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Dr. Frank Beier berichtet am 4. November in Werther von seinem ärztlichen Engagement

Afrika seit 36 Jahren eng verbunden

Werther (WB). Im Notfall schnell zur professionellen Behandlung ins nahegelegene Krankenhaus gebracht zu werden – ganz so einfach ist das längst nicht überall auf der Welt. In Ndolage in Tansania baut man auch auf Unterstützung aus Werther.

Volker Hagemann

Blick in das Familien-Fotoalbum: Mehr als fünf Jahre lang lebte Familie Beier bis 2007 in Nordwest-Tansania ganz in der Nähe des Krankenhauses. Dieses Bild zeigt sie im Jahr 2006 vor ihrem Haus in Ndolage. Foto:

Die freundschaftliche Verbindung zwischen Werther und dem Krankenhaus in Ndolage währt mittlerweile schon 36 Jahre. Initiator und bis heute treibende Kraft ist Dr. Frank Beier. Von seinem Antrieb, seinem Engagement und von der aktuellen Entwicklung am Krankenhaus in Ndolage berichtet Beier am Montag, 4. November, 15 Uhr, beim Kamingespräch im Haus Tiefenstraße.

Als Medizinstudent nach Tansania

Als Medizinstudent kam Frank Beier 1983 von Bochum nach Tansania. »Ich hatte mich schon damals für Projekte in den ärmsten Regionen der Welt interessiert. Und die Bewerbung für ein Praktikum am Krankenhaus in Ndolage war erfolgreich«, erinnert er sich. Das Krankenhaus in der Nähe des Viktoria-Sees wurde 1928 von Missionaren der damaligen Bethel-Mission gegründet, heute wird es von der Evangelisch-lutherischen Kirche Tansanias getragen.

Zur vielfältigen Versorgung der Patienten kam in den 80er Jahren zusätzlich die AIDS-Problematik, eine bis dahin unbekannte unheilbare Erkrankung. 19 Jahre später – Beier war inzwischen Oberarzt in der Chirurgie in Herdecke – entschloss sich die Familie, für eine längere Zeit komplett nach Tansania zu ziehen. In dem 220-Betten-Krankenhaus in Ndolage übernahm Dr. Frank Beier die Leitung der Chirurgie. Parallel dazu engagiert er sich bis heute im Freundeskreis Ndolage, der Spenden für das Krankenhaus sammelt und vor Ort zielgenau einsetzt.

Kleinkinder, werdende Mütter und AIDS im Fokus

»Lag anfangs ein Schwerpunkt vor allem auf der Behandlung von Kleinkindern, hatten wir später zum Glück auch die finanziellen Mittel, die Versorgung von Schwangeren zu verbessern«, erinnert sich Beier. Die Versorgung von AIDS-Patienten sei weiterhin ein Thema. Grundsätzlich sei in jener Region eine medizinische Versorgung Mangelware: »Knapp 40 Ärzte stehen für zwei Millionen Einwohner zur Verfügung«, erklärt er. Da sei jeder Euro, jeder Cent wichtig, betont Dr. Frank Beier und nennt Zahlen: »Im vergangenen Jahr konnten wir 1981 Menschen eine Behandlung ermöglichen. 474 werdende Mütter konnten im sicheren Umfeld des Krankenhauses ihr Kind zur Welt bringen.«

Äußerst hilfreich sei zuletzt eine Spende in Form einer Erbschaft gewesen – in Höhe von 100.000 Euro. Ein Segen für das Krankenhaus, das ansonsten den Eigenanteil für die Patienten hätte weiter erhöhen müssen. »Das können sich dann viele nicht leisten und kommen trotz dringend erforderlicher Behandlung gar nicht erst ins Krankenhaus...«, so Beier.

Als Ehefrau Silke für 2007 die Zusage für ihre Pastorenstelle erhielt, zog die Familie nach Werther. Dr. Frank Beier arbeitet heute als Viszeralchirurg am Christlichen Klinikum Melle. Die enge Verbindung nach Ndolage bleibt indes. Schon jetzt wirbt die Familie für die Unterstützung der Sternsingeraktion im Januar 2020; deren Erlös kommt dem Krankenhaus in Ndolage zugute.

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