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Fernwärme: Woran der Netzausbau hakt

Verl (rast)

In einem sind sich Politik und Verwaltung einig: Das Fernwärmenetz soll ausgebaut werden. Erweiterungen in Verl Süd und Sürenheide sowie eine Nachverdichtung im Verler Norden wurden als Optionen genannt. Doch egal wo: In jedem Fall ist eine neue Heizquelle nötig.

Das Holzheizwerk an der Straße Am Meierhof, an das 300 Häuser angeschlossen sind, hat die Kapazitätsgrenze erreicht. Um das Fernwärmenetz zu erweitern, ist ein zusätzlicher Wärmeerzeuger zwingend erforderlich. Die Planer haben ein Blockheizkraftwerk mit einer thermischen Leistung von 2,4 Megawatt vorgeschlagen. Das sehen die Politiker kritisch, da es mit Gas betrieben wird. Foto:

Und an deren Art schieden sich im Betriebsausschuss die Geister. Ohne einen zusätzlichen Wärmelieferanten funktioniert es nicht. Der Ausschussvorsitzende Burkhard Reineke (SPD) nannte den Grund: „Ohne weitere Wärmeerzeuger ist das System am Ende.“ Damit das nicht passiert, hatte Planer Frank Senge von der Oerlinghausener Energieagentur Lippe Blockheizkraftwerke als wirtschaftlich sinnvolle Lösung ausgearbeitet.

Diskussion um Art des Brennstoffs 

Außer kleineren Anlagen mit 50 Kilowatt elektrischer und 100 Kilowatt thermischer Leistung soll das Fernwärmenetz mit einem richtig dicken Brummer gefüttert werden: Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 2,4 Megawatt thermischer und 2,3 Megawatt elektrischer Leistung.

Die Diskussion entbrannte nicht so sehr an den Kosten der 2,5 Millionen Euro teuren Anlage. Auch nicht an ihrer Größe. Es wird ein 10 mal 12 Meter großes Gebäude mit einem 19 Meter hohen Schornstein in der Nähe einer Hochdruckgasleitung sowie des Fernwärmenetzes benötigt. Vielmehr war es die Art des Brennstoffs. Es wird nämlich Gas verwendet.

Gerechnet hatte Frank Senge mit 55 Euro pro Tonne. 1,3 Cent kostet die erzeugte Kilowattstunde. Dann amortisiere sich die Anlage nach sieben Jahren. Aber auch bei 100 Euro pro Tonne befände man sich noch im grünen Bereich. Die Kilowattstunde kosten in diesem Fall 3,4 Cent, während für einen Holzheizkessel mit 3,5 bis 4,5 Cent gerechnet werden müsse – allerdings bei 1000 Betriebsstunden mehr pro Jahr im Vergleich zum BHKW.

Keine Idee, wie die Wärmemenge 2045 produziert werden könnte

Ungeachtet der Wirtschaftlichkeitsrechnung wurde argumentiert, dass die CO2-Abgabe vielleicht auch auf 200 Euro pro Tonne steigen könne. Und Holz sei beim Verbrennen ja klimaneutral. „Ich habe im Moment auch keine Idee, wie man die Wärmemenge, die Verl benötigt, 2045 produzieren soll. Aber Sie können nicht nur Holz verbrennen“, sagt der Planer. Der Rohstoff sei endlich. Womit auch da die Preisentwicklung unklar sei. Senge: „Auch beim Verbrennen von Holz entsteht CO2.“ Dass am Ende des Tages nur eine andere Technologie hilft, machte Winfried Egbringhoff, Leiter Fachbereich Gebäudemanagement, deutlich: „Das BHKW ist nur eine Übergangslösung.“

Mit einer Entscheidung taten sich alle Politiker schwer. Einen Beschluss gab es dann aber trotzdem: Verl Süd und Sürenheide werden nicht ausgebaut, die Neubausiedlung Östernweg wird angeschlossen, das Netz im Verler Norden wird verdichtet. Die Entscheidung über das BHKW wurde vertagt. Ob das als zusätzliche Wärmequelle eingesetzt wird, soll in einer Ausschusssitzung im September entschieden werden. Dann soll die Verwaltung einen Standort für das Gebäude präsentieren und der Planer eine Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Was konkret unternommen wird

Der Betriebsausschuss hat am Mittwochabend den Ausbau des Verler Fernwärmenetzes auf den Weg gebracht – zumindest teilweise. Was jetzt konkret unternommen wird.

Verl Süd: Der Standort rechnet sich einfach nicht. Selbst, wenn von einer Anschlussquote von 50 Prozent, wie sie auch im bestehenden Netz erreicht wurde, und einem vorhandenen jährlichen Wärmebedarf von 19 Gigawattstunden ausgegangen wird. Unwirtschaftlich wird es vor allem, da die bestehende Anlage ausgereizt ist. Einfach neue Rohre verlegen, funktioniert nicht. Es muss eine zusätzliche Wärmequelle im Süden errichtet werden. Die Frage: Mit welchem Brennstoff wird sie betrieben – Gas, Holz, Erdwärme oder Solar.

Sürenheide: Im Prinzip gilt das Gleiche wie für Verl Süd, auch wenn es in Sürenheide Unternehmen gibt. Aber auch hier müsste eine Anlage zur Wärmeproduktion gebaut werden.

Baugebiet Östernweg: Der Anschluss ist ein Sonderfall. Wie berichtet, will ein Investor dort eine Siedlung mit 100 Wohnungen errichten. Da die Fernwärmerohre quer unter der Ortsdurchfahrt hindurch und entlang des Westrings sowie der TWE-Strecke verlaufen, wird es teuer. Aus diesem Grund müssen die Investoren zusätzlich zum Wärmepreis einen Aufschlag von 12 000 Euro jährlich bezahlen. Außerdem müssen sie einen Platz für ein Blockheizkraftwerk finden.

Sender Straße/Poststraße: In diesem Bereich hat Winfried Egbringhoff bereits viel Werbung für die Fernwärme gemacht. Er berichtet von einer möglichen Anschlussquote von mehr als 50 Prozent. Für die Realisierung müssen im Vereinsheim des SC Verl ein Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von 50 Kilowatt elektrisch und 100 Kilowatt thermisch sowie ein Pufferspeicher aufgebaut werden. Am Sportplatz ist ein Anschluss für eine Rasenheizung geplant. Das funktioniert allerdings nur, wenn 2,4 Megawatt zusätzliche Wärmeleistung in das Netz installiert werden. Was bedeutet das jetzt für den Standort des Stadions? Eins stellt Bürgermeister Michael Esken (CDU) klar: „Es gibt keinen Neubau. Die Stadt wird ihn nicht bezahlen.“ Heißt: Wenn, müsste ein Sponsor das Geld in die Hand nehmen. Mit dem DFB werde gesprochen. Aktuell deutet die Entwicklung darauf hin, dass der Fußballbund von der von ihm geforderten Anzahl der Zuschauer in Drittligastadien abrückt. Wie es mit dem Stadion weitergeht, wird laut Esken in der zweiten Jahreshälfte entschieden.

Verl Nord:

Das in diesem Gebiet bestehende Fernwärmenetz in den Bereichen bestehender Trassen soll verdichtet werden. Dadurch muss keine neue Hauptversorgungsleitung gelegt werden.

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