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Verein »Tiere in Not« kommt jeden Sommer an seine Grenzen

Katzenhaus ist voll belegt

Verl (WB). Die Ferien und die Wochen davor sind für den Verein »Tiere in Not« ein Gräuel. Es gibt Menschen, die setzen ihre Haustiere einfach aus. Der alte Hof Diekämper am Bürgerhaus Hühnerstall ist mit 50 Katzen voll belegt. Auch die drei Pflegestellen können keine Tiere mehr aufnehmen.

Monika Schönfeld

Alina Schneider (21), ehrenamtliche Helferin, kommt gerne, um im Katzenhaus auszuhelfen. Die Tiere brauchen nicht nur Futter, sondern auch menschliche Zuwendung, zum Beispiel auch Gerd, mit dem die junge Frau gerade spielt. Foto: Monika Schönfeld

Elke Schierl (61) gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins vor 23 Jahren, vor sieben Jahren hat die Stadt Verl das alte Hofgebäude zur Verfügung gestellt. Elte Schierl ist mit Beate Rodenbeck und Friedhelm Voigt täglich vor Ort, denn die Katzen müssen versorgt werden. In den neun Räumen des Hofes leben die Tiere wie in einem normalen Haushalt. Zurzeit sind es vor allem junge Katzen. Sechs Jungtiere leben zum Beispiel bei »Mutti«, einer Katze, die sich aller Jungtiere annimmt, sie leckt und mit ihnen spielt. Bevor die Katzen vermittelt werden, werden sie kastriert. »In Verl herrscht Kastrationspflicht für Katzen. Viele wollen aber Katzen nicht kastrieren, weil sie prinzipiell dagegen sind oder sie es für zu teuer halten.« Elke Schierl hat aber dazu eine eindeutige Haltung: »Jeder Wurf, der nicht zur Welt kommt, kann sich nicht vermehren und wird nicht krank.« Denn Tierschutz bedeutet für sie: »Tiere dürfen nicht leiden.«

Was sie täglich erlebt, sieht aber ganz anders aus. »Jäger bringen verwahrloste Katzen, die sie mit Lebendfallen eingefangen haben. Ehrenamtliche ziehen los, Katzen zu fangen, die ausgesetzt worden sind. Manche sind so voller Flöhe und Zecken, dass sie ausgesaugt werden und sterben.« Von einem Hof haben Ehrenamtliche 40 Katzenbabys und 20 erwachsene Tiere geholt. »Die Babys waren kaum zehn Wochen alt und die Mütter waren schon wieder trächtig. So kommt man auf mindestens drei Würfe pro Jahr und Muttertier.«

130 bis 160 erwachsene Katzen pro Jahr

Der Verein »Tiere in Not« betreut 130 bis 160 erwachsene Katzen pro Jahr, die nur kastriert vermittelt werden. Und auch die jährlich etwa 100 Jungkatzen, die in neue Hände kommen, müssen später kastriert werden. Das kontrolliert Elke Schierl. Neuzugänge müssen in Quarantäne und dürfen erst zu den anderen, wenn sie entwurmt und entfloht sind.

Die Ehrenamtlichen investieren eine Menge Zeit in die Versorgung der Katzen. Für Hilfe sind sie immer dankbar. Alina Schneider aus der Nachbarschaft (21) studiert Soziale Arbeit und arbeitet nebenbei in der Einrichtung Mühlgrund. Sie hat ein Herz für Tiere, kommt zum Helfen oder auch zum Streicheln. Denn auch den menschlichen Kontakt brauchen die Katzen.

Der Verein nimmt Fundtiere auf, allerdings keine Hunde. Wasserschildkröten, Hamster, verletzte Wildtiere wie Waschbären, Eulen oder Marder – die Reihe lässt sich fortsetzen. Jungvögel nimmt der Verein allerdings nicht mehr. Das Füttern und Großziehen ist nicht mehr leistbar.

Manche Geschichten gehen Elke Schierl zu Herzen. »Die vergisst man nicht.« Ein Kind hatte eine Kiste vor die Tür gestellt mit fünf bis sechs Wochen alten Kätzchen. In einem Brief dazu bat sie, die Tiere aufzunehmen. »Sonst bringt Papa sie in den Wald.« Glücklicherweise wollen immer wieder Familien eine Katze aufnehmen. Als Mäusefänger sind sie auf dem Lande beliebt. Noch fleißiger als Katzen sind nur Eulen: »Getreidebauern nehmen gern Eulen, die schlagen am Tag fünf Mäuse.«

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