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Azubi Florian Schürmann zieht es vom Ruhrpott nach Verl

»Mehr als nur Popos abputzen«

Verl (WB). Der Altenpfleger steht auf der Beliebtheitsskala der Berufe bei jungen Leuten nicht ganz oben. Bei Florian Schürmann schon. Der 21-Jährige ist extra nach Ostwestfalen gezogen, um in Verl im Louisenhof die Ausbildung zu machen. Obwohl er ein waschechtes Ruhrpottkind ist.

Kerstin Eigendorf

Helfende Hand: Florian Schürmann, Auszubildender als Altenpfleger, begleitet Louisenhof-Bewohnerin Margret Krümmel auf dem Weg in ihr Zimmer. Foto: Kerstin Eigendorf

Mit dem Berufsstart ist somit auch die Abnabelung vom Elternhaus und der Heimat Witten an der Ruhr verbunden. »Auf sich alleine gestellt zu sein, ist schon eine Herausforderung«, gibt Florian Schürmann offen zu. Doch sein Elternhaus und seine Ausbildung haben viel miteinander zu tun. »Meine Mutter ist stark pflegebedürftig seit ich etwa elf oder zwölf Jahre alt bin. Ich habe mich viel um sie gekümmert«, erzählt der Auszubildende. Und das habe er gerne gemacht.

Fundierte Kenntnisse erwerben

Für ihn lag es nahe, sich beruflich in der Pflege umzuschauen. In Wetter (Ruhr) fand er eine auf ein halbes Jahr befristete Stelle als Pflegehilfskraft. »Als ich das gemacht habe, war mir sofort klar: Das ist es«, sagt er. Doch die Suche nach Ausbildungsplätzen gestaltete sich schwierig. »Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, aber häufig einfach gar keine Antwort bekommen. Oder es wurden einem nur Praktika angeboten.« Doch sein Ziel sei es gewesen, eine fundierte Ausbildung zu machen.

In Verl bekam er dann seine Chance. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Florian Schürmann an den Weg zum Vorstellungsgespräch: »Montags war das Gespräch und sonntags ging das Auto kaputt.« Schnell musste ein Ersatzwagen an einem Sonntag organisiert werden und dann ging es an dem Montag auch noch im Schneegestöber von Witten Richtung Verl. »Eine Woche danach kam der Anruf: Ich durfte die Ausbildung machen – drei Jahre«, erinnert sich der Azubi und strahlt.

Nicht jeder ist der Typ dafür

Dass viele Menschen sagen, sie könnten so einen Beruf nicht ausüben, stört ihn nicht. »Dazu ist auch nicht jeder der Typ.« Das ständige Pauschalisieren, wenn es um Pflegeberufe geht, stört ihn aber sehr. »Dass man ältere Menschen wäscht, ist vielfach das Einzige, was mit dem Altenpflegeberuf verbunden wird«, sagt Florian Schürmann. Dabei sei es »viel mehr als nur Popos abputzen«.

Es sei so schön zu sehen, wenn sich die älteren Menschen freuten, wenn »man ein offenes Ohr für sie hat«. Am Ende des Tages sagen zu können, man habe etwas Gutes getan, sei Belohnung genug. Doch Florian Schürmann ist Realist. Damit sich das Bild der Pflegeberufe in der Gesellschaft verändere, »muss das Gehalt angepasst werden«. Erst dann verändere sich auch was in den Köpfen. Aber bis dahin macht er seinen Job »aus voller Überzeugung«, auch wenn er als Mann auf diesem Berufsfeld eindeutig in der Minderheit ist.

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