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Sally Perel und Rolf Westheider zu Gast in der Buchhandlung Krüger

Licht auf jüdisches Leben

Versmold/Altkreis (WB/hn). Er war »Hitlerjunge Salomon«, überlebte den Zweiten Weltkrieg als Jude in Naziuniform. Sally Perel kommt am kommenden Montag, 15. Mai, wieder nach Versmold.

Sally Perel spricht in Versmold über sein bewegendes Leben. Foto:

Mit zwei Veranstaltungen hat sich Gesine Klack, Inhaberin der Buchhandlung Krüger, in die Aktionswoche »Jüdisches Leben« des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vom 18. bis 24. Mai eingeklinkt. In Nordrhein-Westfalen bieten 40 Aktionsbuchhandlungen ganz unterschiedliche Veranstaltungen zum Thema Jüdisches Leben hier und heute an.

»Mit der Aktionswoche soll die Schwere des Themas nicht unter den Teppich gekehrt werden, aber vor allen Dingen versucht werden, mehr Leichtigkeit in die Begegnung mit jüdischem Leben in Deutschland zu bringen«, erklärt Gesine Klack das Ansinnen des Börsenvereins. So werde eine Klammer zu unserem heutigen Alltag geschaffen. In Ostwestfalen ist Gesine Klack die einzige Buchhändlerin, die an dem Projekt teilnimmt. Wegen der Terminabsprachen mit beiden Referenten liegen die Versmolder Veranstaltungen vor der offiziellen Aktionswoche.

Andere bieten Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, organisieren Lesungen, Filmvorführungen und Diskussionen, Führungen durch die örtliche Synagoge oder Abende mit koscherem Essen und Wein. Die Auftaktveranstaltung findet am 18. Mai im Sendesaal des WDR-Funkhauses statt.

Sally Perel

Seine verfilmte Lebensgeschichte hat dem bescheidenen Sally Perel eine große Aufmerksamkeit beschert. Dabei konnte der heute 92-jährige über Jahrzehnte lang seine Kindheits- und Jugenderlebnisse nicht schildern.

Erst mit 70 Jahren beschloss er, seine Erfahrungen als Jude unter Nazis in der Wehrmacht und der Kaderschmiede der Hitlerjugend in Braunschweig der Nachwelt zu erzählen. Als Mahnung gegen Totalitarismus und gegen Verführung durch Ideologien. Zugleich als Zeichen für Humanismus und Menschenliebe, die den Menschen Sally Perel ausmachen.

Dr. Rolf Westheider

Am Mittwoch, 15. Mai, referiert Dr. Rolf Westheider über ein düsteres Kapitel Versmolder Lokalgeschichte. Ab 20 Uhr beleuchtet der Historiker und Stadtarchivar in der Buchhandlung Krüger, Münsterstraße 15 a, das Thema »Fake News« anno 1900 in Versmold.

Es geht dabei um Ritualmordgerüchte als antisemitische Propaganda, wie sie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hier im Zusammenhang mit dem damals geplanten Bau der Synagoge an der Mittelstraße kursierten. Westheider zeigt auf, wie sich diese vornehmlich von der durch den Ravensberger Pietismus geprägten evangelischen Kirche entstandenen Gerüchte auch über die Presse zu einer Form moderner Fake-News-Propaganda verdichteten.

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