1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Versmold
  6. >
  7. Versmold: Steigende Preise bereiten Schaustellern große Sorgen

  8. >

Klaus Rasch sehnt Auftakt in Kirmessaison mit „Halle blüht auf“ herbei – Personal fehlt

Steigende Preise bereiten Schaustellern große Sorgen

Versmold/Halle

Die Pandemie mit ihren vielen abgesagten Veranstaltungen war eine schwere Zeit für die Schausteller-Familie Rasch aus Versmold. Mit der Frühjahrskirmes in Halle könnte es jetzt wieder richtig losgehen. Doch die Schausteller plagen Sorgen.

Von Klaus Münstermann

Klaus Rasch, Schwiegertochter Charlene mit Tochter Payten, Sohn Patrick und dessen Neffe Jessy sind froh, wenn die Kirmessaison Ende März mit „Halle blüht auf“ beginnt. Die Oesterweger Schaustellerfamilie betreibt das Fahrgeschäft „Musik-Shop“, ein Kinderkarussell, einen Crêpes-Wagen und zwei Automatenwagen. Foto: Klaus Münstermann

Der traditionelle Auftakt in die ostwestfälische Kirmessaison in Versmold ist Anfang März das zweite Jahr in Folge wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Die für dieses Wochenende geplante Steinhagener Frühjahrskirmes wurde ebenfalls abgesagt. Und so freut sich Schausteller Klaus Rasch (64) um so mehr, dass er seinen Musik-Shop bei „Halle blüht auf“ vom 25. bis 27. März endlich wieder rollen lassen kann. „Die Leute wollen raus und sind regelrecht ausgehungert nach Kirmesvergnügen“, sagt Rasch, der den Schaustellerbetrieb in fünfter Generation führt.

Gemeinsam mit seinen Söhnen Patrick und Rene betreibt Klaus Rasch das Fahrgeschäft „Musikshop“ – Nachfolger der früheren Raupe – ein Kinderkarussell, zwei Automatenwagen und einen erst vor einem Jahr für 100.000 Euro angeschafften Crêpes-Wagen. Drei Familien mit insgesamt neun Personen bestreiten so ihren Lebensunterhalt im Versmolder Ortsteil Oesterweg. „Und das war seit März 2020 nicht so einfach. Auch wenn wir Überbrückungshilfe erhalten haben, musste viel von unserem Ersparten herhalten“, sagt Rasch.

Klaus Rasch (links) und Sohn Patrick versichern: „Unsere Karussells sind in einem absoluten Top-Zustand.“ Foto: Klaus Münstermann

Vor Corona waren sie jährlich auf etwa 30 Veranstaltungen unterwegs. „Im Jahr 2021 waren es nur sieben“, bedauert Rasch. Während der vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebte Musik-Shop wenigstens sechsmal zum Einsatz kam, wurde das Kinderkarussell nur einmal aufgebaut. „Wir waren zufrieden, dass wir zum Überleben überhaupt etwas machen konnten. Aber diese eingezäunten Parkveranstaltungen wie etwa der Linnenpark in Warendorf haben natürlich mit einer normalen Kirmes nicht viel gemeinsam“, sagt Rasch.

Den 64-Jährigen, der zweiter Vorsitzender des Schaustellervereins Bielefeld ist, treiben vor der ersten Kirmes des Jahres zwei Dinge um: explodierende Kraftstoff- und Energiepreise sowie fehlende Mitarbeiter.

Erhöhung der Ticketpreise erscheint unausweichlich

Seit 2018 kostet eine Fahrt im Musik-Shop 3,50 Euro und im Kinderkarussell 2,50 Euro. Vielfahrer erhalten Rabatt. „Wir haben uns eigentlich fest vorgenommen, die Fahrpreise nicht zu erhöhen. Aber wahrscheinlich wird uns nichts anderes übrig bleiben“, erklärt Klaus Rasch, der aber noch keine endgültige Entscheidung gefällt hat: „Wenn die Leute sich eine Fahrt nicht mehr leisten können, bleibt das Karussell leer. Das hilft uns dann auch nicht.“

Rasch rechnet exemplarisch vor: „Wenn wir mit unseren fünf Zugmaschinen und Wohnwagen zum Kram- und Viehmarkt nach Wolfhagen im Landkreis Kassel fahren, haben wir bei unserer Ankunft allein fürs Tanken 1000 Euro ausgegeben. Dann haben wir noch keinen Euro eingenommen.“ Und dieses Beispiel stammt aus einer Zeit bevor die Spritpreise explodierten.

Schausteller-Familie sucht dringend Personal

Sollte „Halle blüht auf“ der Auftakt in eine halbwegs normale Kirmessaison werden, braucht Rasch dringend Personal. „Wir haben noch nicht einen Mann eingestellt“, so Rasch. In den Jahren vor Corona waren es zumeist Rumänen oder Polen, die von Ende Februar bis Ende November mit den Familien Rasch durch die Gegend reisten. „Wir würden auch deutsche Mitarbeiter einstellen. Aber wir sind nun mal ein Saisonbetrieb mit viel Wochenendarbeit und nur drei Wochen Sommerpause. Das schreckt einige ab“, sagt Rasch, der auf den deutschen Schaustellerverband setzt. „Auf höherer Ebene wird an einer Lösung der Personalrekrutierung gearbeitet. Das betrifft ja schließlich nicht nur uns, sondern viele andere Schausteller auch“, so Rasch.

Im Jahr 2021 haben er und seine Söhne zum Glück einige Freunde und Bekannte überzeugen können, bei den wenigen Veranstaltungen mit anzupacken. „In der heutigen Zeit kannst du so einen Schaustellerbetrieb nur mit der ganzen Familie stemmen“, sagt Rasch und betont: „Das ist nicht unser Hobby, das ist unser Leben. Deshalb waren die zurück liegenden zwei Jahre wirklich sehr schwer für uns. Wir möchten ab Ende März einfach wieder von A nach B fahren und ohne Auflagen unsere Karussells betreiben können.“

Startseite
ANZEIGE