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Jungunternehmer berichten über ihre Erfahrungen

Sie geben selbst das Tempo vor

Verl/Rheda-Wiedenbrück (WB). Ein gewisses Risiko gehört dazu, sagt Bastian Voigt (36). Vor zwei Jahren hat er sich mit dem Handel von Oldtimern selbstständig gemacht. Sicherheit ist wichtig, sagt Michael Kaffitz (53). Der Polsterer hat im August vorigen Jahres den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Matthias Kleemann

Michael Kaffitz (links) und Bastian Voigt sitzen in einem BMW 328. Ulrich Grubert (IHK), Ana Cristina Lavrador (Handwerkskammer) und Aleksandra Blagojević (Pro Wirtschaft GT, von links) freuen sich über den Erfolg ihrer Schützlinge. Foto: Matthias Kleemann

Einig sind beide sich in der Erfahrung, dass es besser ist, sich helfen zu lassen. »Es ist gut, jemanden an seiner Seite zu wissen, der sich mit all den kaufmännischen, steuerlichen und versicherungstechnischen Dingen auskennt«, sagt Kaffitz. In seinem Fall war das Ana Cristina Lavrador von der Handwerkskammer. Die Betriebsberaterin war stets zur Stelle, wenn Kaffitz Rat brauchte.

Coaching nützlich

Voigt hatte entsprechende Unterstützung von Ulrich Grubert, Referent für Existenzgründung bei der Industrie- und Handelskammer. Weil er Steuerrecht studiert hat, brauchte er allerdings weniger Beratung in kaufmännischer Hinsicht. Nützlich sei das Coaching der IHK jedoch gewesen, um einen Existenzgründerzuschuss zu erlangen.

Über ihre Erfahrungen werden die beiden Jungunternehmer während des Ostwestfälischen Gründungstags in Gütersloh sprechen, der am Mittwoch, 20. Februar, ab 8.30 Uhr im Gütersloher Kreishaus stattfindet. Einen dritten Erfahrungsbericht wird Dr. Andrea Temming aus Gütersloh beisteuern. Die vierfache Mutter hat sich im Nebenerwerb als Berufsfindungscoach für Jugendliche, insbesondere für Abiturienten, selbstständig gemacht. Diese Tätigkeit übt sie seit knapp drei Jahren erfolgreich aus. Sie hat bei ihrer Existenzgründung Unterstützung von der Pro Wirtschaft GT erhalten.

Michael Kaffitz

Für Michael Kaffitz steht noch nicht fest, ob sein Schritt in die Selbstständigkeit von dauerhaftem Erfolg gekrönt sein wird, dafür ist der Wechsel noch zu jung. Kaffitz ist gelernter Polsterer und nach einer klassischen Handwerksausbildung in die Möbelindustrie gegangen, weil dort bessere Löhne gezahlt wurden. »Heute herrscht dort nur noch ein Hauen und Stechen«, sagt Kaffitz und kritisiert die Arbeitsverdichtung.

Nun gibt er selbst das Tempo vor. »Mundpropaganda ist die beste Akquise«, sagt er. Ein bisschen Werbung in den Printmedien sei zudem notwendig. Kaffitz setzt weniger auf die digitalen Netze und mehr auf den persönlichen Kontakt.

Abwechslung ist dabei

Er arbeitet meist mehr als 60 Stunden pro Woche, fühlt sich jedoch wohl dabei. Rückhalt bietet ihm die Familie. Seine Frau ist berufstätig. Wichtig sei, das einem nicht schon nach einer Woche die Puste ausgeht.

Bastian Voigt hat nach seinem Studium ein sechsmonatiges Praktikum bei Ford in Köln gemacht. »Ich habe gemerkt: Hier ist es toll, aber auf Dauer käme ich nicht klar.« In seiner Eigenständigkeit liebt er die Abwechslung.

Bastian Voigt

Bei einem Arbeitgeber wäre ihm schnell langweilig geworden, weil das Aufgabenfeld zu eingeengt sei. »Ich habe nur noch telefoniert und verkauft.« Als sein eigener Chef sei er für alle Belange zuständig. Nachdem er eine kurze Zeit bei einem anderen Oldtimerhändler tätig war, stand seine Entscheidung fest, sich selbstständig zu machen. »In meiner Familie gibt es viele Selbstständige.«

Voigt kauft und verkauft oder vermittelt, das heißt, er hat den größten Teil seiner Oldtimer in Kommission. Überwiegend sind es europäische Oldtimer: Mercedes, BMW, Alfa, Aston Martin. Man müsse ständig am Ball sein, der Markt ändere sich über Nacht: Brexit, Krimkrise, das Gebaren des US-Präsidenten Donald Trump.

Transparenz und Vertrauen

Zurzeit steht Voigt mit seinem zweiten Unternehmen am Start. »Wir wollen jetzt auch Oldtimer versteigern.« In diesem Sektor seien Transparenz und Vertrauen wichtig. Man müsse etwas von den Marken verstehen und Fälschungen erkennen. Die Käufer würden jünger und verstünden weniger von Autos als früher.

Voigt rät davon ab, einem neu gegründeten Unternehmen einen Kunstnamen zu geben. »Oldtimerhandel ist ein sehr persönliches Geschäft.« Mit seinem Namen für die Firma zu stehen, baue Vertrauen auf.

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