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Viel Technik, die niemand bedienen kann

Verl (matt) - Das Thema „Digitales Lernen“ an Verler Schulen nimmt immer mehr Tempo auf. Das wurde während der Schulausschusssitzung am Mittwochabend deutlich. Größtes Problem aller Schulen ist aber nicht die Ausstattung, sondern die Betreuung, wenn die Technik versagt.

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Gesamtschule ist am weitesten

Am weitesten ist die Gesamtschule. Sie führt Anfang September als erste Schule mit „Its Learning“ ein Lernmanagementsystem ein. Auch Otfried Morck, Schulleiter der Grundschule Kaunitz/Bornholte, ist zufrieden. Aber ein Problem hat er dennoch, dass symptomatisch für die Situation an allen Verler Schulen ist. Zwar verfügt seine Schule seit einem halben Jahr mit Servern, Betriebssystemen, Software und 60 bis 70 Tablets über neue Technik, aber niemand an der Schule kann die Hardware ans Laufen bringen.

Regio IT reagiere zu träge, wenn es irgendwo zwischen Internetverbindung, Server und Endgeräten hakt, bemängelten alle Schulleiter auf der Ausschusssitzung. „Wir wollen digital arbeiten, und die Kinder nehmen das gut an“, hat Iris Gäsing, Konrektorin der Bühlbuschschule, positive Erfahrung gemacht. Sie würde sich aber bei der Implementierung pädagogischer Inhalte einen Schulmanager wünschen, der die technischen Möglichkeiten kennt und sie schuladäquat umsetzen kann.

Grundschulen wünschen sich Unterstützung

Besonders die Grundschulen wünschen sich technisch eine schnelle Unterstützung. „Wenn man bei Regio IT ein Ticket gezogen hat, hängt man erst einmal in der Warteschleife. Das macht das Arbeiten schwer“, schildert Anja Giesbertz, Leiterin der St. Georg Schule, ihre bisherigen Erfahrungen. Da käme ein digitaler Hausmeister, wie ihn die Grünen fordern, eigentlich genau richtig. Bürgermeister Michael Esken will aber am bestehenden externen Support festhalten. „Eine Person würde ohnehin nicht ausreichen“, ahnte Antragstellerin und Grünen-Vertreterin Rebecca Mohncke, dass der Antrag noch nicht schlüssig war.

Ein Mitarbeiter vor Ort

Statt einer Stelle für Schulen, soll aber im kommenden Jahr eine entsprechende Stelle bei der Stadt Verl geschaffen werden, auf die Schulen dann auch Zugriff bekommen sollen. „Mein Vorschlag wäre es, Regio IT mit einem Mitarbeiter vor Ort zu unterstützen“, erklärte Michael Esken. Der Antrag soll am kommenden Montag beim Runden Tisch für Digitalisierung vertieft werden. Der SPD baute Esken („Sie beantragen einen weißen Schimmel.“) diese Brücke nicht.

Neue Formen des Lernens entstehen

Digitales Lernen bedeutet, Schulinhalte adäquat aufzubereiten und in digitaler Form zur Verfügung zu stellen. Neue Formen des Lernens und der Inhaltsvermittlung, das hat der Shutdown an den Schulen gezeigt, entstehen. Für Grundschulkinder muss der Zugang so einfach wie möglich sein, so Ofried Morck. „Die Bedürfnisse von Fünft- und Sechstklässlern unterscheiden sich von denen in der Oberstufe“, macht Mathias Hermeler, Leiter des Gymnasiums, deutlich.

Gymnasium will sich nicht „unterwerfen“

Das Gymnasium hat im Zuge der Schulschließung vor allem Microsofts Programm Teams als „Perle“ (Ares Rolf) für sich entdeckt. Obwohl das NRW-Schulministerium datenschutzrechtliche Bedenken bei der Verwendung personenbezogener Daten hat, will sich das Gymnasium keinem Lernmanagementsystem unterwerfen, weil die Zufriedenheit der Eltern, so Hermeler, beim Homeschooling bei 80 Prozent lag.

Eltern können Fortschritt verfolgen

Genau diesen Weg hat die Gesamtschule bereits vor drei Jahren im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie eingeschlagen und führt am 1. September offiziell die Lernplattform „Its Learning“ ein. „Es ist ein selbsterklärendes, sicheres System, das so arbeitet, wie es Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung tun“, so Mathias Geukes. Mit der Einführung macht sich die Schule auch gläsern. Eltern können künftig Unterrichtsinhalte ihrer Kinder über ein eigenes Portal nachvollziehen. Die Plattform wird gemeinsames Lernen ebenso ermöglichen wie Blended Learning, also dem Lernen im Präsenzunterricht wie auf Distanz. Einigkeit herrscht zwischen Schulleitern und Politik bei der Einführung der Art des Anmeldesystems. Die Verwaltung sieht das jedoch kritisch.

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