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Energieagentur prüft unterschiedliche Szenarien – Sürenheide sehr geeignet

Lohnt sich Fernwärme im Verler Süden?

Verl (WB). Das Fernwärmenetz der Stadt Verl soll weiter ausgebaut werden. Der Betriebsausschuss hat sich während seiner Sitzung am Dienstagabend mit verschiedenen Modellen beschäftigt. Bevor weitere Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben werden, soll jedoch in den Fraktionen über das Thema gesprochen werden.

Matthias Kleemann

Das Holzhackschnitzelheizwerk an der Straße Am Meierhof ist einer der Lieferanten für das Fernwärmenetz im Verler Norden. Auf der Fläche, die westlich angrenzt, soll jetzt ein Wärmespeicher mit einem Volumen von 300 Kubikmetern errichtet werden. Foto: Matthias Kleemann

Interessant für einen Ausbau sind sämtliche Ortsteile, bis auf Sende. Dort ist der Wärmebedarf wahrscheinlich nicht hoch genug. Das ergab eine Voruntersuchung der Energieagentur Lippe.

Interessant ist neben dem Verler Süden vor allem der Ortsteil Sürenheide. Agentur-Mitarbeiter Daniel Quast wies während der Ausschusssitzung darauf hin, dass es dort einen Landwirt mit Biogasanlage gibt, außerdem mehrere Großbetriebe (Nobilia, Kleine­mas, Teckentrup), die möglicherweise Abwärme abzugeben haben. Aber auch hier kann nur eine genauere Untersuchung klären, ob ein Ausbau wirtschaftlich wäre.

37 oder 29 Millionen Euro

Genauer unter die Lupe genommen hat Daniel Quast den Verler Süden. Für diese Machbarkeitsstudie hatte die Agentur bereits einen Auftrag aus Verl. Es sollte ergründet werden, ob ein Ausbau des Fernwärmenetzes nach den Kriterien des Modellvorhabens Wärmenetzsysteme 4.0 des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkon­trolle (BAfA) wirtschaftlich ist.

Das ernüchternde Ergebnis lautet: Nein. Das liegt jedoch vor allem an den Bedingungen, die das BAfA stellt. Ein so genannter Erzeugerpark müsste errichtet werden, der zu einem bestimmten Anteil mit Geothermie oder Solarthermie betrieben wird.

Einen Bonus gäbe es für die Abwärme aus Industriebetrieben, die der Verler Süden jedoch nicht hat. Auch der Wärmespeicher, der für diesen Erzeugerpark benötigt wird, wäre sehr groß, nämlich 8000 Kubikmeter. Kosten würde das Ganze 37,3 Millionen Euro, die Stadt müsste davon 28,4 Millionen Euro aufbringen. Insgesamt würde die Stadt trotz Förderung einen jährlichen Verlust von 1,1 Millionen Euro einfahren.

Doch das sollte niemanden entmutigen. Quast hat für die Stadt durchgerechnet, ob es sich lohnt, wenn sie das Fernwärmenetz im Verler Süden nach den Kriterien und Förderrichtlinien errichtet, nach denen bereits das begonnene Netz im Norden errichtet wurde, das wäre zum Beispiel ein Kredit der KfW oder das Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung.

Und siehe da, ein solches Projekt wäre am Ende des Tages kostenneutral, würde sogar noch einen kleinen Gewinn von 2000 Euro pro Jahr abwerfen. Die Kosten für diese Variante beliefen sich auf 28,7 Millionen Euro, aufbringen müsste die Stadt 24,7 Millionen Euro. Gegenüber dem aktuellen Stand betrüge die CO

-Einsparung 82 Prozent.

Quast empfiehlt, mit dem BAfA über eine individuelle Förderung zu verhandeln, möglicherweise ergeben sich noch bessere Förderbedingungen.

1600 Häuser untersucht

Die Machbarkeitsstudie war also nicht »für die Tonne«, zumal Quast sich sehr viel Mühe gegeben hat. Er hat unter anderem ein vollständiges Wärmekataster des Verler Südens angefertigt, jedes einzelne von insgesamt rund 1600 Häusern unter die Lupe genommen und kategorisiert. Recht aufwändig, wenn man bedenkt, dass es rund 500 Gebäudetypen gibt.

Daraus hat er einen Nutzwärmebedarf von insgesamt 40 Gigawattstunden abgeleitet. Umgelegt auf ein Einzelgebäude sind das im Schnitt etwas mehr als 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Für seine Studie ist Quast davon ausgegangen, dass sich etwa die Hälfte der Eigentümer entschließt, sich ans Fernwärmenetz anzuschließen. Den Wärmebedarf hat Quast in einer so genannten Heatmap visualisiert.

Auf dieser Basis hat er auch für die übrigen Ortsteile Heatmaps angefertigt, die jedoch ungenau sind, weil Quast nicht in die Tiefe gegangen ist. Es handelte sich dabei ja nur um Voruntersuchungen.

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