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Prägender Baum aus dem Wertheraner Stadtbild verschwunden – mit Video

160 Jahre alte Linde ist zersägt

Werther (WB). Das Fällen von alten Bäumen ist gelegentlich ein sehr emotionales wie heikles Thema, denn viele Menschen sind gegen Fällungen eingestellt. In Werther war das am Samstagvormittag an der Ravensberger Straße anders.

Gabriele Grund

Mit schwerem Gerät ist die große Krone der alten Linde an der Ravensberger auseinander gesägt worden. Am Boden wurden die großen Holzmengen transportfähig zerkleinert. Foto: Gabriele Grund

Dort befürworteten die meisten vom WB befragten Bürger das in den frühen Morgenstunden begonnene Abholzen einer mehr als 160 Jahre alten und rund 25 Meter hohen Linde vor dem denkmalgeschützten Ackerbürgerhaus an der Ravensberger Straße 34. Zwar wurde hier und da etwas Wehmut laut. Doch das Verständnis überwog, denn Sachverständige hatten schon vor etlichen Jahren festgestellt, dass der markante Baum unter massivem Pilzbefall litt. Trotz verschiedener Rettungsmaßnahmen war eine Fällung des Problembaums unausweichlich geworden, weil laut Baumgutachten seine Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war.

Kaufmann pflanzte wohl im 19. Jahrhundert die Linde

Mindestens 160 Jahre hat die Linde dort an der Ravensberger Straße gestanden, dort das Stadtbild aber auch das Leben von Bürgern bereichert. Vermutlich war sie vom Kaufmann F. H. Lücker gepflanzt worden, der den Fachwerkbau 1816 erworben hatte. Der al Baum diente insoweit als Tankstelle für Klimaschutz und Seelenfrieden. Der Baum trotzte allen Wetterlagen und galt als aufrecht stehende Bildikone. Am Samstag war damit Schluss. Michael von Hoff vom gleichnamigen Forstbetrieb und seine Mitarbeiter machten dem Baum neben dem Modehaus Sudfeld ein Ende, eine herausfordernde Angelegenheit.

Um den Baum fachmännisch und mit größtmöglicher Achtsamkeit und Sorgfalt von der Krone aus, Stück für Stück, absägen zu können, wurde der Bereich rund um die Ravensberger Straße 34 komplett gesperrt. Dennoch waren die Arbeiten eine große Herausforderung. Denn der riesige Baum stand mittig zwischen drei, zum Teil denkmalgeschützten Häusern. Zudem bildeten sich auf der Straßenseite gegenüber immer wieder Zuschauergruppen, die die Arbeiten mitverfolgten.

Hausbesitzer lobt die professionelle Arbeit

Mittels Schwerlastkran und Hubsteiger wurden zunächst die leichteren Äste, später die tonnenschweren, durch Schwerlastgurte gesicherte Stämme, abgesägt und sanft zu Boden gelassen. Mitarbeiter des Von-Hoff-Teams machten binnen weniger Minuten Kleinholz daraus. »Jeder von denen ist wirklich professionell und schnell. Die machen das echt super, wenn man bedenkt, dass sie einen nur sehr engen Arbeitsbereich haben«, lobt nicht nur Harmut Babbel (74) als Inhaber der Immobilie Ravensberger Straße 34 und damit Baumbesitzer.

Auch Auswärtige verfolgten das Geschehen mit Spannung wie Wilfried Dorn aus Köln. Der 54-jährige Biologe und Baumexperte besuchte eine befreundete Familie in Werther und wurde eher zufällig auf die Arbeiten aufmerksam.

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