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Bornholte-Bahnhof: Am Holunderweg waren nur Telefon-Anschlüsse vorgesehen

Neubaugebiet jetzt doch mit Glasfaser

Verl (WB). Als sich neulich reichlich Politprominenz in Bornholte-Bahnhof dafür feiern ließ, dass dort 650 Haushalte kostenlos öffentlich geförderte Glasfaser-Anschlüsse erhalten, griff Lothar Großeschallau (59) verärgert zum Telefon: Er rief bei der VERLER ZEITUNG an und fragte: „Kann es denn wahr sein, dass hier vor Ort Altbauten das schnelle Internet gratis erhalten, aber Neubaugebiete außen vor bleiben?“

Carsten Borgmeier

Lothar Großeschallau (59, rechts) und Schwiegersohn Marcel Schiewer (38) können aufatmen: Ihre beiden Neubauten am Holunderweg in Bornholte-Bahnhof werden jetzt doch mit einem Glasfaser-Anschluss ausgestattet. Foto: Carsten Borgmeier

Wie Großeschallau weiter berichtete, sei ihm im Verler Rathaus noch Mitte 2018 zugesagt worden, dass das Neubaugebiet Holunder-/Grubenweg nahe der Bergstraße mit Sicherheit an das Glasfasernetz angeschlossen werde. „Ob das letztlich über die Telekom oder über die Deutsche Glasfaser laufen würde, hat zu der Zeit wohl noch nicht festgestanden“, berichtet der gebürtige Bornholter, der am Holunderweg mit seinem Schwiegersohn Marcel Schiewer (38) derzeit zwei Einfamilienhäuser errichten lässt.

Und als nun vor wenigen Wochen das Unternehmen Deutsche Glasfaser gleich bei ihm nebenan zu Bestandsbauten das schnelle Datenkabel verlegen ließ, erfuhr Großeschallau zu seiner Überraschung: „Für unser Neubaugebiet war plötzlich gar kein Glasfaser mehr vorgesehen, weil es sich privatwirtschaftlich nicht lohne.“ Die Telekom werde aber auf jeden Fall einen Telefon-Anschluss verlegen, habe es dann aus dem Rathaus geheißen.

Stadt sucht erneut das Gespräch mit den involvierten Unternehmen

Die VERLER ZEITUNG hakte in dem Fall nach, und der städtische Beigeordnete Thorsten Herbst suchte deshalb erneut das Gespräch mit den beiden involvierten Unternehmen: Während die Deutsche Glasfaser weiter keine Möglichkeit gesehen habe, das Neubaugebiet ohne Fördergelder kostendeckend mit Breitband auszustatten, habe die Deutsche Telekom jetzt schließlich doch zugesagt. Lothar Großeschallau sowie die übrigen Bauherren können also aufatmen und zukünftig mit Lichtgeschwindigkeit im Internet surfen.

Ursächlich für dieses Wirrwarr sei ein „nicht durchdachtes Bundesgesetz“ zur digitalen Zukunft Deutschlands, erläutert Herbst. Demnach soll dem Gesetz zufolge seit 2018 jedes Neubaugebiet in Deutschland mit Glasfaser ausgestattet werden. Eine Klausel allerdings besage, dass die ausführenden Unternehmen absagen dürften, sollte sich der Ausbau wirtschaftlich nicht rechnen.

Problematik ist erst kürzlich „aufgeploppt“

„Somit wären in letzter Konsequenz immer die Kommunen in der Verantwortung“, erläutert der Beigeordnete. Diese Problematik sei erst kürzlich „aufgeploppt“, beschäftige auch den Städte- und Gemeindebund, der darüber seit drei Monaten berate, so Herbst. Ähnlich gelagerte Fälle wie in Bornholte-Bahnhof gebe es bereits in den Kreisen Höxter und Warendorf.

Bei dem anfangs genannten, von EU, NRW und Stadt Verl geförderten Glasfaser-Ausbau in Bornholte-Bahnhof profitieren ausschließlich Haushalte, die derzeit Datenkapazitäten von unter 30 Mbit haben.

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