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Verler Luxusprobleme mit dem Geld

Verl (lw)

Wohin nur mit dem ganzen Geld? Die Stadt Verl hat diesbezüglich ein wahres Luxusproblem.

Um etwa 50 Prozent sind die liquiden Mittel der Stadt in den vergangenen fünf Jahren gewachsen. Foto:

Finanziell steht die Kommune trotz der Coronakrise so gut dar, dass es Kämmerer Heribert Schönauer in manchen Momenten unangenehm zu sein scheint. „Wir haben 125 Millionen Euro an liquiden Mitteln“, sagt er. Damit sei die Summe in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen.

Bis zu 250.000 Euro an Strafzinsen wären fällig geworden

Wie berichtet, hatte die Stadt Verl Millionenbeträge in Spezialfonds investiert. Bei einer Rendite von gut zwei Prozent ist die Investitionssumme um gut drei Millionen Euro in den vergangenen Jahren gestiegen. Hätte die Stadt das Geld nicht angelegt, hätte sie pro Jahr etwa 250.000 Euro an Strafzinsen zahlen müssen, rechnet Schönauer vor. „Nach dreieinhalb Jahren kann man sagen, dass das die richtige Entscheidung war“, sagt der Erste Beigeordnete.

Wie die Kommune mit ihrem Geld umgeht, ist durch einen Artikel in einer überregionalen Zeitung auch in anderen Ecken der Bundesrepublik bekannt gemacht worden – und hat offenbar Kämmerer in anderen Städten aufhorchen lassen. Wie Schönauer berichtet, gab es danach mehrere Anfragen. Das Verler Modell wird er zudem beim Deutschen Kämmerertag in Berlin Anfang September erläutern.

Gewerbesteuereinnahmen wohl deutlich über dem Ansatz

Das Ganze ist bei der finanziellen Entwicklung der Stadt aber nur eine Seite der Medaille. So rechnet der Kämmerer mit Gewerbesteuereinnahmen von gut 60 Millionen Euro für dieses Jahr. Im Haushaltsplan waren 50 Millionen Euro angesetzt. Das liegt zum großen Teil daran, dass einige Verler Unternehmen bisher deutlich besser durch die Krise gekommen sind, als zunächst angenommen.

Das führe mitunter zu erstaunlichen Situationen im Rathaus, erklären der Kämmerer und Bürgermeister Michael Esken (CDU). Ohne Namen zu nennen, berichten sie von Verler Betrieben, die schon gern im Vorfeld ihre zu erwartende Gewerbesteuer zahlen wollten – und zwar in einem Rutsch und ohne dass es schon einen Bescheid gegeben hätte. Grund sei wahrscheinlich, dass die Unternehmen das Geld nicht einfach auf dem Konto lassen wollten, wo sie Strafzinsen zahlen müssten, vermuten die beiden.

Umlagen werden wohl exorbitant steigen

Abwegig ist die Idee im Rathaus jedenfalls nicht. Deswegen die Anlage in Spezialfonds und die (nicht ganz ernst gemeinte) Hoffnung, man könnte frühzeitig die Kreisumlage begleichen. Die – so die erste Berechnung – dürfte im kommenden Jahr exorbitant werden, sagt Esken. Ebenso die Umlage für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Aber das sei nun einmal der Fall, wenn eine Kommune finanziell so gut aufgestellt sei, so Schönauer.

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