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Bücherschrank in Verler Einrichtung soll gefüllt werden

Louisenhof ruft zum Spenden von Büchern auf

Verl (WB/mfo). »Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seine Böden, kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken«, sagte schon Hermann Hesse. Genau diese Ansicht vertritt auch Ansgar Gierth, Einrichtungsleiter von der Pflegeeinrichtung Louisenhof in Verl.

Seit wenigen Tagen ist er fertig: Der große Bücherschrank in der Bibliothek des Louisenhofes. Gebaut hat ihn der Tischlermeister Ulrich Strothmann aus Schloß Holte-Stukenbrock (rechts). Jetzt ruft Einrichtungsleiter Ansgar Gierth zu einer Bücherspendenaktion auf. Künftig sollen die Bücher den Bewohnern bei ihrer Erinnerungsarbeit helfen. Ein Exemplar hält er bereits in Händen. Foto: Manuela Fortmeier

Deshalb hat er von Tischlermeister Ulrich Strothmann aus Schloß Holte-Stukenbrock eine Bibliothekwand aus massivem und hochwertigem Elsbeere-Holz (ein Schweizer Birnenbaum) anfertigen lassen.

Mächtig, zeitlos und leer steht der Schrank, der auch Rollstuhlfahrern Zugang zu den Büchern ermöglicht, da. Gleich im Raum neben dem Eingangsbereich befindet er sich, fast fünf Meter lang. »In diesem Schrank sollen unseren Bewohnern künftig hunderte von Büchern zur Verfügung stehen«, sagt Einrichtungsleiter Ansgar Gierth.

Sammelaktion ab Montag

Aus diesem Grund lädt er zu einer Büchersammelaktion zwischen dem 18. und 23 September, täglich von 9 Uhr bis 19.30 Uhr in die Einrichtung Louisenhof an der Paderborner Straße 31 ein. Das Motto lautet »Erinnerung ist eine Form der Begegnung« (Khalil Gibran). In dieser Zeit können Menschen »Bücher längst vergangener Tage und heimatverbundene, oder zeitgemäße Literatur« spenden. In der künftigen Oase können die gespendeten Bücher dann gelesen oder vom Pflegepersonal vorgelesen werden. Erinnerungspflege nennt Gierth diese Arbeit.

Im Dienste der Erinnerung

Ganz plötzlich klingt Musik aus demselben Raum, in dem der Bücherschrank und zwei Sitzecken stehen. Alte Musik aus einem funktionstüchtigen Grammophon, »Auch solche Gegenstände sind wichtige Bestandteile der Erinnerungspflege«, sagt Gierth und zeigt zeitgleich auf ein altes Telefon, das neben einer Bank auf einem Schränkchen steht »Das ist es, was die Menschen bei uns aus früheren Zeiten noch kennen. Das sind Dinge, mit denen wir Brücken von der damaligen Zeit zum Heute bauen können. Dann wenn den Bewohnern im Zuge ihrer Demenzerkrankung die Zusammenhänge und Wortfindungen schwer fallen.«

Zwar gebe es im Bereich Erinnerungspflege weitere Möglichkeiten, die vom Pflegepersonal genutzt werden könnten, aber Bücher seien eine ganz besondere Form innerhalb der Erinnerungsarbeit. »Man wundert sich, wie gut viele Bewohner auch noch selbst lesen können und es gerne tun«, sagt der Einrichtungsleiter.

»Würde und Lebensfreude«

Ansgar Gierth wehrt sich gegen die oft pauschalisierte Aussage, dass in Pflegeeinrichtungen zu wenig Zeit und Raum sei, die Bewohner individuell zu betreuen. »Bei uns klappt das hervorragend. Wichtig ist nur, es gut zu organisieren und man muss es auch selbst wollen«, sagt er.

Erschwerend sei die immer anspruchsvollere und zeitaufwendige Dokumentation einzelner Arbeitsschritte im Pflegebereich. »Da muss man schon gut strukturiert sein, um den Bewohnern eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen, damit sie in Würde, möglichst selbstbestimmt und mit viel Lebensfreude alt werden.«

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