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Bauwerk in Annaburg soll bald Franz Berenbrinkers Namen tragen – Feier am 28. April

Kleine Brücke, große Ehre

Verl (WB/jst). Er hat nach der Wende in der Bauverwaltung mitgearbeitet. Er hat bei der Organisation von Heimatfesten mitgeholfen. Er hat im Jahr 2002 gegen die Fluten des Jahrhunderthochwassers gekämpft. Das Engagement von Franz Berenbrinker in Annaburg ist in der Verler Partnerstadt unvergessen. Deshalb soll eine neue Brücke bald den Namen des 68-jährigen Verlers tragen.

Die Stadt Annaburg hat eine Fußgängerbrücke über den Mauergraben erneuert. Das Holzbauwerk am Roten Weg soll in Zukunft den Namen von Franz Berenbrinker tragen. Damit will die Stadt Annaburg die Verdienste des Verlers in der 26-jährigen Städtepartnerschaft ehren. Foto: Andreas Berenbrinker

Bisher hatte in Annaburg offenbar niemand Interesse daran, dem Fußgängerüberweg über den Bach Marktgraben einen Namen zu verleihen. Kein Wunder. Dieses marode Bauwerk am »Roten Weg« war zuletzt kein Hingucker mehr. Weil das Wasser dort schon häufig über das Ufer getreten war, wurde auch die Tragfähigkeit der Brücke mehr und mehr in Frage gestellt.

Namensgebung erfolgt mit kleiner Feier

Die Namensgebung der Annaburger Marktgraben-Brücke soll am Freitag, 28. April, erfolgen. Nach Auskunft von Annaburgs Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer beginnt die kleine Feier um 17 Uhr. »Es wird keine Riesenfeier, sondern eine Ehrung im kleinen Rahmen – eben so, wie es zu Franz passt«, verrät Neubauer, der im Rahmen der Zeremonie natürlich eine Tafel mit Berenbrinkers Namen an der 2016 erneuerten Holzbrücke anbringen will. »Ich freue mich auf den Besuch in Annaburg«, sagt Franz Berenbrinker, der sich von Donnerstag bis Samstag in der Verler Partnerstadt aufhalten will.

Dies hat sich aber im vergangenen Jahr nachhaltig geändert. Im Annaburger Rathaus war ein Antrag an die Adresse des Landes Sachsen-Anhalt ausgefüllt worden, in dem nach finanziellen Mitteln aus dem sogenannten Hochwassersanierungsprogramm gefragt wurde – erfolgreich. Die Annaburger Mauergraben-Brücke wurde für 16 000 Euro erneuert. Die Zimmerei Kerz ersetzte das Bauwerk. Jetzt passieren Fußgänger den Mauergraben über eine sehenswerte neue Brücke, die aus Eichenholz und einem witterungsbeständigem Bodenbelag besteht.

Brücken besitzen metaphorisches Potenzial

»Wer solch eine gut aussehende Brücke hat, der will ihr auch einen Namen geben«, erklärt Annaburgs Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer im Gespräch mit dieser Zeitung. Weil Brücken neben ihrer Funktionalität immer auch ein gewisses metaphorisches Potenzial besitzen – beispielsweise als Symbol für eine Verbindung – habe er sich von Beginn an in der Partnerstadt Verl nach einem geeigneten Namen umsehen wollen. »Der Name sollte unverkennbar mit einer Verler Person verbunden sein, die sich seit Beginn der Städtepartnerschaft durch ehrliche, herzliche und kontinuierliche Pflege der Städtefreundschaft engagiert hat«, verrät Neubauer, wie die Namensfindung für die Fünf-Meter-Brücke abgelaufen ist. Hier komme man eigentlich sofort zu Franz Berenbrinker. »Er hat sich von Beginn der Partnerschaft Verl-Annaburg im Jahr 1990 hier engagiert – und das in vielfältiger Hinsicht«, so Neubauer. Er habe die Partnerschaft mit Leben gefüllt. Während die Arbeit in der Verwaltung des 3600-Einwohner-Städtchens nach der Wiedervereinigung eher hinter den Kulissen ablief, half Franz Berenbrinker beim Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 dann in der vordersten Reihe mit, die Flut des Flusses Schwarze Elster zu bekämpfen. Dafür erhielt er seinerzeit sogar die Hochwassermedaille des Landes Sachsen-Anhalt.

Zustimmung der Politik ist Formsache

Annaburgs Hauptausschuss hat der Namensgebung zu Ehren Berenbrinkers kürzlich zugestimmt, ein entsprechendes Votum im Annaburger Stadtrat am Dienstag, 18. April, ist Klaus-Rüdiger Neubauer zufolge Formsache. Daher gibt es für die kleine Feier an der Mauergraben-Brücke auch schon ei­nen Termin (siehe Extra-Kasten).

Klaus-Rüdiger Neubauer

Die Nachricht, dass diese Brücke zwischen Gut Reizenstein und der Schlossstraße nach ihm benannt werden soll, erhielt Franz Berenbrinker förmlich, per Post. Klaus-Rüdiger Neubauer ließ es sich jedoch auch nicht nehmen, den Verler vorab persönlich zu informieren – während eines Kurzbesuchs in Verl. Allein diese herzliche Geste verdeutlicht die Wertschätzung der Annaburger, die dem langjährigen Verler Verwaltungsmitarbeiter in der Partnerstadt entgegengebracht wird.

Besuch mit Töchtern und früherem Arbeitskollegen

»Ich war etwas überrascht, dass mir nach so vielen Jahren solch eine Ehre zuteil werden soll«, verrät Franz Berenbrinker, der Ende April mit seinem früheren Verwaltungskollegen Dietrich Homuth (ebenso jahrelang in Annaburg engagiert) und seinen beiden Töchtern Monika Splitthoff und Anne Echterhoff zur Einweihung reisen wird. Er freue sich, dass sein jahrelanges Engagement nicht in Vergessenheit geraten sei. Spätestens wenn der Mauergraben-Überweg in zwei gut Wochen »Franz-Berenbrinker-Brücke« heißt, besteht nicht mehr die Gefahr, dass dies jemals passieren wird.

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