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20 Jahre nach der Gründung steigt die EWG zum 1. März auch ins Gasgeschäft in Werther ein

Aus „Elektrizität“ wird „Energie“

Werther (WB)

Das E bekommt eine neue Bedeutung. 20 Jahre nach Gründung der Wertheraner Stadtwerke EWG wechselt der Name von Elektrizitäts- zu Energieversorgung Werther GmbH. Zum 1. März steigt das Unternehmen, das zu 51 Prozent von der Stadt Werther und zu 49 Prozent von den Stadtwerken Bielefeld gehalten wird, in die Gasversorgung ein.

Margit Brand

Bilden das Geschäftsführer-Duo des heimischen Energieversorgers EWG: Werthers Kämmerer Rainer Demoliner (links) und Volker Nau von den Stadtwerken Bielefeld. Foto: Stadtwerke Bielefeld

Das E bekommt eine neue Bedeutung. 20 Jahre nach Gründung der Wertheraner Stadtwerke EWG wechselt der Name von Elektrizitäts- zu Energieversorgung Werther GmbH. Zum 1. März steigt das Unternehmen, das zu 51 Prozent von der Stadt Werther und zu 49 Prozent von den Stadtwerken Bielefeld gehalten wird, in die Gasversorgung ein.

Als Werther im Frühjahr 2020 die Stromversorgung in der Stadt in eigene Hände und das Netz von der RWE übernahm, war das ein mutiger Schritt. Gerade war die EU-weite Liberalisierung der Energiemärkte in Kraft getreten, die die bis dato vorherrschenden Monopole beseitigte. „Die Grundidee war damals und ist es bis heute, Sicherheit in der Daseinsvorsorge zu schaffen“, sagt Geschäftsführer Volker Nau, der seitens der Stadtwerke Bielefeld von Anfang an dabei ist. „Neben Wasserver- und Abwasserentsorgung gehörte fortan auch die Stromlieferung dazu.“ Dass nun auch Gas hinzu genommen werde, führe diesen Gedanken weiter.

Denn nach 20 Jahren hat der Stadtrat unlängst beschlossen, die Konzessionsverträge für weitere zwei Jahrzehnte fortzuschreiben. Rainer Demoliner, Kämmerer der Stadt Werther und in dieser Funktion auch zweiter Geschäftsführer der EWG: „Theoretisch hätte man das Buch nach Ablauf der Frist auch zumachen und sich aus diesem Geschäft wieder zurückziehen können.“ Er mag nicht ausschließen, dass es zwischendurch sogar vielleicht dazu gekommen wäre, wenn dies möglich gewesen wäre. Der Energiemarkt ist schließlich kein einfacher. „Doch insgesamt lässt sich heute sagen, dass das die positiven Erfahrungen und Effekte klar überwiegen.“ Maßgeblich hierfür sei die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Bielefeld gewesen. Ein Indiz dafür: Entscheidungen im Aufsichtsrat seien immer ohne Gegenstimme gefällt worden.

Finanziell sei immer etwas im Stadtsäckel angekommen, sagt Demoliner. Doch das sei nicht entscheidend, wie auch Kollege Nau unterstreicht: „Es geht nicht darum, eine Kuh zu melken. Wir werden nie Preisführer sein, sind dafür lieber führend in Service und Kundennähe.“ Dass das EWG-Büro, das früher mal im Pavillon am Busbahnhof ansässig war, heute im Rathaus untergebracht ist, verstehen die Geschäftsführer als äußeres Zeichen der Firmenphilosophie: Alles aus einer Hand -- egal ob Müllmarke oder Tarifberatung.

Bei den Wertheranern kommt das an: Obwohl Vergleichsportale im Internet den Wechsel des Stromanbieters mit nur wenigen Klicks möglich machen, versorgt die EWG 75 Prozent der Haushalte in Werther. Bei den so wichtigen Großkunden ist es immerhin rund die Hälfte. „Dieser Markt ist besonders umkämpft“, weiß Volker Nau. „Wenn Verträge aus einer entfernten Konzernzentrale gesteuert werden, geht es knallhart nur um den Preis.“

Entsprechend herausfordernd ist die Geschäftsentwicklung. Die Änderungen im Regelwerk, das immer juristischer werde, seien kaum noch zu zählen. Die IT im Hintergrund ist nicht weniger komplex. „Alleine würde Werther so etwas gar nicht bewältigen können“, sagt Rainer Demoliner. Durch die „große Schwester“ Stadtwerke Bielefeld sei die richtige Expertise jedoch stets vorhanden. „Als Energieversorger befinden wir uns in einem Spannungsdreieck von Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz“, beschreibt Volker Nau und macht die Herausforderung zum Quadrat: „Akzeptanz ist ein weiterer wichtiger Punkt.“

Zum Beispiel beim Thema regenerative Energien. Die EWG hat beschlossen, selbst keine Windräder zu bauen. Sie hat sich stattdessen 2016 am Windpark Hasselbach (zwischen Bielefeld und Verl) beteiligt. Werther liege bei der Quote der „Erneuerbaren“ bereits über dem Bundesdurchschnitt dank der Biogasanlage Pahmeyer/Junge-Wentrup und den beiden Windrädern, sagte Nau. Ausgebaut werden solle der Anteil der Photovoltaik. Hier biete die EWG Pachtmodelle an. „Wir werden aktiv auf die Suche nach größeren Dachflächen gehen“, kündigte Nau an. Vorbild sei das Freibad, wo seit 2009 Sonnenstrom vom Dach geerntet wird.

Beim Thema Wasserstoff sieht er die Stadt eher „am Ende der Kette“ als in einer Vorreiterrolle. Diese Technologie sei noch nicht etabliert genug. Die EWG setzt zunächst auf den fossilen Brennstoff Erdgas. Nau: „Der hat sicherlich keine Ewigkeitsberechtigung, aber doch noch eine ziemlich lange.“ Entsprechend jetzt auch der Einstieg in der Vertrieb von Gas.

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