1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Verl
  6. >
  7. Ostergarten mit Blumen und Skulptur

  8. >

Verl

Ostergarten mit Blumen und Skulptur

Verl (matt) - Obwohl die Präsenzgottesdienste während der Karwoche und den Osterfeiertagen abgesagt worden sind, lohnt ein Besuch der St.-Anna-Kirche an Ostern. Michael Humpert hat einen Ostergarten angelegt, in dessen Zentrum eine eigens geschaffene Stele aus Eschenholz steht - ein Hingucker.

Anonymous User

Initiator Michael Humpert und Künstlerin Margit Unterthiner lassen an Ort und Stelle den Entstehungsprozess Revue passieren. Foto:

Beim ersten Blick Richtung Altarraum strahlt die neue Holzskulptur, die Margit Unterthiner geschaffen hat, förmlich. Das liegt aber weniger an dem verarbeiteten Blattgold oder daran, dass das Kunstwerk angestrahlt wird. Vielmehr ist es der helle Eschenstamm, der strahlt. Es wirkt so, als würde die Skulptur dort einfach hingehören, so perfekt fügt sie sich in das Kirchenbild von St. Anna ein.

Kirchengremien geben grünes Licht

Je mehr man sich der Stele nähert, desto deutlicher erkennt man die Strukturen des Stamms, die Maserung. Die roten Punkte manifestieren sich zu Wundmalen und in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt immer mehr der auferstandene Jesus Christus. Folgt der Blick den nach oben gestreckten Armen, schaut man auf das von Tobias Kamerer geschaffene Deckengemälde des himmlischen Jerusalems. Das Gold der Decke findet sich auch in der Stele wieder, womit die räumliche Verbindung und gleichzeitig die spirituelle Verbindung zur österlichen Kernbotschaft perfekt ist.

Das Gesamtensemble aus Skulptur, Hochaltar und Deckengemälde verdichtet sich zu einer Einheit. Die Künstlerin Margit Unterthiner ist jedenfalls mit dem Ergebnis zufrieden. Persönlich hat sie ihr Werk in Verl abgeliefert. Seit 1993 unterhält die Holzbildhauerin und Kunstlehrerin aus dem Ettal eine eigene Werkstatt. Gesehen hatte Michael Humpert eigentlich nur ein Plakat mit einem abgebildeten Werk von ihr. Aber das faszinierte ihn so sehr, dass er die 54-Jährige fragte, ob sie sich mit Blick auf Ostern vorstellen könne, für die Verler St.-Anna-Kirche eine Skulptur zu schaffen. Das war im Februar dieses Jahres. Die Kirchengremien waren von der Idee genauso angetan wie Humpert. Sie gaben schnell grünes Licht.

Reger Austausch

„Drei Entwürfe bildeten die Grundlage für das jetzt entstandene Werk“, erzählt Humpert. Es war ein reger Austausch zwischen Verl und dem Ettal. „Ich habe mich natürlich schlaugemacht, habe mir mittels des virtuellen Rundgangs die Kirche sehr intensiv und genau angeschaut“, so Unterthiner, die hauptsächlich religiöse Themen bearbeitet. In nur wenigen Wochen entstand die Stele, die während der Karwoche noch verhüllt in der Kirche steht. Sie wird ab Ostersonntag dann im Zentrum eines Gartens aus Holz und Zwiebelblühern stehen.

Den legt Humpert heute im Tagesverlauf an. Jedes kleine Detail wird eine Bedeutung haben. Es lohnt sich also, der St.-Anna-Kirche während der Osterfeiertage einen Besuch abzustatten – selbst wenn keine Gottesdienste stattfinden.

Skulptur wird sich verändern

„Die Stele soll ein Sinnbild unserer Hoffnung und Zukunft sein“, nennt Michael Humpert, der Mitglied im Pfarrgemeinderat ist, einen Deutungsansatz. Glaube sei immer Aufsteh-Religion, nicht nur Auferstehungsreligion, findet er. Die ausgesteckten Arme können an Jubel erinnern und damit eine Geste des Sieges über den Tod sein.

Mit den Jahren wird sich die Skulptur verändern, obwohl der künstlerische Prozess abgeschlossen ist. „Sie wird reifen: So wie der Osterglaube reifen muss und niemals ‚fertig’ sein wird“, ist sich Humpert sicher. Nach der Osterzeit wird die Stele wieder abgebaut. Wo sie dann einen Platz findet, ist noch offen. „Das diskutieren wird gerade.“

Startseite