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Mischung aus Baustellenbesichtigung und Richtfest an der neuen Mobilstation in Werther

Aus ZOB wird MOB

Werther (WB). Stahlbauer Richard Rohlfing ist im Cadillac-Straßenkreuzer angereist. Derartige Gefährte werden wohl bei der künftigen Nutzung der neuen Mobilstation eher die Ausnahme bleiben. Sein launiger Redebeitrag setzt dennoch die humoristischen Akzente bei der offiziellen Baustellenbesichtigung, in die eine improvisierte Richtfest-Zeremonie eingebettet ist.

Johannes Gerhards

Nein, noch warten diese Menschen nicht auf den Bus. Bis die ersten abfahren, dauert es noch bis in den Januar hinein. Dass aus dem alten ZOB ein Platz mit hoher Aufenthaltsqualität geworden ist, darin waren sich alle Redner bei der Baustellenbesichtigung einig. Foto:

Gemeinsam mit Bürgermeisterin Marion Weike zerschmettert Rohlfing sein Schnapsglas, weil Scherben natürlich auch in diesem Falle Glück bringen sollen. Mehr als einhundert Interessierte haben sich im farbenfroh gestalteten und später abschließbaren Unterstellplatz für E-Bikes versammelt.

Im Januar fertig

»Der Baustellentermin soll eine spätere offizielle Einweihungsfeier im herkömmlichen Sinne ersetzen«, sagt Stefan Meier, der die Bauarbeiten von Anfang bis Ende als Vertreter der Stadtverwaltung begleitet hat und dafür ein Extralob von Bürgermeisterin Marion Weike erhält. »Wir wollen mit der Mobilstation so schnell wie möglich ans Netz gehen«, betont er, ohne einen konkreten Termin zu nennen, weil bei den noch zu erledigenden Vorhaben auch das Wetter mitspielen muss. Möglichst im Januar soll es aber klappen.

Im Juni 2015 hat der Rat der Stadt Werther den Grundsatzbeschluss gefasst, den Zentralen Omnibusbahnhof ZOB in eine barrierefrei zu nutzende Mobilstation MOB umzugestalten, die den zukünftigen verkehrstechnischen Anforderungen gerecht wird. »Die Fahrgastinsel soll unterschiedliche Angebote für den Busverkehr über Radfahrer und Fußgänger bis zum Carsharing schaffen«, sagt Marion Weike. Sie hoffe, auch die früheren Kritiker mit dem Ergebnis zu überzeugen. Die Stadt habe mit Weitsicht gehandelt, solange die Fördertöpfe noch voll waren.

Ohne lästige Schwellen

»Was wir jetzt vorfinden, ist deutlich besser als das, was vorher war«, sagt Stefan Honerkamp, beim Verkehrsverbund OWL Geschäftsführer für Tarif und Busverkehrsplanung des Kreises Gütersloh. Das investierte Geld sei gut angelegt und entspreche dem erklärten Ziel, ein zuverlässiges Nahverkehrssystem aufzubauen und jeden mitzunehmen.

Taktile Elemente mit Bodenindikatoren erleichtern Sehbehinderten die Orientierung. Erhöhte Bordsteine ermöglichen Menschen mit Rollator den niveaugleichen Einstieg in die Busse. Ansprechende Beleuchtung, elektronische Anzeigen und Audioassistenzsysteme tragen zusammen mit der noch zu installierenden behindertengerechten Toilettenanlage für eine erhöhte Aufenthaltsqualität und laden laut Honerkamp dazu ein, öfter mal den Bus zu nutzen.

Ein Euro pro Abfahrt

Die entsprechenden Zahlen liefert Dr. Klaus Bockermann vom zuständigen Planungsbüro. 540 Quadratmeter überdachte Fläche, 26 abschließbare und 38 offene Fahrradstellplätze, 1.500 Quadratmeter betonierte Busfahrspuren und mehr als 2.000 Quadratmeter gepflasterte Fläche sollen den Beweis dafür erbringen, »dass der ÖPNV auch gemütlich sein kann«. Die derzeit zwölf Buslinien seien bis auf 20 ausbaubar, bei den derzeit 170 Busabfahrten pro Tag sei eine deutlich steigende Tendenz zu erkennen.

Die Baukosten von zwei Millionen Euro – rund 90 Prozent davon mit Fördermitteln finanziert – ergeben laut seinen Berechnungen bei einer Laufzeit von 30 Jahren und 200 täglichen Abfahrten gerade mal den Betrag von einem Euro pro Busabfahrt. Unabhängig von den für die Umsetzung entsprechender UN-Kriterien erforderlichen Maßnahmen habe man in Werther etwas Zukunftsweisendes für den Umweltverbund auch im Sinne des Klimaschutzes geschaffen. Nach der Befestigung des obligatorischen Richtkranzes lud Marion Weike im Namen der Stadtverwaltung noch zu einem gemeinsamen Bummel über den Christkindl-Markt ein.

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