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Ehepaar aus Verl erzählt von der Adoption seines Sohnes – Unterstützung vom Jugendamt

Vor Freude geweint

Verl (WB). Julia und David sind seit 18 Jahren ein Paar, seit neun Jahren sind sie verheiratet. Die Verler wünschten sich nichts sehnlicher als ein Baby. Die Adoption eines Kindes macht das Familienglück nun perfekt. In den vergangenen Jahren hatte es viele Rückschläge, Tränen und Zweifel gegeben, aber auch große Unterstützung.

Andreas Berenbrinker

Ein Kind war der sehnlichste Wunsch von David und Julia, seit einigen Wochen ist ihr Adoptivsohn bei dem Paar aus Verl. Foto: Andreas Berenbrinker

Man merkt Julia (33) und David (34) ihre Dankbarkeit an. Seit einigen Wochen stellt der kleine Fiete das Familienleben auf den Kopf. Sieben Jahre hat das Verler Paar für diese Momente kämpfen müssen. Eine Zeit voller Hoffnungen, aber auch Enttäuschungen sowie körperlicher und psychischer Tiefschläge.

Viele Tränen

Nachdem sich aus gesundheitlichen Gründen auf natürlichem Weg keine Schwangerschaft einstellte, ließen sich Julia und David in einer Bielefelder Kinderwunschklinik beraten. Vier Versuche einer künstlichen Befruchtung scheiterten, beim fünften gab es bei der Entnahme von Eizellen unter Vollnarkose derartige Komplikationen, dass das Paar Abstand von der künstlichen Befruchtung nahm.

Hinter den Verlern lag eine Zeit mit vielen Tränen und Rückschlägen. „Viele gescheiterte Versuche und das Gefühl, dass ringsherum alle Frauen schwanger werden“, erinnert sich Julia, „ich habe viel geweint“. Das Paar ließ sich vom Kinderwunsch aber nicht abbringen, entschied sich für eine Adoption.

Verantwortlich für Adoptionen im Kreis Gütersloh ist das Kreisjugendamt mit Sitz in Rietberg. Julia und David gingen zu einem Beratungstermin und bekamen viele Unterlagen und Formulare mit nach Hause. „Wir mussten Fragebögen ausfüllen, Lebensläufe schreiben und darlegen, warum wir uns ein Kind wünschen“, erzählt Julia. Auch Angaben zum Verdienst, den Wohnverhältnissen sowie das Abgeben von Führungs- und Gesundheitszeugnissen gehörten zu den ersten Pflichten.

Wichtig seien aber auch persönliche Gespräche mit den Jugendamtsmitarbeitern gewesen. „Wir fühlten uns von Anfang an sehr gut aufgehoben und begleitet“, sagt David. Auch die Hausbesuche habe man nicht als Last gesehen. Julia: „Wir haben das alles als positiv empfunden, der Austausch war und ist sehr gut, es gibt auch mal flotte Sprüche. Wir fühlten uns ernst genommen.“

Mehrere Seminare

Ein nächster Schritt war der Besuch mehrwöchiger Seminare in Wiedenbrück, an dem sechs weitere Paare teilnahmen. Dort ging es beispielsweise um mögliche Traumata und Bindungsängste, die ein Adoptivkind haben könnte, „schließlich wird es ja von der leiblichen Mutter getrennt“, so Julia. Und auch der Umgang mit dem Baby in der ersten Zeit wurde erklärt. „Das wäre eigentlich für alle Eltern gut“, lächelt David. Außerdem wurden Beweggründe erläutert, warum Frauen ihre Babys abgeben. „Wir haben großen Respekt vor dieser Entscheidung und machen den Frauen keinen Vorwurf“, so die Erzieherin.

Auch nach den Seminaren war der Kinderwunsch weiterhin da, das Verler Paar musste sich aber auf eine längere Wartezeit einstellen. David klärt hier über eine Besonderheit auf. „Da wir uns für eine Adoption im Kreis Gütersloh entschieden haben, durften wir nur Kinder aus dem Kreis aufnehmen.“ Und da hier im Schnitt pro Jahr nur zwei bis drei Babys zur Adoption freigegeben werden, ist die Wartezeit mitunter lang.

Ein unvergesslicher Tag

Den Tag, als das Jugendamt Julia und David ein Kind in Aussicht stellte, werden die Verler nie vergessen. „Ich war gerade mit unserem Hund draußen und war total überrascht“, so Julia. Beim Überbringen der schönen Nachricht an ihren Mann habe sie vor Freude geweint.

Dem Paar blieb nicht viel Zeit. Es musste sofort zum Jugendamt und mit den Mitarbeitern in die Geburtsklinik. Dort wurde Julia der zwei Tage alte Säugling in die Arme gegeben. Gemeinsam entschieden sie sich erst dann für den Namen. In das Gefühl unendlicher Erleichterung, Dankbarkeit und Liebe mischten sich aber auch Zweifel und Ängste. „Die leibliche Mutter hatte noch mindestens acht Wochen Zeit, sich doch für ihren Sohn zu entscheiden“, so David.

Vor einigen Wochen, am Hochzeitstag von Julia und David, kam die erlösende Nachricht, Fiete darf bei ihnen bleiben. „Ihn geben wir jetzt nicht mehr her“, lächelt Julia. Endgültig vollzogen ist die Adoption nach einem Jahr. „Aber das hat formelle Gründe“, so David. Dann darf ihr Sohn auch den Nachnamen des Paares annehmen.

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