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Verl

Gesangsgruppe zieht durch die Verler Straßen

Verl (matt)

Das Kurrende-Singen soll in Verl zur Tradition werden. Dabei ziehen Sängerinnen und Sänger frühmorgens durch die Straßen.

Um 6 Uhr in der Früh starteten die Kurrende-Sänger, um in Verl an zahlreichen Stellen – wie hier am Lerchenweg – auf den dritten Advent einzustimmen.

Verl (matt) - Erstmals war in Verl am Wochenende ein Kurrende-Chor in der Weihnachtszeit unterwegs. Der evangelische Chor Anklang stimmte in den frühen Morgenstunden auf den dritten Advent ein. Damit führte er eine Tradition in Verl ein, die andernorts schon als uralt gilt.

Über der Stadt liegt eine friedvolle Stille

Eigentlich ist es noch Nacht. Die Straßen sind leer. Nur vereinzelt sind an diesem dritten Advent Autos morgens um 6 Uhr unterwegs. Es liegt eine friedvolle Stille über der Stadt. An einigen Punkten sind an diesem Morgen Orgelklänge mit Posaunen und Gesang zu hören. 

Zum ersten Mal ist ein Kurrende-Chor in Verl unterwegs und singt Adventslieder. „Die Klassiker“, sagt Iris Kleinebekel, frischgebackene Kantorin der evangelischen Kirche. „‚Macht hoch die Tür‘ befindet sich ebenso auf dem Gesangszettel wie ‚Tochter Zion‘ oder ‚Wir sagen euch an den lieben Advent‘.“

„Kurz nach halb sechs war die Nacht vorbei“

Um 6 Uhr startete der 14-köpfige Chor, dessen Gerüst Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors Anklang bilden. „Kurz nach halb sechs war die Nacht vorbei“, betont Martina Naumann. Trotzdem ist sie putzmunter, was auch an den noch kühlen, aber nicht frostigen Temperaturen liegen mag. 

Startpunkt ist die Erlöserkirche. Von dort geht es weiter zur Goethestraße. Nur kurze Zeit später erreicht die Chorleiterin das erste Dankeschön per E-Mail. „Es wird einem warm ums Herz“, schreibt die Absenderin. Weiter geht es durch das Verler Dichter- und Komponistenviertel zur Eichendorffstraße und in den Schwalbenweg hinein.

Drei Lieder und drei Strophen pro Station

Drei Lieder mit in der Regel drei Strophen, dann zieht der Adventschor weiter. Beim Kurrende-Singen ist der Name Programm. Es wird, wie der lateinische Name sagt, gelaufen beziehungsweise gegangen. Und zwar in der ursprünglichen Form, die bis in die Vor-Reformationszeit zurückreicht, von Haus zu Haus. So genau nimmt es der verstärkte Chor Anklang nicht. 

Die meisten sind mit dem Fahrrad unterwegs. Diejenigen, die einen weiteren Weg hatten, sind mit dem Auto gekommen. Die 14 Sängerinnen und Sänger klappern auch nicht jedes Haus ab. Sie wollen Freude verbreiten und auf den Dritten Advent einstimmen, wenn es draußen noch dunkel ist und die meisten Verler noch in den Betten schlummern.

„In Gütersloh hat das Kurrende-Singen Tradition, in Verl nicht“

„Aber es geht schon das eine oder andere Licht an“, hat Bernd Terletzki beim Singen beobachtet. Er und seine Frau Kornelia gehören eigentlich nicht dem Chor an, haben sich aber entschlossen, mitzusingen. Ebenso Wolfgang Eckholt, der genauso gern singt.

„In Gütersloh hat das Kurrende-Singen Tradition. In Verl nicht.“ Das hat Iris Kleinebekel immer bedauert. „Die Idee, im Advent durch die Siedlungen zu ziehen und Adventslieder zu singen, hatten wir eigentlich schon vor Corona“, ergänzt Nicole Ernst, langjähriges Mitglied des Chors Anklang.

Sänger gönnen sich ihr wohlverdientes Frühstück

Mittlerweile ist die Gemeinschaft im Lerchenweg angekommen und stimmt „Joy to the World“ an. Dann geht es weiter Richtung Finkenweg. Den Bewohnern des Altenzentrums St. Anna wird ebenso ein frühes Ständchen gebracht. An der Friedensstele vor dem Tannenbaum zwischen St.-Anna-Kirche und Heimathaus setzen die Kurrende-Sängerinnen und -Sänger ein musikalisch-ökumenisches Zeichen. 

Aus der Dunkelheit ist ein Grau geworden, und der Chor ist an seiner letzten Station angekommen – an einer Bäckerei an der Paderborner Straße. Zum letzten Mal wird gesungen, dann geht es ans Frühstück. Das haben sich die Männer und Frauen kurz nach 8 Uhr auch redlich verdient . . .

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