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Kirchplatz-Rentner machen Schluss

Kaunitz (rast) - Was sind eigentlich Kirchplatz-Rentner? Auf jeden Fall keine Ruheständler, die vor der Kaunitzer Kirche ihren Tag genießen. Vielmehr handelt es sich um eine tatkräftige Gruppe, die sich ehrenamtlich um anfallende Arbeiten rund um das Gotteshaus kümmert. Oder besser gesagt: gekümmert hat.

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Die Männer haben nämlich ihr Amt niedergelegt. „Eine Unachtsamkeit der Kirchengemeinde hat jetzt dazu geführt, dass diese tolle Truppe nicht mehr zur Verfügung steht“, schreibt Pfarrer Joachim Cruse im aktuellen Pfarrbrief. Auf Nachfrage erklärt er, dass die Beschäftigung der Rentner verwaltungs- und versicherungstechnisch zu aufwendig geworden sei. „Das war nur das I-Tüpfelchen. Wir hatten ohnehin Nachwuchsprobleme“, erklärt Lothar Busche. Früher hätten bis zu 16 Rentner mitgeholfen. Realistisch betrachtet wären fünf Aktive übrig geblieben. „Das wäre dann zu viel Arbeit für ein Ehrenamt gewesen“, so Lothar Busche.

Dank im Pfarrbrief

Joachim Cruse muss die anfallenden Arbeiten nun an eine oder mehrere Firmen vergeben. Er weiß, was er an seinen Kirchplatz-Rentnern hatte und sagt: „Die sind wie die Kölner Heinzelmännchen – nur in Kaunitz.“ Und weiter: „Es hat immer Leute gegeben, die sich verantwortlich fühlten und sich einfach gekümmert haben. Das gibt es heute so nicht mehr.“ Der Geistliche bedankt sich in dem Pfarrbrief: „Eckhard Kleiner, Werner Maasjost, Ludger Busche, Lothar Busche, Hans Turner, Heiner Vorderbrüggen, Paul Hövelberend, Hans Humpert, Josef Brockbals und der verstorbenen Werner Landwehr – wir werden Euch alle vermissen.“

1970 hat das Engagement begonnen. Zunächst ganz einfach mit dem Holen des Weihnachtsbaums für die Kirche. Nach und nach sind immer mehr Aufgaben hinzugekommen – hier eine Dachrinne reinigen, dort ein Leuchtmittel austauschen, den Rasen mähen oder die Hecke schneiden. Für die gute Laune spendierte Joachim Cruse ein Feierabendbierchen. So um die 100 Stunden investierten die Männer jährlich. Das erklärt Eckhard Kleiner, Koordinator der Gruppe. Mit leichtem Bedauern sagt er: „Das war eine feine Truppe.“

In luftiger Höhe gearbeitet

Heiner Vorderbrüggen gehört zum Beispiel dazu. Von Pfarrer Cruse wird er anerkennend „der Maurer von Immaculata“ genannt. Schon als Lehrling hat der 79-Jährige in der Kirche gearbeitet. „Ich habe die Reliquien des Heiligen Pankratius unter dem Altar wieder eingemauert“, erzählt Heiner Vorderbrüggen. Das sei noch ein richtiges Ereignis gewesen. Alle Pfarrer des Dekanats seien anwesend gewesen, und er habe sich den schwarzen Anzug von seinem Vater geliehen. Und 2005 habe er die Kirchenmauer an der Straße neu ausgefugt. Das sei nötig gewesen, da die Fugen beim Reinigen mit einem Hochdruckreiniger herausgespült worden seien.

Auch Joachim Cruse ist einiges im Gedächtnis geblieben. Zum Beispiel der Einsatz von Josef Franzlübbers. Der Geistliche erzählt, dass der Kaunitzer Schmied, der von allen „Der schwatte Meister“ genannt wurde, in luftiger Höhe oben auf dem Kirchturm den restaurierten Wetterhahn montierte. Unvergessen auch, dass Josef Franzlübbers jahrelang die Zahnräder des Geläuts schmierte.

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