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Der Bürgerbus-Verein Werther will bald wieder den gewohnten Fahrplan aufnehmen – nur die Linie zum Museum muss noch pausieren

Ab 1. März wieder ganztägig unterwegs

Werther

„Die ungewollt Langhaarigen werden es uns danken“, sagt Heinz Deppermann mit einem Augenzwinkern. Und spielt damit auf den 1. März an. Von diesem Tag an verkehrt der Bürgerbus Werther wieder nach seinem normalen ganztägigen Fahrplan – und hat dann ja vielleicht auch so manchen Fahrgast an Bord, der auf dem Weg zum Friseur ist.

Volker Hagemann

Heinz Deppermann (links) und Willy Caspers fahren den Bürgerbus bald wieder öfter – und das nicht nur, weil die Friseure dann wieder öffnen dürfen... Foto: Volker Hagemann

Dass die Friseure vom 1. März an wieder öffnen, sei natürlich nicht der ursächliche Grund für die Wiederaufnahme des üblichen Fahrplans, stellt der Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins klar. Zu den derzeit nur vormittags stattfindenden Fahrten dann auch wieder die Nachmittags-Touren wiederaufzunehmen, sei vielmehr kürzlich im Vorstand beschlossen worden. Nur die Linie zum Böckstiegel-Museum muss noch pausieren.

„Werther hat bei den Corona-Zahlen glücklicherweise seit einiger Zeit eine recht niedrige Sieben-Tage-Inzidenz. Daher wollen wir vorsichtig wieder unsere Fahrten steigern. Wir haben vermehrt Anfragen, wann wir wieder nachmittags fahren“, erläutert Heinz Deppermann. Am Mittwoch lag Werthers Sieben-Tage-Inzidenz bei 17,6 – zweitniedrigste im Kreis Gütersloh.

Deutlich weniger Fahrgäste

Auch der Bürgerbus und seine vielen ehrenamtlichen Mitstreiter haben sich bislang wacker durch die Corona-Pandemie gekämpft. Die Plexiglasscheibe zwischen Fahrer und Fahrgästen in dem Mercedes Sprinter sowie das verpflichtende Masketragen haben sich schon seit vielen Monaten bewährt, außerdem sind im Fahrzeug drei der sonst acht Fahrgastplätze gesperrt, um ausreichend Abstand zu ermöglichen. „Die reduzierte Personenzahl war nie ein Problem, wir mussten deswegen noch nie jemanden an der Haltestelle stehen lassen“, sagt auch Willy Caspers, der zum aktuell 25-köpfigen Team der ehrenamtlichen Fahrer zählt.

Denn – leider ist auch das eine Tatsache – derzeit wird der Bürgerbus zwar weiterhin regelmäßig genutzt, aber eben auch nur mit einem Bruchteil der sonst üblichen Zahlen: So fuhren beispielsweise im Januar 2020 noch 1202 Fahrgäste mit. Zum Vergleich: „Im Januar 2021 stiegen gerade einmal 187 Fahrgäste zu“, berichtet Heinz Deppermann. Die Gründe seien vielschichtig: „Viele Berufspendler haben Kurzarbeit oder arbeiten im Home-Office und sind daher derzeit nicht auf den Bürgerbus angewiesen. Ebenso fallen derzeit die vielen Schüler weg, solange sie keinen Präsenzunterricht haben.“

Vier weitere Fahrer im Team

Da sei es zumindest tröstlich, dass es im Fahrer-Team bislang keine coronabedingten Einschränkungen oder gar Erkrankungen gebe, berichten Heinz Deppermann und Willy Caspers. Ganz im Gegenteil: Erst kürzlich habe man vier neue ehrenamtliche Fahrer engagieren können und das Team so auf 25 vergrößert. Dem Verein insgesamt gehören inzwischen 88 Mitglieder an. Die ungewohnten Schneemengen der vergangenen Woche hätten zwar auch den Bürgerbus drei Tage lang zwangsweise lahm gelegt, „es hat sich aber zum Glück auch niemand bei uns darüber beschwert“, berichten die beiden Ehrenamtler.

Sie sind froh, dass das Angebot weiter aufrecht erhalten werden kann. Dank der Ehrenamtlichen, der Mitgliedsbeiträge und Werbeeinnahmen und dank der Vereinspauschale des Landes Nordrhein-Westfalen. Bis auf weiteres abgesagt sind allerdings coronabedingt die monatlichen Teamtreffen. „Die vermissen wir alle, schließlich ist der Austausch wichtig, um Erfahrungen und Wünsche der Fahrgäste und der Fahrer auszutauschen“, findet Willy Caspers. Immerhin online gebe es aber zumindest die monatlichen Vorstandszusammenkünfte, und auch die Dienstpläne erstellt Dietmar Krüger weiterhin problemlos nach telefonischer Rücksprache mit den Fahrern.

Stichwort Wünsche: Vor fast genau einem Jahr wurde die neue Bürgerbus-Linie vom Busbahnhof zum Böckstiegel-Museum in Betrieb genommen. „Die wird bislang sehr wenig genutzt. So lange das Museum geschlossen bleiben muss, fahren wir sie erst einmal gar nicht – leider. Denn das Aufkommen hängt sehr an den Besuchern des Böckstiegel-Museums: Mehrere Lockdown-Phasen machen es dem Museum nicht gerade leicht, und viele Nutzer wünschen sich nach wie vor Wochenendfahrten speziell auf dieser Linie“, berichtet Heinz Deppermann. Man wolle demnächst noch einmal mit der Stadt und dem Museum über etwas mehr Reklame für die Linie beraten.

Fahrkarten gibt‘s auch direkt im Bus

Wo gibt es Fahrkarten – für den Bürgerbus und das gesamte Liniennetz der Region? Im Bürgerbus gilt, wie in ganz Ostwestfalen Lippe, der Westfalen-Tarif. Mit einem Ticket können die Fahrgäste Züge, Busse und Stadtbahnen für die gesamte Fahrstrecke nutzen. Anfahrt und Weiterfahrt mit dem Bürgerbus zu allen Haltestellen der Linie 160 erfolgen ohne Mehrpreis.

Wie berichtet, stellt die Buchhandlung „Lesezeichen“ Ende Februar ihren Fahrkartenverkauf ein. „Aber es gibt alle Tickets bei uns im Bürgerbus – und auch in allen anderen Bussen“, erinnert Heinz Deppermann. Wie auch viele Fahrgäste wünschen er und seine Mitstreiter sich zudem einen Fahrkartenautomaten auf dem Wertheraner Busbahnhof. „Der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe sträubt sich dagegen mit dem Argument der Vandalismus-Gefahr.“

Die Fahrer bitten um Verständnis, dass im umfangreichen Tarif-Dschungel manche Auskunft zu besonderen Fahrkarten auch mal etwas länger dauern kann, wenn sie die Ehrenamtlichen teilweise erst nachschlagen müssen.

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