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Mit Pferden und Frischluft gegen Corona

Verl (abb) - Ruhig und gewissenhaft führt die kleine Paula ein Islandpferd. Ihre Kindergarten-Freundin Johanna sitzt im Sattel und lächelt über das ganze Gesicht. Das Reitprojekt des evangelischen Kindergartens Am Bühlbusch findet jeden Freitag statt und ist bei den Mädchen und Jungen sehr beliebt.

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Bevor die Mädchen mit dem Islandpferd „Gleymmérei“ (auf Deutsch „Vergissmeinnicht“), der Kindergartenleiterin Heidi Puhl und der Erzieherin Frederike Laustroer zum Reitplatz gehen, muss das Pferd gestriegelt und selbstverständlich auch gestreichelt werden. An diesem Freitag sind außer Paula und Johanna auch noch Michel und Fabienne dabei. Sie säubern die Hufe des Pferds, schmieren sie mit „Nagellack für Pferde“ (Lausstroer) ein, damit diese geschmeidig bleiben, und kämmen die Mähne und den Schweif des geduldigen und ruhigen Islandpferds.

Abwechslung dank Ausflug

Auch mit diesem Projekt reagiert die Einrichtung auf die Corona-Krise. „Die Kinder sind an der frischen Luft. Der Ausflug sorgt für Abwechslung“, sagt Heidi Puhl. Schon der Weg zur Pferdewiese ist ein kleines Abenteuer für die Jungen und Mädchen. Denn es geht mit dem Linienbus von Verl nach Sürenheide, wo die zwei Islandpferde von Frederike Laustroer stehen.

Die Erzieherin hat ein Zertifikat erworben, das am pädagogischen Konzept Hippolini angelegt ist. „Eigentlich ist das für Ponys gedacht. Aber mit den Islandpferden geht das auch gut“, so die Verlerin. In Verbindung mit Spiel und Spaß lernen die Kinder, wie man die Kontrolle über das Pferd gewinnt, Vertrauen schafft und ohne Angst im Sattel sitzt.

Das Reitprojekt, an dem die vier- bis sechsjährigen Kinder der Kita gern teilnehmen, ist nur eine Folge der Corona-Pandemie. Auch ansonsten haben sich die Erzieherinnen sowie die Mädchen und Jungen viel draußen aufgehalten. „Wir waren und sind oft im Wald an der frischen Luft“, sagt Heidi Puhl. Gerade jetzt mit steigenden Infektionszahlen gelten im Kindergarten weiterhin zahlreiche Hygieneregeln. Es wird viel gelüftet, es gibt nur noch Papierhandtücher, und die Tische werden regelmäßig desinfiziert. Außerdem gibt es zum Mittagessen kein Büfett mehr. Und zu Geburtstagen dürfen die Kinder nur Eingepacktes mitbringen. Wie zum Beginn der Pandemie sollen die Eltern den Kindergarten nach Möglichkeit nicht betreten. Das Bringen und Abholen geschieht über das Außengelände.

Eigentlich sollte in der evangelischen Erlöserkirche ein Erntedankgottesdienst stattfinden. „Aber wir dürfen in der Kirche nicht singen. Deshalb haben wir Gottesdienste auf Gruppenebene im Kindergarten oder im Wald gefeiert“, erzählt Heidi Puhl. Auch zum Martinstag wird es eine Umstellung geben. Puhl: „Wir basteln die Laternen ohne Eltern in den Gruppen und gehen dann durch den Bühlbusch.“

Kinder bekommen viel von der Pandemie mit

Trotz des jungen Alters bekommen die Mädchen und Jungen der Kita viel von Corona und den Auswirkungen der Pandemie mit. „Es kommt regelmäßig vor, dass die Kinder von Zuhause erzählen“, sagt Kindergartenleiterin Heidi Puhl. Die Eltern seien im Home-Office und öfter daheim als in normalen Zeiten. Der geplante Urlaub finde nicht statt. Die Großeltern würden seltener besucht. Heidi Puhl: „Die Kinder bekommen das selbstverständlich alles mit. Aber sie akzeptieren gewisse Dinge auch einfach.“ Für die Mädchen und Jungen gehöre Corona schon zum Alltag. Sie würden unterm Strich gut mit der Situation leben. Auch die jüngsten Kinder unter drei Jahren würden schon viel mitbekommen. „Sie schnappen Gespräche der Eltern auf, hören von Corona im Radio und auch über Geschwister bekommen sie viel mit.“

Heidi Puhl hofft und geht auch davon aus, dass es keine weitere komplette Schließung der Kindertagesstätten und der Schulen geben wird. „Das wurde von der Politik quasi schon ausgeschlossen.“ Sie und die Erzieherinnen haben die Möglichkeit, sich bis Ende des Jahres dreimal kostenlos am neuem Testzentrum an der alten Post in Verl testen zu lassen.

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