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Saubere Geschenkidee: Stadt Werther spendiert Kitas, Schulen, Händlern, Vereinen und der Feuerwehr hunderte Liter Handreinigung

Desinfektionsmittel statt Weihnachtsgebäck

Werther

Sonst gehören selbstgebackene Plätzchen, Schokolade oder ein Glühwein auf dem Christkindlmarkt zu den vorweihnachtlichen Freuden, mit denen man anderen gerne dankt, vor allem denen, die sich für andere einsetzen. Dieses Jahr ist vieles anders – und somit auch manche Geschenke: Die Stadt Werther spendiert zahlreichen engagierten Menschen und Institutionen – jawohl, Handdesinfektionsmittel.

Volker Hagemann

Bauhof-Mitarbeiter Uwe Szymanski (links) und Bürgermeister Veith Lemmen (rechts) helfen Rainer Tönsmann (Flex Eingliederungshilfe) beim Einladen der Kanister in den Bulli. Foto: Volker Hagemann

Das kommt buchstäblich gut an: Kanisterweise sind am Montagnachmittag am Bauhof hunderte Liter in die Kofferräume verladen worden, die vielen Abholer kommen im Minutentakt. Nach den ersten 30 Minuten sind schon 600 Liter verteilt, damit ist bereits die erste Palette leer.

Eine ungewöhnliche Idee, die erst vor wenigen Tagen bei Werthers Bürgermeister Veith Lemmen und seinen Kollegen aufkam: „Wir hatten von einem Unternehmen aus Süddeutschland die Gelegenheit bekommen, 10.000 Liter Handdesinfektionsmittel zu erhalten – kostenlos!“, berichtet der Bürgermeister. „Und da außergewöhnliche Zeiten außergewöhnliche Maßnahmen erfordern, haben wir das Angebot angenommen; die Stadt zahlt lediglich die Transportkosten in dreistelliger Höhe. Der Bauhof lagert es bis zur Abholung fachgerecht ein, maximal acht Paletten mit je 24 Kanistern à 25 Liter. Der Rest wird für weitere Abholungen peu à peu aus einem Bielefelder Lager gebracht.“

Also hatte die Stadt im Vorfeld Kindergärten, Schulen, Vereine, Kirchengemeinden, Pflegeanbieter, Einzelhändler, Feuerwehr und weitere Institutionen eingeladen, sich das im Jahr 2020 derart heiß begehrte Gut am Bauhof abzuholen – jeder erhält maximal 200 Liter. Und so haben die Bauhof-Mitarbeiter Uwe Szymanski, Bless Kwesi, Uwe Dannehl und Lars Dilba reichlich Kanister in die Kofferräume zu schleppen, auch Bürgermeister Veith Lemmen packt mit an.

Als erster Abnehmer am Montagnachmittag kommt Rainer Tönsmann mit dem Bulli der Diakonischen Stiftung Ummeln; er holt mehrere Kanister für die Bewohner und Mitarbeiter der Flex Eingliederungshilfe in Werther: „Wieviel wir davon in den Wohnungen und den Behinderten-Werkstätten brauchen? Schwer zu beziffern, aber man wird Desinfektionsmittel in größerer Menge wohl noch eine Zeit lang benötigen“, prognostiziert er. Ohnehin ist es mehrere Jahre lang haltbar.

Das sieht auch Lena Kögerler so, die ihr Auto für die AWO-Kita Speckfeld voll lädt: „Die Aktion ist eine tolle Sache!", lobt sie. Kaum rollt sie vom Hof, steht kurz darauf schon eine Kollegin der Kita Nazareth in der Zufahrt, nimmt ebenfalls drei Kanister mit, Lebensbaum und Tagespflege Daheim folgen. „Sie alle sind tragende Säulen der Stadtgesellschaft. Durch ihren Einsatz und ihre Geduld, ihre Fähigkeit, auch in Corona-Zeiten Probleme zu lösen, wird der Laden überhaupt am Laufen gehalten“, betont Veith Lemmen, während er zwei Kanister auf die Laderampe des Tagespflege-Bullis wuchtet. „Eine sinnvolle Aktion“, lobt ebenfalls Einzelhändlerin Ellen Bökenkamp.

Vollen Einsatz zeigt auch Dieter Blasek für die katholische Kirchengemeinde St. Michael: Auf den Gepäckträger seines E-Bikes passt zwar „nur“ ein 25-Liter-Kanister. „Doch den Aufwand ist es mir wert“, betont er und schiebt mit beschlagener Brille sein Fahrrad unermüdlich durch den Nieselregen.

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