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Fleischwarenhersteller The Family Butchers erhöht Qualitätsstandards – Unterstützung aus Preußisch Oldendorf

Tierwohl und Regionalität sind gefragt

Preußisch Oldendo...

Es ist eine Tatsache, die Firmenchef Hans-Ewald Reinert gerne stolz herausstellt: Der Wursthersteller The Family Butchers (früher Reinert) aus Versmold hat nach eigenen Angaben im Jahr 2018 die erste Wurstlinie in Deutschland auf den Markt gebracht, in der Schweinefleisch aus 100 Prozent antibiotikafreier Aufzucht verwendet wird. Jetzt erweitert das Unternehmen sein Konzept mit dem Namen „Herzenssache“ und hebt die Qualitätsstandards deutlich an – unter anderem mit tatkräftiger Unterstützung aus Preußisch Oldendorf.

Stefan Lind

Pressekonferenz im umgebauten Schweinestall in Preußisch Oldendorf: (von rechts) Moderator Uwe Kohrs, Firmenchef Hans-Ewald Reinert, Niko Brand, Leiter des Schlachthofes in Lohne und Landwirt Torsten Lange. Foto: Stefan Lind

Denn dort, genauer gesagt auf dem Hof des Landwirts Torsten Lange, fand am Dienstag eine Pressekonferenz statt, in der – live im Stream mitzuerleben – erklärt wurde, was es mit dem Projekt „Herzenssache 2.0“ auf sich hat. Hans-Ewald Reinert fasste die beiden wichtigsten Punkte so zusammen: „Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region und mehr Tierwohl durch Offenstall-Haltung.“

Sieben Landwirte aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, darunter Torsten Lange, arbeiten der Firma Reinert zu, die eigens zu diesem Zweck eine „Genuss-Genossenschaft“ gegründet hat. Sie garantiert, das gesamte Schwein abzunehmen, dazu noch zu einem etwa 50 Prozent höheren Preis als üblich. „Das gibt den Landwirten mehr Sicherheit“, betonte Reinert. Das Programm sei zunächst auf drei Jahre angelegt. Natürlich seien die Produkte, die in den Handel kämen, auch etwas teurer, „aber Qualität hat ihren Preis“, und diese Erkenntnis setze sich mehr und mehr bei den Verbrauchern durch, wie Studien ergeben hätten.

Das Tierwohl rücke in der öffentlichen Diskussion immer mehr in den Vordergrund, erklärte Reinert. Deshalb propagiere man die Offenstall-Haltung, die viele Vorteile biete. Das ist ein Konzept, das Torsten Lange uneingeschränkt unterstützt. Er ist gelernter Agrarbetriebswirt und Landwirt in der vierten Generation. Auf seinem Hof tummeln sich regelmäßig um die 1100 Schweine.

Das Umdenken, was die Tierhaltung angehe, habe 2015 bei ihm begonnen, erklärte Lange im Rahmen des Pressegesprächs: „Ich war unzufrieden mit den begrenzten Möglichkeiten und meinem eigenen Wissen.“ Erst nach und nach habe er verstanden, wie wichtig es sei, sich intensiv um die Tiere und ihr Verhalten zu kümmern, und dass es durchaus möglich sei, eine antibiotikafreie Aufzucht in die Tat umzusetzen. Eine kleine Einschränkung musste Hans-Ewald Reinert allerdings erwähnen: „Wenn tatsächlich Tiere erkranken, sind Antibiotika manchmal unumgänglich. Betroffen sind aber weniger als zehn Prozent.“ Diese Schweine würden dann auf anderen Wegen konventionell vermarktet. Auch die Schlachtung ist unter regionalen Gesichtspunkten organisiert. Sie geschieht bei der Firma Brand in Lohne, einem Familienbetrieb im Landkreis Vechta. Kein Tier sei länger als vier Stunden zum Schlachthof unterwegs, betonte Reinert.

Im „Herzenssache“-Sortiment finden sich derzeit acht Produkte, vom Kochschinken bis zur Bratwurst, es sollen aber im Laufe der Zeit deutlich mehr werden. Reinert betonte, man wolle in Deutschland flächendeckend in den Lebensmitteleinzelhandel kommen, vielerorts sei das schon geschehen, wenn auch nicht immer mit der kompletten Auswahl. Das Bio-Siegel werde nicht angestrebt, erklärte Hans-Ewald Reinert auf Nachfrage: „Herzenssache ist eine eigene Marke mit eigenen Parametern.“

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