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Maria von Welser berichtet in Haus Werther über ihr Leben mit Hirntumor

Aufgeben ist keine Alternative

Werther (WB). »Über andere Menschen zu schreiben ist relativ einfach, denn die Geschichten liegen auf der Straße«, sagt die Publizistin und Journalistin Maria von Welser. In ihrem neuen Buch geht es dagegen um sie selbst und ihren Umgang mit einer Krankheit, die »erstmal nicht so lustig ist«: ein Hirntumor.

Johannes Gerhards

Über ihr Leben nach der Diagnose Hirntumor berichtete die Publizistin und Journalistin Maria von Welser im Rahmen einer Lesung in Haus Werther. Unter den Zuhörer sind selbst Betroffene, denen die 73-Jährige Mut macht. Fotos: Johannes Gerhards Foto:

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Mut tut gut« - Starke Frauen liest die erste Moderatorin der TV-Sendung »ML-Mona Lisa« aus ihrem Werk »Ich habe beschlossen, dass es mir nur noch gut geht«. Sie berichtet darüber, wie ihr Leben aussieht, seit vor zweieinhalb Jahren ein Meningeom diagnostiziert wurde. Der als gutartig bezeichnete Gehirntumor wurde bei einer fünfstündigen Operation zunächst zum großen Teil entfernt. Inzwischen muss sich Maria von Welser mit der beunruhigenden Nachricht des Neuwachstums auseinander setzen.

Der Tumor muss zurücktreten

Obwohl ein weiterer operativer Eingriff nicht in Frage kommt, ist Aufgeben keine Alternative für die seit 43 Jahren als engagierte Kämpferin für Frauen in aller Welt bekannte Journalistin. Sie beantwortet die Frage »Will ich mich auf meinen Tumor konzentrieren, wo ganz andere Krebsgeschwüre in unserem Land wuchern?« mit einem klaren Nein. Nicht zuletzt wolle sie anderen Betroffenen Mut machen, schließlich erkranken pro Jahr etwa 7.400 Menschen in Deutschland an einem Meningeom – 71 Prozent davon sind Frauen.

»Die Diagnose hat mich out of the blue – also aus heiterem Himmel - getroffen«, berichtet die inzwischen 73-Jährige. Außer ihrem Mann weiht sie niemand ein, als sie sich ins Krankenhaus begibt. Das kommt nicht bei allen gut an, aber »ich hatte einfach nicht die Kraft, es meinen Söhnen mitzuteilen«, betont Maria von Welser. Der ungünstig positionierte Tumor konnte nicht vollständig entfernt werden, weil der Operateur »mir für mein hoffentlich noch langes Leben ein Sehen mit Doppelbildern ersparen« wollte.

Sie kämpft auch für andere Patienten

Den Krankenhausaufenthalt beschreibt die Autorin auf Anraten ihrer Juroren, ohne allzu sehr ins Detail zu gehen. Sie möchte sich etwaige juristische Auseinandersetzungen ersparen. Dennoch stellt sie klar, dass wir in einem Land mit einem großartigen Gesundheitssystem und hervorragenden Fachleuten leben. Obwohl Maria von Welser immer noch an Schwindelanfällen beim Gehen leidet, versucht sie, ihr normales Leben mit Vortragsreisen und einem Lehrauftrag über Frauen, Krieg, Unrecht und Gewalt an der Universität Paderborn weiter zu führen.

Unterstützung bietet der Austausch mit Betroffenen in Online-Foren. Daneben stellt sie in ihrem Buch das Drinnen (in ihrem Kopf) dem Draußen (Geschehen in der Welt) gegenüber. Dem Schwindel begegnet sie ein Jahr nach ihrer Operation mit ungewöhnlichen sportlichen Aktivitäten wie Ski-Fahren. Derzeit experimentiert sie mit Cannabis-Tropfen, weil auch homöopathische Präparate keine Linderung brachten.

Gegen die Zweiklassenmedizin

Das Neuwachstum des Tumors konnte durch zielgerichtete Protonenbestrahlung an zwei Stellen unterbunden werden. »Diese Methode wird nicht von den Krankenkassen bezahlt – im Gegensatz zu der wesentlich billigeren, aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbundenen Photonenbestrahlung«, betont Maria von Welser, die im Übrigen gegen diese Form der Zweiklassenmedizin juristisch vorgeht. Es könne doch nicht sein, dass wirksame Behandlungsmethoden nur privilegierten Personen vorbehalten bleiben.

Im Anschluss an ihren Vortrag haben die etwa 30 Zuhörer in Haus Werther Gelegenheit zu persönlichen Fragen. Es stellt sich heraus, dass einige selbst betroffen sind und bei ihnen der Mut machende und empathische Aspekt sehr gut ankommt. »Für mich selbst war das Glas immer halb voll, dazu standen mein Mann und meine Enkeltochter stets an meiner Seite«, sagt Maria von Welser, bevor sie Signierungswünschen aus dem Publikum nachkommt.

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