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Knut Weltlich (69) aus Häger reist mit Kommilitonen zu den Paralympischen Spielen nach Tokio

Der studentische Botschafter

Werther-Häger(WB). Was ist die Aufgabe eines Botschafters? Er soll vermitteln, Türen öffnen, Verständnis wecken. Knut Weltlich ist 2008 vom Nationalen Komitee zum Botschafter der Paralympics berufen worden und bereitet in dieser ehrenamtlichen Funktion als Förderer und Fan des Behindertensports bereits jetzt eine ganz besondere Reise zu den Spielen im Spätsommer 2020 in Tokio vor.

Margit Brand

Im großen Stadionrund von Peking: 2008 war Knut Weltlich erstmals als Botschafter der Paralympischen Spiele im Einsatz. Foto:

Die Idee dazu entstand aus einer Laune heraus. Der 69-Jährige hat nach seiner Pensionierung als Konzern-Schwerbehindertenbeauftragter der Bertelsmann AG 2015 begonnen, Medienwissenschaften an der Universität Bielefeld zu studieren. Dort lernt er im siebten Semester als »Alterspräsident« zwischen vielen jungen Leuten, denen er irgendwann mal von seinem beruflichen Werdegang und seinem Einsatz für Menschen mit Behinderungen erzählte. Denen seien die Paralympischen Spiele, bei denen Athleten mit Handicap immer einige Wochen nach den Olympischen Spielen gegeneinander antreten, gar kein Begriff gewesen, sagt Weltlich und spürte trotzdem Interesse. »Also sagte ich: Kommt doch einfach mal mit!«

»Kommt einfach mit!«

Und das werden zehn Kommilitonen jetzt im nächsten August auch tun. Denn aus dem flapsig daher gesagten Satz wurde ein Projekt, das die Uni Bielefeld als Praxiseinheit unterstützt. In Tokio werden die Medienwissenschaftler umsetzen können, was sie bislang theoretisch erarbeitet haben: Berichte, Interviews, Reportagen mit und über die Menschen, die trotz ihrer körperlichen Einschränkungen großartige Leistungen unter Beweis stellen.

Da kommt Botschafter Weltlich als Türöffner zum Einsatz; er nutzte seine Kontakte, um die notwendigen Akkreditierungen zu beschaffen, und sucht derzeit noch nach Sponsoren für die kostspielige Studienreise. Vor allem aber ist dem Hägeraner die Botschaft wichtig: »Leistung kennt kein Handicap«, lautet sein Credo. »Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das einem jederzeit wieder genommen werden kann.«

Auf Augenhöhe

Wenn er sich dafür einsetzt, Behinderten auf Augenhöhe zu begegnen, dann meint er das wörtlich: »Ein Interview mit einem Rolli-Fahrer im Stehen zu führen, geht gar nicht. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes von oben herab«, sagt Weltlich, der bei seinen bisherigen Einsätzen als Botschafter bei den Spielen in Peking, Vancouver oder London unter anderem diverse Filmdokumentationen erstellt hat.

Bei der inhaltlichen Vorbereitung der Tokio-Reise, die in diesem Semester beginnen wird, will Weltlich seine Kommilitonen deshalb ganz pragmatisch Respekt lehren vor den Leistungen der Athleten: »Wer einen Tag lang sein Bein schient, merkt erst mal, wie schwierig das Leben plötzlich wird. Es geht nicht um Mitleid, sondern um Verständnis.« Paralympisches Grundwissen gehört auch dazu. Die Sportler sind je nach Grad der Behinderung in Kategorien eingeteilt. Weltlich: »Das heißt: Wer beim Schwimmwettkampf als erstes anschlägt, ist nicht automatisch Sieger. Das wird im Nachhinein errechnet.«

Zu Studienzwecken

Auch Weltlich reist zu Studienzwecken nach Tokio – womöglich ergibt sich hier ja das Thema für eine Master-Arbeit. Mindestens so sehr liegt ihm aber am Herzen, jungen Menschen die Hemmungen im Umgang mit Behinderten zu nehmen und denen wiederum das Rampenlicht zu geben, das sie verdient haben. Der 69-Jährige: »Wer hier gute Erfahrungen macht, wird das weitergeben. Und diesen Schneeball-Effekt in Gang zu setzen, das betrachte ich als meine Aufgabe als Paralympischer Botschafter.«

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