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„Es ist sogar noch besser als sonst“

Verl (sib) - Einmal überprüft Bürgermeister Michael Esken noch die Wassertemperatur. „23,6 Grad Celsius“, ruft er den Schwimmern zu, die am Beckenrand schon ungeduldig von einem Bein auf das andere treten. „Ihr könnt rein.“ Die Saison im Verler Freibad hat - mit drei Wochen Verspätung - begonnen.

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Der Start fällt überraschend ruhig aus. Wer um kurz vor neun vor dem Bad steht, kommt direkt rein. Lange Warteschlangen? Fehlanzeige. Und doch, sagt Dirk Hildebrandt, der für die Verler Bäder zuständig ist, habe die Stadt zu diesem Zeitpunkt schon mehr Dauerkarten verkauft, als es im Mai vergangenen Jahres der Fall gewesen sei. Rund 800 sind es an der Zahl, davon 204 Familienkarten.

Nur wer eine Dauerkarte hat, kommt ins Bad

Ob das wohl daran liegt, dass aktuell nur Schwimmer Zugang zum Bad erhalten, die eine Dauerkarte besitzen? „Wer weiß“, sagt Hildebrandt. Auf umfassende Statistiken für die Verler Bäder habe man in diesem Jahr verzichtet. Da habe es andere Sorgen gegeben.

Doch an Sorgen mögen die Schwimmer und Beckenrand-Beobachter jetzt gar nicht so recht denken. Es ist doch alles gut im Verler Freibad. Die Menschen halten Abstand zueinander, haben die geltende Einbahnstraßenregelung verinnerlicht, wie es scheint, schon als sie den großen Zeh ins Wasser stecken.

Endlich wieder ins kühle Nass

Einer der Schwimmer ist Heinz Sehm, der sagt, als er kurz mit dem Kopf aus dem Becken auftaucht: „Es ist sogar noch besser als sonst. Endlich kann sich jeder eine Bahn aussuchen. Ich fühle mich nicht mehr wie ein Bremsklotz.“ Früher habe er 1000 Meter in einer halben Stunde geschafft. Jetzt brauche er so lange für ein Drittel der Strecke. „Das Altern hinterlässt seine Spuren“, ruft Sehm, 89 Jahre alt, und lacht.

Derweil verschnaufen die 14-jährige Johanna Rofalsky und ihre Schwester Franziska (11) am Beckenrand. Endlich wieder ins kühle Nass. Die beiden sind bei der Verler DLRG aktiv und froh, wieder ihre Bahnen ziehen zu können.

Bürgermeister Esken: „Ich bin eher der Läufer“

Nicht so Bürgermeister Esken (CDU), der statt in Badehose in Jeans und Poloshirt am Beckenrand steht. „Einen Kopfsprung in dieses Becken habe ich seit Jahren nicht gemacht. Ich bin eher der Läufer“, winkt er ab. Seine Sportart habe in der aktuellen Situation durchaus ihre Vorteile: „Das mit dem Fithalten hat gut geklappt“, sagt Esken und grinst.

Ebenfalls in voller Montur stehen Carina Oberteicher und Katharina Bethge am Beckenrand. Die beiden überprüfen, ob die Sicherheitsmaßnahmen auch wirklich eingehalten werden. Und weisen so zwei Damen darauf hin, dass sie wie beim Eintreten in das Freibad auch auf dem Weg zwischen Umkleide und Außendusche eine Schutzmaske zu tragen haben. Grobes Fehlverhalten ist ihnen noch nicht aufgefallen. Und am Ende ist es auch nicht immer ganz einfach, bei all den Regeln voll durchzublicken.

Am Ausgang werden Nummer und Uhrzeit erfasst

Wer das Bad verlassen möchte, auf den wartet Thomas Hoppe am Eingang. Er erfasst hinter einer Plexiglasscheibe die Nummer der Dauerkarte des Badegasts. „Denn wir müssen rückverfolgen können, wer wann im Bad war, sollte sich eine Infektion mit dem Coronavirus herausstellen“, erklärt Dirk Hildebrandt.

Fast hätte es diese zusätzliche Kassenkraft nicht gebraucht. Denn über die Dauerkarten des Gastes werden dessen Kartennummer und die Uhrzeit seines Besuchs erfasst. Aber am Ausgang fehlt mit dem bloßen Gang durchs Drehkreuz diese Technik eben und „wäre auch nicht so schnell nachzurüsten gewesen“, sagt Hildebrandt. Und so werden Thomas Hoppes häufigste Sätze an diesem Tag wohl „Nummer?“ und „Einen schönen Tag wünsche ich“ sein.

Maximalzahl der Besucher könnte noch steigen

Derzeit dürfen 500 Besucher gleichzeitig ins Verler Freibad. Das Land NRW gibt vor, pro Badegast zehn Quadratmeter einzuplanen. Demnach könnten sich eigentlich noch mehr Menschen dort aufhalten. Doch Hildebrandt hält sich lieber an die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Badewesen, die mit 15 Quadratmeter pro Besucher rechnet und dabei davon ausgeht, dass sich bloß ein Drittel dieser Personen im Wasser aufhält und zwei Drittel außerhalb des Beckens.

Möglich sei auch, dass – bei guten Erfahrungen – die Maximalzahl der Besucher erhöht werde, so Hildebrandt. Immerhin werden die Dauerkartenverkäufe nicht gedeckelt.

Und wie kommt es, dass das Verler Freibad mit seiner Öffnung Vorreiter im Kreis ist? „Das liegt an unserem wunderbaren Fachbereichsleiter“, sagt Bürgermeister Michael Esken, grinst und zeigt auf seinen Nebenmann. Der habe reichlich vorgearbeitet. „Es macht einen Unterschied, ob man auf die Verordnung des Landes wartet und dann plant, oder ob man im Vorhinein plant und dann ein fast fertiges Konzept aus der Schublade zieht“, ergänzt Esken. Und mit dem regelmäßigen Start in der letzten Aprilwoche sei Verl ohnehin immer reichlich früh dran.

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