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Unternehmen in OWL schärfen Coronaschutz – eigene Tests bei Nobilia und Nagel

Erhöhte Wachsamkeit

Rheda-Wiedenbrück/Kirchlengern/Versmold (WB). Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies beobachten andere Großunternehmen in OWL die Entwicklung mit Argusaugen und erhöhen teils ihre Schutzmaßnahmen. Der Verler Küchenmöbelbauer Nobilia hat bereits vorsorglich Corona-Tests eingeführt, der Versmolder Lebensmittellogistiker Nagel plant dies für seine Belegschaft.

Oliver Horst

Ein Mediziner nimmt bei einem Mann einen Rachenabstrich. Corona-Tests von Beschäftigten haben nach dem Ausbruch bei Tönnies Firmen in OWL bereits durchgeführt – der Küchenbauer Nobilia – oder planen diese, etwa der Lebensmittellogistiker Nagel. Foto: dpa

Nobilia teilt mit, die „umfassenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen“ nochmals verstärkt zu haben. Bereits seit vergangenem Donnerstag – direkt nach Bekanntwerden des Corona-Ausbruchs bei Tönnies – seien vorsorglich die Beschäftigten nicht zur Arbeit zugelassen worden, die in der Nähe der Unterkünfte von Tönnies-Kräften wohnen. Parallel dazu seien Nobilia-Mitarbeiter getestet worden, die Kontakt zu infizierten Tönnies-Arbeitern hatten. „Diese Testergebnisse waren negativ“, erklärt Nobilia-Chef Lars Bopf.

Seit vergangener Woche teste Nobilia auch externe Mitarbeiter, etwa Monteure für den Aufbau der geplanten Hausmesse. „Auch diese Testergebnisse waren allesamt negativ“. Zusätzlich zu dem Abstandsgebot und hohen Hygienevorschriften habe Nobilia die Maskenpflicht erweitert. Sie gelte nun bei Betreten des Betriebsgeländes und auf sämtlichen Gemeinschaftsflächen. Gesundheitsscouts stellten das Einhalten der Verhaltensvorgaben sicher.

Eigene Tests durchführen

Auch der Versmolder Lebensmittellogistiker Nagel-Group im Norden des Kreises Gütersloh ist „wachsam und sensibilisiert“, teilt Pressesprecher Nils Ortmann mit. Es sei geplant, „in gewissem Umfang unter anderem eigene Testkapazitäten aufzubauen, um unsere Mitarbeiter entsprechend präventiv testen zu können“. Für das Unternehmen mit europaweit 13.000 Mitarbeitern beschäftigt in OWL rund 1500 Menschen. Hinzu kämen 300 externe Werkvertragsarbeiter.

Bislang habe es keine bekannten Übertragungen innerhalb der Belegschaft gegeben, betont Ortmann. Das Unternehmen ist vor allem im Bereich gekühlter Lebensmittel tätig. Um Abstandsregelungen auch im Bereich der Zusammenstellung von Sendungen einzuhalten, seien etliche Maßnahmen ergriffen worden.

Wo möglich seien durch veränderte Abläufe die Abstände zwischen Arbeitern erweitert worden. „Wo dies produktionsbedingt nicht möglich ist, gilt auch in der Kommissionierung die Pflicht, gemäß den aktuellen Arbeitsschutzstandards einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen“, sagt Ortmann.

Ein Fall bei Hettich

Derweil ist beim Möbelbeschlägehersteller Hettich in Kirchlengern mit 2000 Beschäftigten allein am Stammsitz ein akuter Corona-Fall aufgetreten. Eine Mitarbeiterin in der Montage habe sich mit dem Virus infiziert, teilte das Unternehmen mit.

Die Infektion sei am Dienstag bekannt geworden, die Frau und deren direkte Kollegen als Kontaktpersonen wurden in häusliche Quarantäne geschickt. Die Kollegen seien noch Dienstag getestet worden, teilte das Gesundheitsamt des Kreises Herford mit.

Eine Hettich-Sprecherin sagte, dass es sich nicht um den ersten Corona-Fall im Unternehmen handele. „Wir hoffen, dass auch dieser Fall keine weiteren Implikationen hat.“ Hettich habe früh umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter umgesetzt.

Plexiglaswände trennen Mitarbeiter

Beim Bielefelder Nahrungsmittelhersteller Oetker verzichtet der Außendienst aktuell auf Termine im Kreis Gütersloh. Davon abgesehen würden die seit langem ergriffenen Maßnahmen von Homeoffice, Begegnungsverbot der gebildeten Büroteams und verschiedener Schichten in den Werken weiter umgesetzt.

„Im Pizza-Werk trennen von der Decke hängende Plexiglaswände die Mitarbeiter“, sagt Oetker-Sprecher Jörg Schillinger. Bislang sei innerhalb des Konzerns keine Corona-Übertragung bekannt.

Kantinenangebot eingeschränkt

Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann „beobachtet die Entwicklung engmaschig und appelliert an alle Mitarbeiter, sich weiter strikt an die Präventionsregeln zu halten“. Der Großteil der Beschäftigten befinde sich noch im Homeoffice.

„Ein verstärktes Wiederhochfahren ist – Stand heute – erst nach der Sommerpause geplant“, sagt Sprecher Jan Hölkemann. Das Kantinenangebot sei seit längerem sehr stark eingeschränkt und bestehe zum Teil nur aus einem Abholservice. Weltweit sei bei Bertelsmann kein Fall bekannt, „wo sich jemand im Büro angesteckt hat“.

Erfassung aller Daten

Auch der Gütersloher Hausgerätehersteller Miele mit Werk in Bielefeld reagiert auf den Corona-Ausbruch im Kreis. Alle Mitarbeiter die mit Tönnies-Beschäftigten in einem Haushalt leben oder in näherem Kontakt gestanden haben, sind gebeten worden, ihre Vorgesetzten zu informieren. „Diese haben dann mit Unterstützung des betriebsärztlichen Dienstes zu entscheiden, wer bis auf Weiteres zu Hause bleiben muss“, erklärt Pressesprecher Carsten Prudent.

Über ein erweitertes Tragen von Masken – bislang etwa auf den Gängen – werde beraten. Zudem erfasse Miele seit Dienstag die Daten aller Beschäftigten von Fremdfirmen, die auf dem Miele-Gelände tätig sind.

In den Werken erfülle Miele „minutiös“ den am 16. April vom Bundesarbeitsministerium veröffentlichten Corona-Arbeitsschutzstandard. Wo der Mindestabstand nicht sicherzustellen sei, würde etwa mit Trennscheiben aus Plexiglas oder durch Ausdünnung des Personals und versetzte Schichten reagiert. „Soweit dann immer noch Mindestabstände nicht zuverlässig einzuhalten sind, besteht Maskenpflicht“, so Prudent.

Freiwillige Tests

Auch der Elektronikkonzern Harting in Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke) hat den Corona-Arbeitsschutzstandard umgesetzt. Bei Infektionen oder Verdachtsfällen würden Mitarbeiter und betriebliche Kontaktpersonen sofort in häusliche Quarantäne und ins Homeoffice geschickt. Tests beruhten dabei auf Freiwilligkeit oder behördlicher Anordnung.

Vom Land NRW angekündigt sind Tests bei fleischverarbeitenden Betrieben wie den Versmolder Wurstherstellern Nölke, Reinert und Wiltmann . Bei Nölke und dem ebenfalls zum Tönnies-Konzern gehörenden Wursthersteller Vogt & Wolf in Gütersloh sind die Tests abgeschlossen, die Ergebnisse werden für Donnerstag, 25. Juni, erwartet.

Reinert – inzwischen fusioniert zu „The Family Butchers“ (TFB) – rechnet mit einer Testung zu einem späteren Zeitpunkt, weil in der Produktion keine Werkvertragsarbeiter tätig sind. Das Unternehmen habe – auch durch Umbauten – den Coronaschutz zu Beginn der Pandemie erhöht. Wiltmann lagen noch keine Informationen zu möglichen Tests vor.

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