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IHK und Handel üben deutliche Kritik an Supermarkt-Plänen für das Weco-Gelände in Werther

»Die Anziehungskraft wird überschätzt«

Werther(WB). Die Stadt Werther hat ein Bebauungsplanverfahren zur Weiterentwicklung des Weco-Geländes eingeleitet. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung äußern sich jetzt auch IHK und der Handelsverband. Die kritische Bewertung beider Organisationen von Einzelhandel auf dem Gelände ist von überraschender Deutlichkeit.

Stefan Küppers

Das Unkraut vor Weco wird immer höher, doch Gras wächst über die Sache nicht. Bis Dezember muss die Politik über die offiziellen Einwände entscheiden. Zur Debatte stehen bis zu vier Märkte, maximal einer davon mit innenstadtrelevantem Sortiment. Foto: Margit Brand

Wie berichtet, hat die Schoofs-Gruppe, Geschäftspartner von Grundeigentümer Gerhard Wehmeyer, voriges Jahr einen Antrag für den Bau von sechs Märkten auf dem Weco-Gelände eingereicht. Die Stadt hat den Antrag für ein Jahr zurückgestellt, muss aber in diesem Zeitraum über einen Bebauungsplan eigene Vorstellungen entwickeln. Dieser Entwurf sieht nur noch bis zu vier Märkte vor, und nur einer davon darf überhaupt innenstadtrelevante Sortimente führen.

Laut Bauamtsleiter Jens Kreiensiek müssen bis spätestens November/Dezember die eingehenden Anregungen und Bedenken durch die Politik abgewogen und beschieden worden sein. »Im Zweifel müssten wir dann für das Weco-Areal eine Veränderungssperre erlassen«, sagt Kreiensiek.

Lieber mehr Gewerbe

Gerald Blome, Referent für Standortpolitik bei der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, sieht Einzelhandel auf dem Weco-Gelände kritisch: »Werther braucht weitere Gewerbeflächen, die Rodderheide ist ja auch schon fast voll.« Werther brauche weniger neuen Einzelhandel, sondern vielmehr Optionsflächen für Gewerbe. »Die Weco-Fläche hat Potenzial. Wegen ihrer Vorprägung eignet sie sich besonders gut für kleinere Betriebe«, sagt Blome.

Einzelhandel solle dem zentralen Versorgungsbereich vorbehalten bleiben, verweist Blome auf die klaren Vorgaben im Landesentwicklungsplan (LEP). Und das Weco-Areal liege außerhalb diesen Versorgungsbereiches. Im übrigen hätten auch schon in anderen Städten selbst die größeren Fachmarktzentren Probleme im Kampf gegen Online-Konkurrenz.

Umsätze werden nicht mehr

Jörg Beyer, Referent beim Handelsverband in Bielefeld, ist davon überzeugt, dass neue Fachmärkte auf dem Weco-Gelände nur eine Umverteilung im städtischen Gefüge erzeugen würden. Die Vorstellung, dass viel Kundschaft von außerhalb angezogen werden kann, werde weit überschätzt. Stattdessen grabe die Online-Konkurrenz schon heute mit etwa 20 Prozent Umsatz dem stationären Einzelhandel das Wasser ab. »Das Land hat mit seinem LEP eine klare Vorgabe gemacht, wo die Musik in einer Stadt spielen soll. Das aber steht gelegentlich gegen Eigentümer- oder Investoreninteressen.«

Der Handelsreferent glaubt nicht, dass Werther bei bereits vier Märkten im Ort einen weiteren Discounter oder Vollsortimenter verkraften kann: »Wo sollen die Umsätze herkommen? Ein weiterer Lebensmittelmarkt würde Konsequenzen haben.« Es gebe im Handel eine Faustformel: Pro 5000 Einwohner ein Vollsortimenter, pro 10 000 Einwohner ein Discounter. Danach sei Werther bereits überversorgt.

Ballung schafft Problme

Eindringlich warnt Beyer vor der Agglomerationswirkung (Zusammenballung), die weitere Fachmärkte schon mit ihren Teilsortimenten erzeugen können. Er verweist auf das ehemalige Kippskrug-Gelände und die strengen Vorgaben außerhalb des zentralen Versorgungsbereiches. Denn wenn der Aldi nun größer als 799 Quadratmeter Verkaufsfläche werden wolle, müsse er wegen der Beschränkungen gleich wegziehen. Es gebe so einfach keine Entwicklungsperspektiven, was Beyer entsprechend auch für Einzelhandel bei Weco einschätzt.

Leerstand beseitigen statt neue Flächen außerhalb der Kernstadt erschließen: Das fordert die Werbegemeinschaft Werther. Schon die neue Rossmann-Drogerie werde für die bestehenden Vollsortimenter Einbußen bringen. Weitere Genehmigungen führten nur zur Verdrängung, sagt der Vorstand. Die Werbegemeinschaft befürwortet auf dem Weco-Gelände einen Mix aus Handwerk, Dienstleistern, Lagerflächen und Spezialsortimentern, die nicht innenstadtrelevant sind.

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