworden. Gestorben ist das Projekt um das autonome Fahren bis Hövelhof aber nicht. Es bedeute lediglich, dass man auch da nochmal ins Detail gehen und auf die nächste Verteilung der Fördermittel warten müsse. Viele Aspekte des Vorhabens seien aber schon weit in der Entwicklung.

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