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Verler Grieche trifft erstmals seine Cousine aus Kroatien – Großvater floh im Bürgerkrieg

Familientragödie mit Happy End

Verl (WB/abb). Jahrelang hatte der Verler Gastronom Eftimios Mitsarakis nicht gewusst, dass er und seine Familie Verwandtschaft in Kroatien haben. Nun hat der Grieche vom Grill Athen an der Wilhelmstraße seine Cousine Tihana persönlich kennengelernt. Eine Familienzusammenführung mit trauriger Vergangenheit, vielen schönen Zufällen und einem Happy End in Verl.

Außergewöhnliche Familienzusammenführung: Weil Konstandinos Mitsarakis (rechts) 2010 via Facebook Familienangehörige suchte, durfte sein Sohn Eftimios (Mitte) nun seine kleine Cousine Tihana aus Kroatien kennenlernen. Foto: Andreas Berenbrinker

Eftimios Mitsarakis (30) und seine kleine Cousine Tihana (22) erzählen glücklich von ihrem ersten Treffen am Ölbach. »Wir haben Ausflüge zur Sparrenburg und zur Wewelsburg gemacht und haben uns Bielefeld, Gütersloh und Rietberg angeschaut«, sagt Mitsarakis. Aber in erster Linie seien sie in Verl, um sich noch besser kennenzulernen. Dass die beiden sich noch nie gesehen haben und sogar unterschiedliche Staatsangehörigkeiten besitzen, hat einen traurigen Hintergrund.

Trennung im Bürgerkrieg

Im griechischem Bürgerkrieg (1946 bis 1949) wurde Tihanas Großvater Vasilios von den Rebellen gezwungen, auf ihrer Seite zu kämpfen. Als die Rebellen erfuhren, dass Eftimios' Großvater Anastasios und Bruder von Vasilios auf der Seite des griechischen Militärs kämpfte, vermuteten die Rebellen in Tihanas Großvater einen Verräter und wollten ihn erschießen. Ein Streifschuss verletzte ihn schwer, er fiel einen Berghang hinunter, man hielt ihn für tot. Aber Tihanas Großvater rappelte sich auf und flüchtete in Richtung Jugoslawien. »In Griechenland durfte er sich nicht mehr zeigen«, erzählt Eftimios Mitsarakis, »die Rebellen hielten ihn für einen Verräter und das Militär wusste, dass er auf der Seite des Feindes gekämpft hat.«

Großvater flieht nach Jugoslawien

Im ehemaligen Jugoslawien wurde der Flüchtling ärztlich versorgt und schlug sich später bis nach Split durch. Tihana Mitsarakis: »Dort war er weit genug von der Grenze weg und hat einen Job in einer Werft gefunden.« Zwölf Jahre nach der Flucht, inzwischen war Tihanas Großvater mit ihrer Oma verheiratet, meldete sich der ehemalige Flüchtling 1958 bei seiner Familie in Griechenland. »Früher hat er sich aus Angst nicht getraut«, erzählt Tihana. Aber nun hatte er die jugoslawische Staatsangehörigkeit angenommen und wollte Kontakt zum Rest der Familie. Leider, so die Mitsarakis', verlor sich der Kontakt zwischen den Familien im Laufe der Zeit.

Tihana Mitsarakis

Erst 2010, Eftimios Mitsarakis wohnte mit seinen Eltern und seinem Bruder schon seit Ende der 80er Jahre in Verl, suchte Eftimios' Vater Konstandinos per Facebook nach Familienangehörigen mit ihrem Nachnamen. »Es war totaler Zufall, dass er auf mich gestoßen ist«, lächelt Tihana, eine gebürtige Kroatin. »Ich habe meinen Nachnamen bei Facebook extra auf griechisch geschrieben, da ich auf Leute gehofft habe, die mich aufgrund meiner griechischen Vergangenheit suchen.« Der Grieche in Verl hatte tatsächlich seine Nichte, damals 15, mit ihrer Familie in Kroatien gefunden. »Der Anfang war nicht leicht«, schmunzelt Eftimios, »wir konnten kein Kroatisch, meine Eltern nicht mal Englisch und Tihanas Familie kein Griechisch.«

Zweiter Zufall hilft bei Sprachproblemen

Ein weiterer Zufall half beim endgültigen Treffen ohne Sprachprobleme in Verl. Tihana Mitsarakis studiert Germanistik und Anglistik in Kroatien und absolviert ihr Auslandssemester in Bamberg. »Das mussten wir nutzen«, sagt Eftmios Mitsarakis, »ich bin überglücklich, Tihana nun persönlich kennengelernt zu haben.«

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