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Die Sanierung des Hochbehälters an der Egge in Werther erfolgt unter schwierigsten Umständen.

„Alles per Hand glattgezogen“

Werther (WB). Mit einem fotografischen Sachstandsbericht hat der technische Leiter des Wasserwerks, Volker Kahmann, die Mitglieder der Betriebsausschusses über den Fortschritt der Sanierungsarbeiten am Hochbehälter Egge informiert. Seit Januar sind hier drei bis vier Fachkräfte unter sehr beengten Verhältnissen im Einsatz. Die Wiederinbetriebnahme ist weiterhin für Ende Juli geplant.

Johannes Gerhards

Der Hochbehälter an der Egge ist 60 Jahre nach seiner Errichtung ein Sanierungsfall: Seit Januar laufen die Arbeiten, der Fertigstellungstermin und die Wiederinbetriebnahme Ende Juli können wohl gehalten werden. Foto: Margit Brand

Anhand zahlreicher unter schwierigen Lichtverhältnissen aufgenommener Fotos dokumentiert Kahmann zunächst den Zustand des 1960 errichteten Bauwerkes vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen. Die runde Innenkammer mit einem Fassungsvermögen von 150 Kubikmetern und der 450 Kubikmeter Wasser fassende Außenring waren nur über die sogenannte »Hühnerleiter« zu betreten. Auch die Arbeiten an den Installationen im 1,60 Meter hohen Kriechkeller erwiesen sich nicht nur wegen der 80 mal 80 Zentimeter großen Zugangsluke als extrem schwierig.

Unter Einsatz von Manneskraft und Eimern

An vielen Stellen zeigten sich Eisen, Mangan- und Kalkablagerungen, die Lüftung war nur unzureichend vor Pollen und Luftstaub geschützt, an der Decke konnte sich Kondenswasser bilden und so auf längere Sicht die Entstehung eines Verkeimungsfilms ermöglichen. Nach entsprechender Reinigung kamen zudem Schäden an der Bodenplatte zum Vorschein.

Mit Bohrhämmern mussten zunächst unter dem Einsatz von »Manneskraft und Eimern« die Ablagerungen auf 375 Quadratmetern Wandfläche und zusätzlichen 150 Quadratmetern an Decke und Boden abgeklopft und heraus transportiert werden. Eine neue Drucktür aus Edelstahl ersetzt die Leiter. Entsprechende Öffnungen stellen das Prinzip der kommunizierenden Röhren wieder her.

Nach dem Sandstrahlen wurde alles mit einer wasserdichten Spezialmischung auf Zementbasis neu verputzt. Die Zuleitungen und der Boden wurden erneuert, die Decke erhielt eine spritzrauhe Struktur, die entstehendes Kondenswasser umgehend abtropfen lässt und eine Verkeimung dauerhaft verhindert. »Im Rundbehälter lief nichts maschinell, alles musste per Hand porenlos komplett glatt gezogen werden«, so beschreibt Volker Kahmann die anspruchsvollen Arbeiten der Verputzer.

Sulfatgehalt etwas über dem Grenzwert

Die nächsten großen Schritte sind nach seinen Angaben Verrohrungs- und Schlosserarbeiten, bevor Ende Juli nach Desinfektion und Erprobung die Wiederinbetriebnahme des Hochbehälters erfolgen soll. Von den im Mai 2019 angesetzten Gesamtkosten in Höhe von 395.000 Euro seien aktuell rund 300.000 Euro verbaut, berichtet Wasserwerksbetriebsleiter Rainer Demoliner. Vertreter des Kreises Gütersloh haben die Arbeiten nach seinen Angaben aufmerksam beobachtet und erhalten regelmäßig Informationen über den Fortschritt der Sanierungsmaßnahmen.

In Bezug auf die regelmäßigen Messungen des Sulfatgehalts sei dagegen noch kein Bescheid des Kreises eingegangen. Bekanntlich liegt laut Fachbereichsleiter Jens Kreiensiek der Sulfatanteil des Trinkwassers in Werther »etwas über dem Grenzwert«. Zukünftig sollen die Messungen beim Zulauf in den Hochbehälter erfolgen. So sei auch der Gehalt in Bezug auf die jeweiligen Zulieferbrunnen nachvollbar.

In diesem Zusammenhang hat Kreiensiek auf die unabhängige Anlaufstelle für Bürgeranfragen zum städtischen Trinkwassers hingewiesen. Bisher haben sechs Bewohner per E-Mail unter WWWerther@bgu-geoservice.de oder unter der Telefonnummer 0151/12150939 davon Gebrauch gemacht. »Da hätte ich mehr erwartet«, so Kreiensieks Kommentar.

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