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Britta Haßelmann und Thorsten Schmolke diskutieren aktuelle Lage

Corona-Opfern mehr beistehen

Werther (WB). Gerade noch spricht Britta Haßelmann über die massiven Schäden, die die anhaltende Trockenheit des Sommers den Wäldern zufügt, und schon kommt der ersehnte Regen. Den wünschen sich die Bielefelder Bundestagsabgeordnete und Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Bündnis 90/Grünen-Fraktion und ihre Parteikollegen zwar schon, aber nicht gerade bei einer unter freiem Himmel stattfindenden Diskussionsveranstaltung.

Kerstin Panhorst

Die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann und der Wertheraner Bürgermeisterkandidat Thorsten Schmolke diskutierten unter dem Motto „Werther – Berlin – Brüssel: Was können wir durch kluge Politik vor Ort verändern?“ Foto: Kerstin Panhorst

Dennoch zog die Veranstaltung mit Haßelmann und Bürgermeister-Kandidat Thorsten Schmolke viele interessierte Bürger auf den Hof Maaß. Mehr als 40 Besucher wollten die Diskussion zum Motto „Werther – Berlin – Brüssel: Was können wir durch kluge Politik vor Ort verändern?“ miterleben.

Nicht nur Borkenkäfer und intensive Forstwirtschaft seien ein Problem für deutsche Wälder, sondern vor allem die Dürre, sagte Haßelmann „Es geht nicht mehr um andere Kontinente. Dem deutschen Wald geht es so schlecht wie noch nie, das können wir am Teutoburger Wald ebenso sehen wie an den Hermannshöhen oder dem Wiehengebirge.“ Deswegen sei es an der Zeit, die durch die Corona-Pandemie in den Hintergrund gerückte Klimakrise anzugehen und Geld zu investieren. Corona selbst habe zudem wie mit einem Brennglas weitere Probleme in den Fokus gerückt, nicht zuletzt die Problematik ausbeuterischer Strukturen in der Fleischindustrie durch den Ausbruch bei Tönnies. „Ein gesetzliches Verbot dieser Werksverträge ist wichtig, wir dürfen da nicht dem Lobbydruck weichen“, meinte Haßelmann. Auch die Abhängigkeit der Bauern und Betriebe der Region von großen Schlachtbetrieben sowie das Aussterben kleiner Schlachtereien müsse man im Blick behalten.

„Außerdem müssen wir uns um die kümmern, die in der Corona-Krise keine Stimme hatten. Wir brauchen mehr Unterstützung für freie Künstler, Kulturschaffende und Solo-Selbstständige ebenso wie für Familien und Kindern vor allem aus armen Verhältnissen“, sagt Haßelmann. Auch die immer noch fehlende Gleichstellung von Mann und Frau sei durch die Pandemie wieder sichtbar geworden. Denn es seien vor allem Frauen gewesen, die während des Shutdowns den Spagat zwischen Beruf und Familie hätten vollziehen müssen.

Nur zwölf Leute für Fahrradstraßen

Auch den Blick über den eigenen Tellerrand dürfe man nicht vernachlässigen, gerade wenn es um die noch immer bestehende Flüchtlingskrise geht. In den Flüchtlingslagern wie Moria sei von Corona-Hygienemaßnahmen und Konzepten kaum etwas zu sehen während sich in Deutschland die Menschen bestmöglich gegen das Virus schützen. „Es ist ein Armutszeugnis, dass wir in Europa nicht die Solidarität aufbringen und kein gemeinsames Handeln zustande kommt, um eine humanitäre Flüchtlingshilfe auf den Weg zu bringen“, so Haßelmann.

Wie schwierig das Umsetzen von Zielen aber auch trotz eines gemeinsamen Handelns sein kann, führte Bürgermeisterkandidat Thorsten Schmolke an. Trotz der Zustimmung aller Parteien sei die Umsetzung eines Radwegeausbaus an der Engerstraße noch immer nicht passiert. „Bei Straßen NRW arbeiten 6000 Mitarbeiter, für Fahrradstraßen sind aber nur zwölf zuständig“, führte der Bürgermeisterkandidat an und forderte ein Verkehrskonzept für Werther, das eine größere Gleichberechtigung für alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen müsse.

Zudem müsse die regionale Landwirtschaft gestärkt werden ebenso wie der lokale Einzelhandel. Dafür müsse aber nicht nur die Lokalpolitik sich engagieren, sondern auch die Bundesregierung: „Inhabergeführte Geschäfte haben es in kleinen Orten nicht leicht, weil es keine Steuergerechtigkeit gibt. Man muss die Steuerschlupflöcher stopfen die Firmen wie Amazon ausnutzen“, forderte Schmolke.

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