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Innenarchitekt legt Machbarkeitsstudie für die Weiterentwicklung der Bibliothek vor

Neue Möbel fürs »Wohnzimmer«

Verl (WB). Ruhezonen zum Lesen und Lernen, Arbeitsplätze für Einzelpersonen und Gruppen, Rechercheplätze mit Bildschirm oder Notebook, all das möglichst flexibel, das sind einige der vielen Anforderungen an eine moderne Bibliothek.

Matthias Kleemann

Die Bibliothek Verl wird im kommenden Jahr 20 Jahre alt. Nun soll sie den modernen Anforderungen angepasst werden. Heike Schniedermeier (rechts) und Claudia Thye vom Leitungsteam begrüßen die geplanten Veränderungen. Foto: Julian Stolte

Einiges davon hat die Verler Bibliothek schon zu bieten, doch nun soll ein neues Konzept her, damit die Einrichtung den vielen modernen Anforderungen gewachsen ist. Jochen Usinger vom Büro UKW Innenarchitekten aus Krefeld präsentierte am Dienstag im Ausschuss für Bildung, Sport, Kultur und Generationen eine Machbarkeitsstudie, die von der Politik positiv aufgenommen wurde und entwickelt werden soll.

Das Ziel ist, die Bibliothek bis 2020 umzugestalten. Erste Schätzungen der Stadtverwaltung ergeben Kosten von 960.000 Euro, wovon gut die Hälfte über Zuschüsse finanziert werden könnte. Der hohe Preis ergibt sich vor allem aus einer komplett neuen Möblierung.

Für Lesungen oder Vorträge

Dafür soll die Bibliothek zu einem Ort werden, der noch besser von den Bürgern angenommen wird, zum »dritten Ort«, nach Wohnen und Arbeiten, zum »Wohnzimmer der Stadt«, wie es Ausschussvorsitzende Gabriele Nitsch (CDU) formulierte. Die Arbeits- und Leseplätze, die Usinger auf seinem Plan auf der gesamten Bibliotheksfläche verteilt, sind flexibel: Es gibt abgeschottete Bereiche, wo man sich auch als Gruppe treffen und arbeiten kann, ohne andere zu stören oder selbst gestört zu werden. Oder Lesemöbel in allen Formen: Sofas, Sessel, Stühle, bei Bedarf mit Ablagefläche.

Für Lesungen oder Vorträge soll es möglich sein, mit wenigen Veränderungen ein Auditotium zu schaffen, wo 50 oder mehr Personen einem Referenten lauschen oder auf eine Leinwand schauen. Bücher sind nicht alles. Die Bücherei braucht eine »Gaming Zone« für Computerspiele und Virtual Reality (3D-Spiele). Ein Lesecafé soll zum entspannten Medienkonsum beitragen. Den Wohnzimmercharakter möchte Usinger mit einem »Makerspace« und einem »Repair Café« stärken, das sind Einrichtungen, wo sich Bürger treffen um einander bei praktischen Dingen zu helfen: Die Reparatur einer Kaffeemaschine oder eines Staubsaugers, oder der Entwurf eines Plakats oder Flyers für eine Vereinsveranstaltung. Auch dafür werden PC-Arbeitsplätze gebraucht. Möglicherweise könne man auch einen 3D-Drucker aufstellen, sagt Usinger.

Natürlich wird es auch weiter Bücher geben, aber ihre Zahl soll reduziert werden. Welche »Non-Book-Medien« es in Zukunft gibt, sei noch gar nicht absehbar, meint Usinger, deshalb müsse das Raumkonzept auch in dieser Hinsicht flexibel sein.

Einen weiteren Schwerpunkt stellt das Angebot für Kinder und Jugendliche dar, das Usinger weiterhin im alten Fachwerkhaus verortet. Auch hier müssten ausreichend attraktive Leseplätze zur Verfügung stehen.

Zwei weitere Voraussetzungen müsse eine moderne Bibliothek zwingend erfüllen: Absolute Barrierefreiheit und schnelles WLAN.

»Open Library«

Ein Konzept, das von immer mehr Bibliotheken umgesetzt wird, ist die »Open Library«. Die Einrichtung soll auch außerhalb der Öffnungszeiten nutzbar werden. Mit einer elektronisch lesbaren Ausweiskarte können Erwachsene die Bibliothek auch dann betreten, wenn kein Personal anwesend ist, sich dort aufhalten und Medien ausleihen. Entsprechende Automaten für Ausleihe und Rückgabe gibt es bereits, zum Beispiel in Gütersloh. Es soll jedoch kein Personal eingespart werden. Umfragen haben ergeben, dass Bibliothekskunden sich ausdrücklich Beratung wünschen.

Die nächste Open Library gibt es übrigens in Sennestadt. Die Ausschussmitglieder stimmten dafür, diese Einrichtung einmal zu besichtigen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

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