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Andrea Mettenborg leidet unter Epilepsie und Narkolepsie

Gewitter im Kopf

Verl (WB). Heute ist der Europäische Tag der Epilepsie. Seit 2011 soll am 11. Februar für mehr Verständnis und bessere Betreuung von Betroffenen geworben werden. Das macht auch die Verlerin Andrea Mettenborg.

Andreas Berenbrinker

Zum heutigen Europäischen Tag der Epilepsie will Andrea Mettenborg die Krankheit ins Bewusstsein der Menschen holen. Die Freude am Leben ist ihr trotz des Leidens anzusehen. Die Stickerei in der Hand möchte sie versteigern. Foto: Andreas Berenbrinker

Sie leidet seit ihrem zwölften Lebensjahr an Epilepsie und berichtet über die Krankheit, zu der im vergangenen Jahr noch die Narkolepsie gekommen ist. Man sieht Andrea Mettenborg (39) ihre Krankheiten nicht an. Die Verlerin wirkt lebensfroh, gesund und mit ihrem Ehemann Hubert (52) mitten im Leben stehend. Mettenborg: »Genau das Bild ist manchmal ein Problem. Man sieht mir die Krankheiten nicht an der Nase an.« Es habe deshalb auch schon »doofe Kommentare« gegeben. »Die Menschen sehen halt nicht, wie schlecht es mir oft geht.«

Im Alter von zwölf Jahren begann es

Begonnen hat die Leidensgeschichte von Andrea Mettenborg im Klassenraum. In ihrem damaligem Wohnort Brühl ist sie mit einem sogenannten »Grand mal-Anfall« zusammengebrochen. »Ich bin umgekippt, wurde steif, habe gekrampft und hatte Schaum vorm Mund«, so Mettenborg. »Es ist wie ein Gewitter im Kopf.«

Versteigerung

Andrea Mettenborgs Hobby ist das Sticken. Zurzeit arbeitet sie an einem Projekt, das sie nach Fertigstellung möglichst mit prominenter Unterstützung zugunsten einer Epilepsie-Stiftung versteigern möchte. Die Stickerei zeigt auf der einen Seite eine EEG-Kurve während eines epileptischen Anfalls. Unterbrochen wird die Kurve durch negative Worte wie »Nebenwirkungen«, »Hoffnungslosigkeit« oder »Medikamente«. In der Mitte des Bildes findet sich die lila Schleife, die für die Epilepsie steht. Diese möchte Andrea Mettenborg noch mit bunten Blumen aussticken. Rechts von der Schleife wird sie dann eine normale Alpha-Welle darstellen. In diese Gehirnwellen werden sich positive Wörter wie »Familie«, »Zusammenhalt« oder »Mut« wiederfinden.

Der Schock bei ihr und der Familie, intensive Untersuchungen, Angst vor der Zukunft – all dies habe Sorgen bedeutet. »Aber am schlimmsten war das Mobbing der Mitschüler. Sie wussten nicht, wie sie mit mir und der Krankheit umgehen sollten«, sagt Mettenborg, die seit 2012 in Verl wohnt. Der erste Anfall sei ein tiefer Einschnitt in ihrem Leben gewesen. »Radfahren oder Schwimmen, das durfte ich nicht mehr, auch meine Psyche war am Boden.«

Lange war Mettenborg anfallsfrei, bis die Krankheit 2016 zurückkam – in einem Fitnessstudio erlitt sie einen »Status epilepticus«. »So ein Anfall dauert lange und ist nicht ohne weiteres zu stoppen«, sagt sie, die während des Anfalls von ihrer Freundin aufgefangen wurde. »Nicht auszudenken, ich hätte dort mit Gewichten hantiert.«

In der Folge hat Andrea Mettenborg viele starke Medikamente mit heftigen Nebenwirkungen bekommen. »Ich wurde aggressiv, depressiv, hatte Selbstmordgedanken.« Erst das 14. Antiepileptika sei nun zufriedenstellend. »Mir ist zwar dauerhaft übel und ich leide unter großem Gewichtsverlust, aber ich komme damit klar.« Der nächste Schock ereilte Andrea Mettenborg im vergangenem Jahr, unabhängig von der Epilepsie wurde bei ihr Narkolepsie festgestellt.

Wachmacher und Schlafmittel

»Ohne passende Medikation schlafe ich von jetzt auf gleich ein, auch ein kurzer Schreck von einem Knall oder Schrei sorgt für einen Zusammenbruch.« Die Verlerin bekommt Wachmacher für den Tag, Schlafmittel für die Nacht. »Mit den Mittelchen ist der Alltag machbar, ich kann einkaufen gehen oder einen Spaziergang machen«, so die ehemalige Erzieherin.

Ihren Humor hat Mettenborg aber nicht verloren, ihrem Ehemann Hubert und ihrer Familie ist sie dankbar für die Unterstützung. »Eine Tür schließt sich, eine andere geht auf«, möchte Mettenborg nicht in Selbstmitleid verfallen. Sie widmet sich ihren Katzen und der Stickerei (siehe Kasten) und möchte sich als Hörspielsprecherin bewerben. »Die können das ja passend schneiden, wenn ich beim Sprechen einschlafe«, lacht die ausgebildete Sängerin, die beim Internationalen Weihnachtszauber im vergangenem Dezember selbstironisch »Mr. Sandman« zum Besten gab.

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