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»Wir für uns«: Senioren in Werther knüpfen ein Netzwerk für alle Lebenslagen

Anders altern

Werther (WB). So oft ist irgendetwas. Gut, wenn dann jemand unter die Arme greift. Das wissen schon junge Leute, aber mit steigendem Alter wird das zunehmend wichtig. Dr. Irene von Below und Lilo Anwander sind angetreten, ein solches Netzwerk zu knüpfen. Jeder kann sich einklinken.

Margit Brand

Dr. Irene von Below (links) und Lilo Anwander werben für das Netzwerk »Wir für uns – anders altern«, das auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens auf Augenhöhe beruht. Beim »Goldenen Oktober« wird das Netzwerk sich in der Stadt präsentieren. Foto: Margit Brand

»Wir für uns – anders altern« heißt die Idee, die von Bielefeld aus herüber getragen wurde. Dort begannen Freunde von Irene von Below (75) vor drei Jahren, Selbsthilfe von Älteren für Ältere zu organisieren. Knapp zwei Dutzend Menschen in Werther machen bereits mit, es gibt auch Verbindungen nach Bielefeld.

Geben und Nehmen

Der eine kann eine Fahrt zum Doktor übernehmen, dafür hilft der andere, wenn der Computer streikt oder der Gartenzaun gestrichen werden muss. Das Prinzip von Geben und Nehmen auf Augenhöhe steckt dahinter. Das funktioniert im eigenen Bekanntenkreis womöglich auch. »Der Vorteil im Netzwerk ist: Man leichter auch mal Nein sagen«, findet Irene von Below. Der Wunsch nach Selbstbestimmtheit spiegelt sich auch hier wider.

Dass in diesem Miteinander womöglich »trotzdem« Freundschaften geschlossen werden, ist freilich nicht ausgeschlossen und ein angenehmer Nebeneffekt. Nicht umsonst werden regelmäßig gemeinsame Ausflüge angeboten. Zu Kunstausstellungen zum Beispiel, aber auch mal zu einem Fahrtraining. »Gemeinsam macht das schließlich mehr Spaß«, sagt Irene von Below. Soziale Kontakte im Alter zu fördern und/oder zu erhalten, ist dem Netzwerk wichtig.

Rückhalt finden

Es versteht sich als Anlaufstelle für all diejenigen, die manchmal das leise Gefühl beschleicht, wie es wohl wird, wenn plötzlich der Ehepartner nicht mehr da ist. Kinder und Enkel leben womöglich weit weg, Freunde sind auch nicht (mehr) greifbar, die Nachbarn fremd. Schon ein Sturz auf Glatteis kann da das wohlgeordnete Arrangement im Alltag durcheinander bringen.

Irene von Below und Lilo Anwander sind sehr rüstig. Was klassischerweise für Senioren angeboten wird, liegt ihnen nicht. Also sind sie selbst aktiv geworden, um »anders zu altern«. Die Gründung selbstverwalteter Initiativen ist zumindest Irene von Below nicht fremd – sie gehört zu den Mitbegründerinnen des »Bunten Sandkastens«; vor 30 Jahren schufen Eltern eine Kita, die ihren Anforderungen und pädagogischen Erwartungen entsprach.

Zeitkonto ist variabel

Nun geht es wieder darum, sich gegenseitig zu unterstützen. Ganz bewusst ist das Netzwerk kein Verein; der Mitgliedsbeitrag von zwölf Euro ist symbolhaft zu verstehen. Wohl aber gibt es gewisse Strukturen. Es wird ein Zeitkonto geführt (wenn auch nicht minutengenau abgerechnet), wer sich innerhalb der Initiative eingesetzt oder aber profitiert hat.

Und es gibt ein regelmäßiges Zusammenkommen. »Werther-Treff« ist immer am letzten Freitag im Monat von 18.45 bis 20.15 Uhr, abwechselnd auf dem Biohof Meyer zu Theenhausen und im »Famos«. Wer neugierig ist, kann hier unkompliziert vorbeischauen. Oder sich beim »Goldenen Oktober« informieren, bei dem das Netzwerk sich am verkaufsoffenen Sonntag präsentiert. Einen Überblick über die Aktivitäten gibt zudem die Homepage .

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