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Walter Moritz aus Werther schreibt im 34. Buch über sein Lieblingsthema

Die Topnaar und die !Narafrucht

Werther

Auch mit 87 Jahren ist Walter Moritz geistig rege und körperlich fit. Täglich holt er Salat aus dem eigenen Garten, als Ausgleich für seine Aktivitäten als Autor hackt er auch schon mal Holz mit seinem Enkel. Der ehemalige Missionar und langjährige evangelische Pfarrer war zwölf Jahre lang im heutigen Namibia aktiv, nicht zuletzt um das Selbstbewusstsein der afrikanischen Pastoren und ihrer Gemeinden zu Zeiten der Apartheid zu stärken.

Johannes Gerhards

Walter Moritz präsentiert sein neues Buch. Auf mehr als 110 Seiten mit zahlreichen Fotos dokumentiert er seine Zeit als Missionar im heutigen Namibia. Foto: Johannes Gerhards

Im Gespräch zitiert Walter Moritz immer wieder aus Liedern und Gebeten in verschiedenen afrikanischen Sprachen. Besonders liegen ihm die Topnaar am Herzen. Sie gehören zu den ältesten Nama-Stämmen und wanderten ursprünglich aus dem Süden Afrikas in den hohen Norden des heutigen Namibias. Die im Kuiseb-Delta wachsende !Nara (das Ausrufezeichen steht für einen in der Namasprache genutzten Klicklaut) dient ihnen immer noch als Hauptnahrungsmittel. Die Topnaar verarbeiten die Kerne und das Fruchtfleisch, kochen und fermentieren die an Vitaminen und Mineralstoffen reiche Kürbisfrucht.

Zwischen 1965 bis 1972 hat Walter Moritz während seines Aufenthalts in Walvisbaai immer mal wieder die zurückgezogen lebenden Topnaar besucht und mit ihnen zusammen vor genau 50 Jahren in Rooibank eine Kirche errichtet. Ein auf der früheren Missionsstation platzierter Gedenkstein sorgte später dafür, dass das südafrikanische Militär davon Abstand nehmen musste, auf diesem „heiligen Grund“ ein Erholungsgebiet einzuzäunen.

Der !Narafrucht als „Brot der Wüste“ hat Walter Moritz mit dem 11. Titel seiner inzwischen auf 27 Bücher angewachsenen Schriftenreihe „Aus alten Tagen in Südwest“ ein besonderes Denkmal gesetzt. Die stacheligen Früchte wurden seinerzeit mit einfachen Werkzeugen aus Dornengestrüpp herausgezogen und aufgeschnitten. Der zu Brei gekochte Inhalt trocknet in einem Dünenbett zum sogenannten !Narakuchen aus, der als haltbares Nahrungsmittel auch dann verfügbar ist, wenn frische Früchte ausbleiben. Die „Butterpits“ – so die Bezeichnung der Kerne – haben einen mandelähnlichen Geschmack und werden unter anderem auf Märkten angeboten.

Der 0,5 bis ein Meter hohe Narastrauch bildet eine sehr tiefe Pfahlwurzel aus. Das wilde Gestrüpp aus Zweigen kann eine Fläche von bis 1500 Quadratmetern bedecken, die Pflanze kann über 100 Jahre alt werden. Ihr größter Teil ist im Sand versteckt, die bis zu 40 Meter langen Wurzeln stoßen bis zum Grundwasser vor. Der Fluss Kuisep ist etwa 300 Kilometer lang, versickert streckenweise und fließt unterirdisch weiter. Insofern geben die !Nara-Pflanzen auch Orientierung über die Lage des Flussbetts.

Auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland ist Walter Moritz immer wieder zu seiner alten Wirkungsstätte zurück gekehrt. Seine Tochter Birgit lebt heute noch in Namibia, obwohl seine fünf Kinder „eigentlich nicht so viel von Afrika wollten“. Seine zahlreichen Schriften vertreibt der ehemalige Missionar im Eigenverlag oder über befreundete Gemeinden. Das Hauptabsatzgebiet liegt aber in Namibia, wo die Schriften an Touristen verkauft werden.

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