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Familie Schneiker-Bekel züchtet historische Schaf-Rassen, die es heute schwer haben

Alter Preuße bekommt neue Chance

Halle-Ascheloh (WB). Das Schaf zählt zu den ältesten Haus-und Nutztieren des Menschen. Jahrhunderte lang versorgte es die Bevölkerung mit Milch, Fleisch und Wolle. Doch gerade der Preisverfall bei der Wollproduktion sorgte dafür, dass die Tiere immer öfter von den hiesigen Weiden und Wiesen verschwanden.

Malte Krammenschneider

Der Biolandhof Schneiker-Bekel in Ascheloh ist ein Naturidyll. Er bot am vergangenen Wochenende Schafe zum anfassen: Hier hat Paul Knapp sichtlich Spaß daran, den kräftigen Schafbock mit Futter zu versorgen. Foto: Malte Krammenschneider

Eine Entwicklung, der der Biolandhof Schneiker-Bekel aus Ascheloh seit vier Jahren mit der Zucht von alten Rasse-Schafen entgegentritt. Inzwischen sind es rund 80 Tiere, die auf den hügeligen Ascheloher Wiesen grasen.

»Wir haben 2013 mit fünf Mutterschafen, drei Auenlämmern und einem Waldschaf-Bock angefangen. Ziel ist es, dazu beizutragen, dass die historischen Rassen nicht aussterben«, erklärt Landwirtin Susanne Schneiker-Bekel, die den seit drei Generationen betriebenen Hof mit ihrem Mann Thomas Bekel 2012 übernahm und schrittweise in einen Biobetrieb umwandelte. Bei der kleinen Herde Waldschafe sollte es allerdings nicht lange bleiben, denn schon 2014 wurde die Schafhaltung um einige Tiere der Rassen Skudden und Rauhwolliges Pommersches Landschaf erweitert.

Bei den Skudden, die auch als alte preußische Landschafe bezeichnet werden, handelt es sich um robuste kleine Schafe, denen eine gewisse Wehrhaftigkeit nachgesagt wird. Dabei stechen besonders die mit einem beeindruckenden Gehörn ausgestatteten Böcke heraus, die laut Thomas Bekel auch schon zur Abwehr von Greifvögeln eingesetzt wurden, die es auf die Lämmer der Herden abgesehen hatten.

Das Waldschaf fühlt sich in rauem Klima wohl

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf ist derweil ein eher ruhiges Tier und vor allem für seine äußerst haltbare Wolle bekannt, die unter anderem zur Herstellung von wind- und wasserabweisenden Textilien verwendet wird. Aufgrund seiner vergleichsweise kleinen Größe wurde diese Rasse in der Vergangenheit jedoch zunehmend von leistungsstärkeren Rassen verdrängt. Derzeit werden aber vermehrt größere Herden gezüchtet, die vor allem in der Landschaftspflege zum Einsatz kommen. Für diese Arbeit sind aber auch Waldschafe geeignet, denn sie fühlen sich in einem rauen Klima wohl und sind eine der gebärfreudigsten Rassen überhaupt, die oft zwei Mal im Jahr Lämmer zur Welt bringen.

Durch ihre Robustheit können die Schafe nahezu das gesamte Jahr draußen verbringen und bekommen laut Thomas Bekel ausschließlich »Grundfutter«. Das bedeutet Gras auf der Weide oder Heu und Silage, falls die Vierbeiner dann doch einmal in den Stall müssen. Gerade diese natürliche Ernährung sorgt dafür, dass die Tiere vergleichsweise langsam zunehmen, weshalb das Fleisch auch als besonders delikat gilt.

Sie züchten jetzt auch Bienen

Die Besucher konnten aber nicht nur Schafe bestaunen, sie füttern und auf Tuchfühlung gehen. Seit kurzem widmet sich der Biohof auch der Bienenzucht. »Die vier Ableger-Völkchen sollen den Grundstock unserer Bienenzucht bilden«, erklärte Gastgeber Thomas Bekel, der 2014 zudem zwei große Streuobstwiesen angelegt hat, die bereits erste Früchte tragen. Dazu tragen letztlich auch die Schafe bei, denn sie halten die Wiese kurz und betreiben somit vorbildliche Landschaftspflege.

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