1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Werther
  6. >
  7. Dunkle Jahre voller Farben

  8. >

Immer neue Facetten: Böckstiegel-Museum plant für 2020 drei große Ausstellungen

Dunkle Jahre voller Farben

Werther (WB). Mutig, selbstbewusst, vielseitig: Das noch junge Museum Böckstiegel hat sich für das neue Jahr einiges vorgenommen. Das Publikum darf sich auf drei große Ausstellungen freuen, die umrahmt werden von einer Vielzahl an besonderen Veranstaltungen.

Margit Brand

Im Keller gibt es jetzt eine Retrospektive der anderen Art: Nachdem dort lange eine Bau-Dokumentation zu sehen war, zeigen David Riedel und Lilian Wohnhas hier Veranstaltungs- und Ausstellungsplakate aus jüngerer Zeit und längst vergangenen Tagen. Foto: Margit Brand

Zum Auftakt gibt es gleich einen großen Namen: Käthe Kollwitz, die zu Deutschlands bekanntesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts zählt. „Mit Stärke seine Arbeit tun“ lautet der Titel der Ausstellung, die vom 16. Februar bis zum 3. Mai zu sehen sein wird. 70 Grafiken, Zeichnungen und Skulpturen werden zusammen gestellt, um – wenigstens im Ansatz – einen Überblick über ihr Werk zu geben, für das sie schon zu Lebzeiten sehr geachtet war.

Schon 40.000 Besucher

Im ersten kompletten Museumsjahr 2019 sind 25.591 Besucher gezählt worden. Insgesamt kletterte die Zahl der Gäste damit auf 40 379. Die letzte Aussstellung „Kirchner, Macke, Morgner – Grafische Meisterwerke“ aus der Sammlung des LWL Museums Münster sahen 6902 Besucher. „Diese Zahl in den eher schwachen Wintermonaten ist sehr erfreulich und macht uns optimistisch”, sagte Leiter David Riedel. Es sei festzustellen, dass Besucher zunehmend auch weitere Wege in Kauf nehmen.

Führung, Vortrag, Workshop, Lesung: Sage und schreibe 757 Veranstaltungen gab es im vergangenen Jahr. Das entspricht 3,3 Angeboten pro Öffnungstag. 56-mal waren Kitas und Schulen zu Gast. Diesen Bereich möchte das Museum weiter ausbauen.

Unter anderem werden die kompletten Grafikreihen „Weberaufstand“, „Bauernkrieg“ und der Zyklus „Krieg“ gezeigt. „Aber auch andere Facetten als die düsteren“, verspricht Musuemsleiter David Riedel. Werther arbeitet hier mit dem Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin zusammen und bekommt Leihgaben unter anderem aus der Kunsthalle Bielefeld, der ahlers collection (Herford) und aus Privatbesitz.

PAB in der Nazi-Zeit

Der Sommer wird einmal mehr dem Hausherrn gehören. Und diese Böckstiegel-Ausstellung wird politisch. Denn unter dem Titel „Dunkle Jahre, voller Farben“ beleuchtet die Frage, was Peter August Böckstiegel wie er sich in der Zeit der Nazi-Diktatur verhalten hat und warum. „Das Dilemma, in dem Böckstiegel steckte, hat sich erst durch Recherchen und Funde der vergangenen Jahre so deutlich offenbart“, berichtet Riedel. Noch nie oder lange nicht gesehene Spätwerke sind zu sehen.

Gast aus Vancouver

Ergänzt wird diese Ausstellung durch die Audio- und Film-Installation „Fractured Legacy” (zu deutsch: gebrochenes Vermächtnis) von Mia Weinberg aus Vancouver. Die Kanadierin ist Tochter des inzwischen verstorbenen jüdischen Kaufmanns Kurt Weinberg (Haus Werther), der als Kind vor der Verfolgung der Nazis nach London floh. Den Kontakt stellte der Arbeitskreis „Jüdische Spuren in Werther“ her, der sich zudem in eine ganze Reihe von begleitenden Veranstaltungen einbringt.

Um die dritte und letzte Ausstellung 2020 ranken sich noch einige Geheimnisse. Sie heißt „Informel“ und knüpft damit an die Phase nach Böckstiegels Tod an. Das bedeutet: Es wird großformatig und abstrakt mit Werken von Emil Schumacher, Karl Otto Götz oder Peter Brüning. Riedel verrät: „Eine private Sammlung aus dem näheren Umkreis wird erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen sein.“

An der Nordseeküste

Böckstiegel geht 2020 auch wieder auf Reisen. Während zurzeit im Frankfurter Städel viele Besucher auf den Wertheraner Expressionisten in der großen van Gogh-Ausstellung aufmerksam werden, ist die nächste Schau abseits Werthers für den Sommer in Niebüll an der Nordseeküste – quasi in Sichtweite des Nolde-Hauses – geplant. Bekannte Werke aus der Sammlung Bunte stellt dort das kleine aber feine Museum aus, das dem Bildhauer Richard-Haizmann, einem Zeitgenossen PABs, gewidmet ist. Auf dass kunstinteressierte Touristen auch mal den Weg nach Werther finden mögen.

Startseite