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Das Böckstiegel-Museum in Werther ist jetzt geöffnet – mit Video

Das Versprechen eingelöst

Werther (WB). »Einfach unglaublich!«, entfährt es Günter Kozlowski immer wieder, als er sich mit strahlenden Augen in der Ausstellungshalle umsieht. Der ehemalige Oberkreisdirektor, der aus dem Ruhrgebiet zur Eröffnung des Böckstiegel-Museums angereist ist, ist jedoch nicht nur fasziniert. Er ist auch erleichtert.

Klaus-Peter Schillig und Margit Brand

Der Schlüssel ist überreicht, das Museum geöffnet: Ein großer Moment nicht nur für Direktor David Riedel und Architekt Prof. André Habermann (vorn, von links), sondern auch alle Ehrengäste, die zum Festakt gekommen waren. Foto: Klaus-Peter Schillig

»Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass das Versprechen, dass ich Sonja Böckstiegel vor 25 Jahren gegeben habe, auf diese schöne Weise heute eingelöst wird«, sagt Kozlowski, der bis 1997 Chef der Kreisverwaltung war und sich an intensive Gespräche mit den Kindern des Künstlers um dessen Erbe erinnert.

Als 150 geladene Gäste Donnerstagabend fast zwei Stunden lang feierliche Worte des Dankes und der Wertschätzung gehört haben, mahnt der heutige Rechtsanwalt zum Abschluss: »Das klingt heute, wo alles so wunderbar gelungen ist, alles so selbstverständlich. Aber das war es nicht. Sonja sah den künstlerischen Nachlass ihres Vaters durchaus schon in Dresden.«

So aber ist gleich neben dem Geburtshaus in der Arrode ein »Findling« aus der Erde gewachsen, über den man sich nicht wundern müsse, dass er nicht rund sei, wie Architekt Prof. André Habermann vor der Schlüsselübergabe sagte: »Wir haben uns da ganz an Böckstiegel orientiert: Es war seine Art, Konturen pointiert und scharfkantig darzustellen.«

Am Donnerstag aber wurde die Architektur vor allem von innen bestaunt. Beeindruckt, fast ehrfürchtig traten die Gäste durch die schwere Eichentür, die bis dato den Blick auf die Ausstellungshalle mit ihren hohen, hellen Wänden und immer wieder neuen Blickachsen versperrte. »Gänsehautmomente« hatte Beate Behlert, Geschäftsführerin der Böckstiegel-Stiftung, versprochen und die meisten ließen sich in der Tat von der Wirkung von Raum und Bildern gefangen nehmen. »Von innen mutet der ›Findling‹ fast an wie ein Kristall«, meinte Ursula Husemann, Leiterin der Böckstiegel-Gesamtschule. Und manch einer wird sich überlegt haben, wo denn die ganze Technik wohl hätte Platz finden können, wenn es nicht das »geschenkte« Untergeschoss gegeben hätte.

Weil nach drei Previews im Laufe der Woche gestern unter anderem die Sponsoren geladen waren, die diese unauffällige, aber wertvolle Erweiterung in die Tiefe ermöglicht hatten, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer Dank: »Ein Viertel ist durch private Spenden finanziert – ein Wunder.« Ursula Bolte, Kuratoriumsvorsitzende der Böckstiegel-Stiftung, unterstrich: »Alle Beteiligten haben Außerordentliches geleistet.« Sie selbst ist seit 1984 »verböckstiegelt«, hat viele Fäden gezogen. Und auch sie stellte gestern fest: »Es ist erlösend, sein Versprechen eingelöst zu wissen.«

Hermann und Brigitte Gärtner (»Porta Möbel«) haben zu Hause selbst acht Werke hängen. Foto: Schillig
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