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Veith Lemmen verhalf neuer SPD-Parteispitze maßgeblich zum Sieg

Berlin eine Absage erteilt

Werther (WB). Der Name Veith Lemmen  als SPD-Bürgermeisterkandidat macht in Werther gerade die Runde, da taucht er schon  in bundesweiten Schlagzeilen auf: Der 36-Jährige gilt als Kopf hinter der Urwahl-Kampagne von Norbert Walter-Borjans und Saksia Esken, die das Duo ebenso erfolgreich wie unerwartet an die Parteispitze geführt hat.  Will der junge Mann, der bundespolitisch am großen Rad gedreht hat, tatsächlich im kleinen Werther Verwaltungschef werden?

Margit Brand

Mitten drin in Berlin: Veith Lemmen kniet beim jüngsten SPD-Bundesparteitag vor (von links) Generalsekretär Lars Klingbeil, den Bundesvorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, Ministerpräsidentin Malu Dreyer und  Finanzminister Olaf Scholz.   Foto:

"Ja", bekräftigt Lemmen auf Nachfrage des WB. "Das weiß in Berlin jetzt auch jeder." Nicht nur, weil er sich im Willy-Brandt-Haus und bei den Journalisten der Bundespresse mit "Werther's Original"-Bonbons verabschiedet habe. "Als er mich ansprach, habe ich Norbert Walter-Borjans von vorne herein gesagt, dass ich ihn gern unterstütze, aber nach dem entscheidenden Parteitag für keine Ämter zur Verfügung stehe." Und er werde Wort halten, versichert er. Auch wenn sich darüber einige gewundert haben dürften.

Es standen Türen offen

Denn nicht nur in der Parteizentrale wurde mehr oder weniger heimlich spekuliert, dass Lemmen sich mit seinem Einsatz als Bundesgeschäftsführer empfohlen haben könnte. Der Spiegel nennt den Mann mit Hut den "wichtigsten Mann" hinter Esken und Walter-Borjans. Ein Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion, das den unterlegenen Finanzminister Olaf  Scholz unterstützte, wird mit den Worten zitiert: "Lemmen und seine Leute waren entscheidend – auch in den sozialen Medien."

Dabei waren das gerade einmal eine Handvoll – (Ex-)Jusos vornehmlich, Lemmens Lebensgefährtin Dr. Wiebke Esdar, hiesige Bundestagsabgeordnete, inklusive. Ohne Apparat und fast ohne Budget (von gerade einmal 5000 Euro ist die Rede) organsierte der "Veith-Club" in seiner Freizeit den parteiinternen Wahlkampf, machte dabei auch mal die Nacht zum Tage, wie Lemmen erzählt.   Strippenziehen ohne Geld – diese Beschreibung würde schon zum Bürgermeisteramt in Werther passen. Aber passt letzteres zu dem SPD-Kandidaten?

Zukunft entsteht vor Ort

Lemmen hat da keine Zweifel. "Ich kann all diese Gedanken verstehen. Aber ich trete sehenden Auges und voller Überzeugung an", unterstreicht der gebürtige Mönchengladbacher. Er sei nicht der Typ, der sich treiben lasse, sondern bewusste Entscheidungen treffe. Zum einen auf persönlicher Ebene: "Ich möchte in Ostwestfalen-Lippe sesshaft werden und eine Familie gründen", sagt er. Aber er gibt der Entscheidung für Werther und gegen Berlin auch eine klare politische Dimension: "Die Zukunft unseres Landes und der Demokratie wird vor Ort, in den Städten und Gemeinden, entschieden", ist er von einer großen Bedeutung der Kommunalpolitik überzeugt.

In der Vergangenheit habe er vielfach mitgewirkt, die übergeordneten Rahmenbedingungen zu schaffen und mitzugestalten, sagt er und nimmt Bezug unter anderem auf seine Arbeit für die Düsseldorfer Landtagsfraktion, bei der Lemmen und Walter-Borjans sich übrigens kennen- und schätzen gelernt hatten. Jetzt sei es für ihn an der Zeit, konkret an der Umsetzung vor Ort mitzuwirken. "Ich möchte Dinge in Gang setzen, vermitteln, Interessen ausgleichen. Das kann ich", sagt er selbstbewusst. Sein breites Netzwerk hat er auch im Gepäck. Mal sehen, wie viele Berliner Parteifreunde sich im Wahlkampf an Lemmens Einladung nach Werther erinnern. Die habe er nämlich stets auch gleich mit ausgesprochen, als er Abschiedsbonbons an die Ungläubigen verteilte.

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