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Irene Below will das Werk der portugiesischen Exilautorin Ilse Losa bekannter machen

Ein Bilderbuch baut Brücken

Werther-Theenhaus...

Das Bilderbuch ist vor 45 Jahren erschienen – als niemand ahnen konnte, dass die Rettung des Hambacher oder Dannenröder Forsts einmal Schlagzeilen machen würde. „Beatriz e o Platano - Beatriz und die Platane“ ist eine alte und doch sehr aktuelle Geschichte aus der Feder der Exilautorin Ilse Losa, die als Brückenbauerin zwischen Deutschland und Portugal gilt

Margit Brand

Dr. Irene Below, Übersetzerin Isabel Remer, Barbara Daiber (von links) sind überzeugt, dass die Bücher der aus Melle stammenden Exilschriftstellerin Ilse Losa – in Portugal ein großer Name – in Deutschland mehr Aufmerksamkeit verdienen. Erstes Ergebnis des Projekte ist die Publikation des ursprünglich auf portugiesisch verfassten Kinderbuches „Beatriz und die Platane“. Foto: Lutz Below

. Eine, die überzeugt ist, dass die Werke dieser Autorin besondere Aufmerksamkeit verdienen, ist Dr. Irene Below aus Theenhausen.

Das Kinderbuch erzählt die Geschichte der kleinen Beatriz, der es klug und gewitzt gelingt, das Fällen der großen Platane in ihrem Viertel zu verhindern. Sie schreibt mutig an die Stadtverwaltung, nennt den großen Baum einen Lebensort nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere und bewegt schließlich Eltern und Nachbarn, sie zu unterstützen. „Mir gefällt dieses Vorgehen“, sagt Irene Below. Die Kunsthistorikerin und Exilforscherin hat es sich gemeinsam mit der Autorin und Bildenden Künstlerin Barbara Daiber zur Aufgabe gemacht, das Werk der aus Melle-Buer stammenden Autorin Ilse Losa bekannter zu machen. Übersetzt hat Isabel Remer. Die Publikation ist das erste Ergebnis ihres Projektes. Weitere sollen folgen.

„Ilse (Lieblich-)Losa gehört zu den herausragenden Exilschriftstellerinnen, die in Deutschland vom Vergessen bedroht sind“, sagt Irene Below und umreist die Vita: Losa wurde 1913 in Buer geboren. Ihrer jüdischen Herkunft wegen musste sie unter der nationalsozialistischen Herrschaft Deutschland 1934 verlassen. Sie emigrierte nach Portugal, heiratete den Architekten Arménio Losa und nahm die portugiesische Staatsangehörigkeit an. Bis zu ihrem Lebensende lebte sie in Porto und wurde durch ihre auf portugiesisch verfassten Romane, Essays und Kinderbücher zu einer bekannten Autorin. Als Lektorin und Übersetzerin war sie für portugiesische und deutsche Verlage tätig, unter anderem als Mitherausgeberin mehrerer Anthologien portugiesischer Erzählungen in der DDR. Sie übersetzte die Tagebücher der Anne Frank ins Portugiesische sowie weitere deutsche Autoren – so Thomas Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Peter Härtling, Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann, Max Frisch oder Ilse Aichinger.

So wurde Losa zu einer kulturellen Brückenbauerin zwischen Portugal und Deutschland – und ist in der Bundesrepublik bisher doch wenig bekannt. Ihre eigenen Romane fanden in ihrer alten Heimat wenig Widerhall, anderes wurde gar nicht erst ins Deutsche übersetzt. Das gilt auch für ihre 21 Kinderbücher. In Portugal dagegen ist ihr Name vielen ein Begriff, ihre Werke wurden in den nationalen Leseplan der Schulen aufgenommen und mehrfach preisgekrönt. 1984 wurde sie mit dem Gulbenkian-Preis für ihr gesamtes Kinderbuch-Oeuvre und 1987 von der Internationalen Jugendbibliothek in München ausgezeichnet.1991 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Für Irene Below und ihre Mitstreiterinnen ist das Grund genug, die Aufmerksamkeit von kleinen und großen (Vor-)Lesern auf Ilse Losas Bücher zu lenken. „Sie behandeln in einer kindgerechten, bildreichen und poetischen Sprache höchst aktuelle Themen wie Migration, Verlust von Heimat, Umweltthemen, Freundschaften zwischen Wesen aus unterschiedlichen Lebenswelten und sozialen Schichten“, sagt Irene Below überzeugt davon, dass die Bücher einen gebührenden Platz in der Geschichte der Exilliteratur verdient hat. Bis dato waren die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung in Osnabrück, die Initiative gegen das Vergessen in Bielefeld und das Kulturzentrum Wilde Rose in Melle bei der Umsetzung des Projektes sehr hilfreich. Geplante Veranstaltungen, die das Werk bekannter machen sollten, mussten wegen Corona komplett entfallen. Bis neue Termine feststehen, können Interessierte können das Buch unter anderem in der portugiesischen Buchhandlung TFM in Frankfurt (www.tfmonline.de) bestellen.

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