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Ob Sommer oder Winter – Schuhe trägt Yvonne Kordt aus Werther fast nie

Diese Frau ist gut zu Fuß

Werther (WB). Diese Frau bereitet Schuhverkäufern schlaflose Nächte: Yvonne Kordt läuft barfuß. Und zwar immer: in der Stadt, im Wald, beim Einkaufen, in der Freizeit, bei ihrer Arbeit. Bei Sommerhitze ebenso wie bei Schnee und Eis. Und sie sagt: Das sollte möglichst jeder so machen.

Volker Hagemann

„Unsere Füße sind das Fundament“, sagt Yvonne Kordt. Grund genug für die 42-jährige Wertheranerin, ihnen möglichst viel Beachtung zu schenken, sie barfuß zu fordern. Foto: Volker Hagemann

Denn das könne eine Reihe körperlicher Probleme lindern oder gleich ganz vermeiden. Kordt spricht aus jahrelanger eigener Erfahrung. Gesundheitliche Probleme brachten die sportbegeisterte Wertheranerin vor Jahren dazu, ihren bisherigen beruflichen Werdegang gründlich zu überdenken. Als sie dann auch noch in Folge der Corona-Pandemie arbeitslos wurde, war das endgültig der Auslöser, beruflich einen neuen Weg zu gehen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Oft wird sie auf ihre nackten Füße angesprochen

Ja, sie werde in Werther und anderswo oft auf ihre nackten Füße angesprochen. „Und schon kommt man ins Gespräch, vor allem über die gesundheitlichen Zusammenhänge des Barfußlaufens und wie es bei mir dazu kam“, berichtet die 42-Jährige. Als klassische „Vielsitzerin“ und nach sage und schreibe fünf Bandscheibenvorfällen hatte die jahrelang im Büro arbeitende Industriekauffrau noch vor 20 Jahren nach Feierabend jede Menge Sport getrieben: Yvonne Kordt spielte Volleyball, Eishockey, betrieb Kampfsport und frönte ihrer Leidenschaft, dem Standardtanzen. „All das war als Ausgleich gedacht, brachte mich aber an meine Grenzen. Der Rücken und die Gelenke streikten, Hausarzt und Orthopäden behandelten lediglich die Symptome“, erinnert sie sich. Obendrein folgte vor sechs Jahren ein Burnout. Höchste Zeit, etwas zu ändern – sie kündigte.

Im Zuge einer mehrmonatigen Berufsorientierung wurde Kordt immer mehr klar, „wie wichtig und spannend das Thema Gesundheit für mich ist. Ich wollte wissen, wie was im Körper funktioniert: Warum genau meckern Rücken, Knie, Füße?“ Also bildete sie sich weiter, erwarb Rehasportlizenzen, wurde Präventions- und Fitnesstrainerin – und fand 2019 eine Anstellung in einer Physiotherapiepraxis. Wobei ihr auffiel, „dass die Füße zwar Thema waren, wenn es um Fehlstellungen ging, aber es kein Training dafür gab. Also musste eines her, das den ganzen Körper betrachtet.“ Seitdem analysiert Yvonne Kordt das Gangmuster der Klienten, nutzt Kräftigungs- und Dehnmethoden gegen Fehlstellungen. „Denn die wirken sich auf Knie, Hüfte und Wirbelsäule aus.“

In der „Fußwerkstatt“ will sie anderen helfen

Das Coaching kam gut an bei den Klienten – bis Corona jäh ein Ende setzte: Praxen machten vorübergehend dicht, in Folge von Kurzarbeit verlor Yvonne Kordt ihren Job. Jetzt nahm die 42-Jährige die Sache selbst in die Hand: „Im Juni meldete ich in Werther mein eigenes Gewerbe an, Unterstützung erhielt ich von der IHK und der Pro Wirtschaft GT.“ In ihrer „Fußwerkstatt“ will sie nun anderen helfen, von Fuß bis Kopf gesund zu bleiben oder zu werden – und ruhig mal barfuß zu gehen. Wer das kennenlernen will, sollte sich einer der Waldwanderungen mit Yvonne Kordt anschließen. Schließlich die Klischeefrage: Wie viele Schuhe besitzt sie selbst noch? „Nur sieben Paare, darunter selbst hergestellte Sandalen – falls man irgendwo ohne Schuhe abgewiesen werden sollte...“

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